AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

MorgenpostDer älteste Hass Europas war erneut aufgeflammt, entfacht von den Nazis.

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute vor 80 Jahren entlud sich eine tiefsitzende Feindseligkeit gegenüber allem Jüdischen in offene, abgründige Gewalt. Das Nazi-Regime offenbarte in jenen Novembertagen des Jahres 1938 sein barbarisches Gesicht. Zweifel konnte es nach diesem Novemberpogrom keine mehr geben. Im ganzen Land wurden jüdische Bethäuser in Brand gesetzt, in Graz eigenhändig vom braunen Bürgermeister. Unschuldige wurden aus ihren Wohnungen und Geschäften gejagt, öffentlich gedemütigt, verschleppt und misshandelt. Der älteste Hass Europas war erneut aufgeflammt, entfacht von den Nazis. Alles konnte geschehen, weil die „Zuschauer nichts als zuschauten“, wie ein Historiker in unserem heutigen sechsseitigen Schwerpunkt feststellt. Der Antisemitismus war keine Erfindung der Nazis. Er war als Gesinnung schon da. Auf ihr konnte das NS-Regime aufsetzen.

Viele Opfer von damals leben nicht mehr. Der gebürtige Wiener Zwi Nigal hatte Glück. Er kehrte dieser Tage zurück an jenes Gymnasium, in dem er einst zur Schule gegangen war, und erzählte heutigen Schülern, was ihm und seiner Familie damals widerfahren war, schon im roten Wien, vor den dunklen Jahren. Zwi Nigal gelang im Alter von 16 Jahren die Flucht nach Palästina. Seinen Vater, in Auschwitz ermordet, sah er nie mehr wieder. „Lernt! Denn egal, was passiert, das Wissen kann Euch niemand mehr nehmen!“, gibt der 95-Jährige den Jugendlichen mit auf den Weg. Meine Kollegin Christina Traar durfte der berührenden Begegnung, die es so beim nächsten großen Gedenkjahr nicht mehr geben wird, beiwohnen. Ihre Reportage haben wir an den Beginn der heutigen Ausgabe gestellt - als Mahnmal gegen ansässigen Hass und den importierten - und als Weckruf gegen das Zuschauen.

Herzlich,

Hubert Patterer

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren