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MorgenpostKurze Hosen und Redaktion: Ein Bruch mit dem Selbstverständnis des Berufs

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

© APA/Gindl
 

Guten Morgen!

Gestern haben wir in der täglichen Abstimmung der Chefredaktion, einer Video-Schaltung zwischen Klagenfurt, Graz und Wien, mehr über uns als über Sie geredet. Selbstreferentielle Konfis: Das ist beim Zeitungmachen ein eher schlechtes Zeichen, aber manchmal passiert es halt, oder es überträgt sich die Hitze, und man endet als Knäuel. Gestern war so ein Tag. Keine Ahnung, wer den Anstoß gab, nicht auszuschließen, dass es der Autor dieser Morgenpost war, aber irgendwie landeten und strandeten wir bei der Frage, ob wir im Newsroom aus gegebenem Anlass kurze Hosen zulassen oder für stilistisch unerwünscht erklären sollten. Ich glaube, es passierte, als wir die Geschichte über die Dürre und die Folgeschäden für den Wald und die Landwirtschaft (wegen des Futtermangels muss Vieh verkauft werden) besprachen und meinten: ein starker, nahe gehender Aufmacher. Der Morgenpostler ließ sich zur Anmerkung verleiten, dass neben diesen bedrückenden Begleiterscheinungen auch das Tragen von kurzen Hosen in der Redaktion, womöglich mit offenem sandalenartigen Schuhwerk, zu den Folgeschäden der Hitzewelle gezählt werden müsste.
 
Kurze Hosen und Redaktion, das sei nicht nur ein ästhetisches Missvergnügen, sondern gehe in Sachen Zeichenhaftigkeit einfach nicht zusammen: ein Bruch mit dem Selbstverständnis des Berufs und den Anspruch an ihn. Eine Redaktion sei ja kein Freibad. Außerdem sei der Newsroom im Gegensatz zum Freibad oder zu Caorle ein gekühlter Raum. Zudem fänden täglich Führungen statt, oder es kämen Gäste zum Interview wie heute Pamela Rendi-Wagner, welches Bild vermittle man da? Daraus entzündete sich eine feurige Stil-Debatte ohne Beschluss-Lage. Vielleicht lassen wir sie breit diskutieren, auch auf die Gefahr hin, dass vor einer Einigung der Winter ins Land zieht. Oder wir drehen dezent an der Kühlung in der leisen Hoffnung, dass die Träger kurzer Hosen, liebevoll Schlapfen-Fraktion genannt, mit Schnürlsamthosen am Drehkreuz auftauchen. Aber das wäre pädagogisch sehr unkorrekt und zu nah an Guantanamo. Haben Sie das Thema in Ihrem Büro auch? Wie lösen Sie es? Schreiben Sie uns! Kennwort: „Hosenkrieg. Der Weltfrieden beginnt im eigenen Haus.“
 
Kommen Sie stilsicher durch den heißen Tag und drücken Sie um 13.37 Uhr Caroline Pilhatsch beim Schwimm-WM-Finale die Daumen. Sie kriegen einen Push aufs Handy.

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