Royale Hochzeit"Kein Wunder, dass sie nicht eingeladen wurden"

Zwischen Mitbringparty, Glamour und Tanz für das Volk: Die britische Politologin Melanie Sully über die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle.

Die ersten Zaungäste sind eingetroffen © 
 

Zur Hochzeitsfeier von Meghan und Harry am Samstag sind zwar „Vertreter der Gesellschaft“ geladen, darunter Terror-Überlebende und NGOs, zur Feier im Schlosshof von Windsor sollen sie ihr Essen aber selbst mitbringen. Seltsam?
MELANIE SULLY: Ich finde das befremdlich. Auf der einen Seite so viel Glamour und der enorme Medien-Hype, auf der anderen Seite diese Knausrigkeit. Diese Leute sind die ärmsten in der Gruppe der Geladenen, sie vertreten Mann und Frau von der Straße, die schon begeistert sind, dass sie eingeladen sind. Und die sollen ihre Häppchen selbst mitbringen?

Kann das Gerücht stimmen, dass keine Staatsgäste zur Hochzeit geladen wurden, weil man Donald Trump nicht einladen wollte?
Jaja, man hat das sehr geschickt gemacht, damit niemand beleidigt ist. Aber Trump kommt ohnehin im Juli nach Großbritannien, wenn alles vorbei ist. Putin kommt nach Wien, Trump nach London.

KK/Wiener Zeitung
Die britische Politologin Melanie Sully ist Direktorin des Go-Governance-Instituts in Wien. Die 1949 in Bristol Geborene war Radiokorrespondentin ("Voice of America") und Professorin an der Diplomatischen Akademie Wien. © KK/Wiener Zeitung

Auch Verwandte von Meghan Markle beschweren sich, dass sie nicht eingeladen sind.
Sie hat eine, wie es in London genannt wird, „extended family“ (erweiterter Familienkreis, Anm.). Von vielen kennt man den Hintergrund nicht. Ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse. Und auch wenn die keine Einladung haben, wollen sie dabei sein. Einige sind auch schon am Londoner Flughafen angekommen, mit Baseballcap und Blousons - für viele Briten ein Witz. Die Medien haben daraufhin geschrieben: Kein Wunder, dass die nicht eingeladen wurden.

Die Sperrstunde in Pubs, an sich 23 Uhr, wurde um zwei Stunden verlängert. Vielleicht treffen sich dort dann alle?
Wer weiß? Die Sperrstunde stammt noch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, weil man sich sagte, dass man am nächsten Tag nüchtern sein sollte, wenn man im Krieg ist. Bei royalen Festen haben Pubs traditionell länger offen.

TV-Tipps

In ORF eins steht der Donnerstagabend (17. 5.) im Zeichen des Paares: Den Auftakt macht um 20.15 Uhr die Doku „Prinz Harry und Meghan. Ein Herz und eine Krone“. Sie gibt Einblicke in ihre Liebesgeschichte.

Um 21.10 Uhr folgt „Dater’s Handbook – Traumprinz nach Plan“, eine Liebeskomödie mit Meghan Markle in der Hauptrolle.

ORF 2 überträgt die Hochzeit am Samstag live ab 10.30 Uhr.

Was ist noch Tradition, wenn die britische Monarchie feiert?
Bei jeder Veranstaltung der Royals gab es im East End, dem Elendsviertel von London, Volksfeste. Auf den Straßen wird gefeiert mit Barbecue, Musik und Tanz. Die Orts-Chefs haben immer dafür gesorgt, dass es auch ein Fest für die gesamte Bevölkerung gibt. Diese Tradition gibt es auch bei dieser Hochzeit wieder, aber mehr Menschen als früher monieren, dass das nur ein PR-Gag der Monarchie-Befürworter sei.

Ändert sich etwas für die britische Monarchie, weil Meghan Markle amerikanischer Herkunft ist?
Winston Churchill hatte eine amerikanische Mutter, Außenminister Boris Johnson wurde in New York geboren - das ist noch nicht so sensationell. Es ist vielleicht ein Zeichen, dass die 30er-Jahre überwunden sind.

Als König Edward VIII aus Liebe zur Amerikanerin Wallis Simpson abdankte?
Genau, denn das hat fast zur Staatskrise geführt. Andererseits hat Großbritannien heute auch andere Sorgen. Das Land steuert auf eine Verfassungskrise zu, aber nicht wegen der Royals, sondern aus Gründen, die mit dem Brexit zusammenhängen.

Monarchie-Kritiker werten die Vermählung der Royals mit Bürgerlichen als Silberstreif am Horizont. Zu Recht?
Für viele Menschen mit Migrationshintergrund ist Meghan ein Hoffnungsschimmer. Und endlich ist mir ihr jemand dort, der auch etwas zu sagen hat. Wenn es allerdings nur um PR, Selfies und Foto-Gags geht, und nichts weiter passiert, wird es auch nicht mehr Wirkung als eine Netflix-Show haben. Das Gute an den Royals ist ja, dass sie Themen in die Medien bringen können, die sonst ignoriert werden. Diana hat das mit den Landminen gemacht. Aber Diana war kein politischer Mensch. Meghan ist politisch engagiert, sie könnte etwas voranbringen.

Wie Prinz William kürzlich in der BBC, als er erklärte, wie fabelhaft das britische Gesundheitssystem funktioniere. Kennt er es denn so genau?
Nein, natürlich nicht. Er wollte damit das Pflegepersonal hervorheben, hatte es wohl gut gemeint, aber das ging daneben. Für die Geburt ihres jüngsten Kindes gingen Kate und William in ein sehr teures Spital in London, das sich sonst niemand leisten kann. Der Widerspruch klingt durch. Zumal die Kluft zwischen Arm und Reich in Großbritannien immer größer wird. Einerseits gibt es Food Banks, Essens-Tafeln für die Armen, andererseits die Superfinanz-Banken für Superreiche, und dort gehören eben auch die Royals hin. Aber sie wollen immer mehr diese Wohlfahrts-Botschaft kommunizieren.

Selbst Alice Schwarzer hat zugegeben, dass die EMMA-Redaktion gebannt vor dem Fernseher saß, als Diana Charles heiratete. Setzen royale Hochzeiten sogar patenten Feministinnen Prinzessinnen-Träume in den Kopf?
Ja, das ist interessant. Zumal Meghan für eine emanzipierte Frau steht, die schon früh eine erfolgreiche Karriere hatte. Sie ist also sicher keine Frau, die zwei Meter hinter Harry geht.

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