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Iniesta, das GehirnIniestas Äußeres ist nicht dergestalt, dass es einem Gegner das Fürchten lehrt

 

Googelt man Andres Iniesta, werden zu seinem Namen „wein“, „alter“, „china“, „frau“, „gehalt“, „wechsel“ und „kinder“ als Suchanfragen vorgeschlagen. Nichts von alledem reizt den Fußball-Fachmann, und er weiß auch alles längst: Ja, Iniesta ist im Wechsel, ja, er ist alt, nämlich 34, ein alter Verwalter, und sein Äußeres ist nicht dergestalt, dass es einen Gegner am grünen Rasen das Fürchten lehren könnte. Auf den ersten Blick kann man ihn durchaus für einen Trafikanten oder für einen Schalterbeamten früherer Tage bei der Post halten.

Seinen Friseur macht er nicht reich, und ohne Weiteres traut man ihm auch das Pensionistendasein zu, das er tatsächlich demnächst bei irgendetwas Schrulligem antritt, das sich „Vissel Kobe“ nennt.
Aber das Äußere trügt: Mag Iniesta in der Aufstellung der Spanier auch der siebte Zwerg von links sein. Am Platz ist er ein Gulliver. Mag seine Karriere auch lang im Schatten von Sonnenkönigen wie Messi, Xavi, Neymar oder Ronaldo gestanden sein: Im Schatten spielt man eben besser! Wie auch immer Spaniens Blüten diesmal blühen werden – was immer davon abhängt, wie er sie gießt! – es wird Iniestas letzte Weltmeisterschaft sein, es wird vom ersten Spiel an heute gegen Portugal ein (sentimentales, melancholisches, feierliches) Abschiednehmen, und daher ist der richtige Zeitpunkt, den besten
Fußball-Torrero, den Spanien (oder eben Barcelona, also Katalonien – aber lassen wir das jetzt einmal …) in seiner langen und erfolgreichen Geschichte jemals hervorgebracht hat, zu würdigen: Jetzt!

Er hat viermal die Champions-League und zweimal die Europameisterschaft gewonnen, unsere in Wien und die in Kiew, und er war jedes Mal der beste Mann auf dem Feld. Sprach Iniesta: „Es werde Tiqui-taca“, dann wurde aus dem Spiel eine Kunst, ein Hochamt der Eleganz, ein Stierkampf – mit einem Ball anstelle eines Dolches und anstelle der Stiere hechelnde Fußballtruppen des Nordens. Er war nicht für seine vielen Tore bekannt: Aber er hat all die Tore konstruiert, die seine Gehilfen dann zementiert oder betoniert haben.

Extra für ihn wurde das Wort „Schnittstelle“ erfunden (das bis dahin „Loch“ geheißen hatte), nur damit er den Ball hineinspielen konnte. Seine Liebe gehört der Geometrie. Das Tor seines Lebens hat er sich für den wichtigsten Augenblick seiner Karriere aufgehoben: Für die 116. Minute des WM-Finales von Johannisburg, als er Spanien erstmals in seiner Geschichte zum Weltmeister machte.

Wenn es einen zutreffenden Spitznamen für Andres Iniesta gibt, dann: Das Gehirn. Sein Körper ist nebensächlich und bloß die optische
Gratisbeilage. Iniesta als solcher ist reiner Geist.

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