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MorgenpostWollen wir nicht alle für Menschen in Pflegeheimen mehr als warm, satt und sauber?

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

 

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser!

Kennen Sie Alten- und Pflegeheime, Schwerstbehinderten-Betreuungseinrichtungen? Ich persönlich sehr viele, berufsbedingt und familiär: Bruder, Schwester, Nichte und Neffe haben es beruflich in unterschiedlichen Einrichtungen mit beeinträchtigten oder zu pflegenden Menschen zu tun. Pflege ist nicht nur "emotionale Schwerstarbeit", wie Michaela Guglberger, die Kollektivvertragsverhandlerin der Gewerkschaft Vida sagt. Pflege ist vielfach auch körperliche Schwerstarbeit. Das jetzige System sei nur auf das Notwendigste ausgerichtet: warm, satt und sauber. "Geht es darüber hinaus, dann scheitert man, weil man dafür keine Zeit hat", sagte uns ein Pflegeassistent. "Biografiearbeit" mit den alten Menschen, wie es Qualitätsstandards vorsehen würden? Fehlanzeige. Es fehlt den diplomierten Pflegekräften die Zeit dafür. Andere verzweifeln an der ausufernden Dokumentationspflicht. Sie ist notwendig, um in möglichen Problemfällen die Betreuung lückenlos nachweisen zu können. Schichtdienste, unregelmäßige Dienstzeiten setzen zusätzlich zu. Mit diesen Arbeitsbedingungen begründen die Gewerkschaften GPA-djp und Vida ihre Forderung nach einer 35-Stunden-Woche und einer sechsten Urlaubswoche.

Die Kollektivvertragsverhandlungen sind in der Nacht auf Freitag ergebnislos unterbrochen worden. Am 18. Februar wird weiterverhandelt. Es geht um die Kollektivverträge für rund 100.000 Beschäftigte. In dieser Woche wird es Betriebsversammlungen, Arbeitsniederlegungen, Warnstreiks geben, von Dienstag bis Donnerstag. Für die Menschen in Betreuung werde es zu keinen Beeinträchtigungen kommen, versichern die Arbeitnehmervertreter. Die Arbeitgeberseite für den privaten Sozial- und Gesundheitsbereich hat kein Verständnis für die Forderungen, auch weil die Branche einen Personalmangel hat. Wen wundert es? Die Beschäftigten sehen auch die Politik in der Pflicht. Dem ist zuzustimmen, unabhängig von den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen. An der Politik wäre es, die Qualitätskriterien für die Heimbetreuung nachzuschärfen. Mit einem besseren Pflegeschlüssel – das ist die Anzahl an Betreuungspersonal in Relation zu den betreuten Menschen – könnte der Überlastung des Pflegepersonals entgegengewirkt werden. Wollen wir nicht alle für die Menschen in den Pflegeeinrichtungen mehr als warm, satt und sauber?

Keine schöne Begleitmusik der Verhandlungen ist ein in der Vorwoche bekannt gewordener Wunsch des Fachverbandes der Gesundheitsbetriebe. Er hat an den Nationalratspräsidenten den Wunsch herangetragen, den Prüfungsbereich der Volksanwaltschaft in den Gesundheitsbetrieben einzuschränken. Zu dem Fachverband gehören eben auch die Alten- und Pflegeheime. Das ist jedenfalls keine vertrauensbildende Maßnahme gegenüber den betreuten Menschen, ihren Angehörigen und dem Pflegepersonal.

Ein weiterer markanter Termin in dieser Woche ist die Sitzung des Bundesrates am Donnerstag. Dort will die SPÖ die Ökostrom-Gesetzesnovelle scheitern lassen und damit die Bundesregierung mit den Bundesländern an den Verhandlungstisch zwingen. Die Hintergründe haben Claudia Gigler und Michael Jungwirth ausgeleuchtet.

Einen angenehmen Wochenstart wünscht Ihnen


Antonia Gössinger 

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