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Inbetriebnahme verhindertAtomkraftwerk Zwentendorf: So sieht es im Inneren des Werkes aus

Die Inbetriebnahme des Atomkraftwerk Zwentendorf wurde gerade noch verhindert. Die Strahlkraft der Geschichte ist im Werk bis heute spürbar.

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Das Atomkraftwerk in Zwentendorf wurde zwar fertiggestellt, aber nie in Betrieb genommen
Das Atomkraftwerk in Zwentendorf wurde zwar fertiggestellt, aber nie in Betrieb genommen © Juergen Fuchs
 

Tick. Tack. Die Zeit läuft. 20 Minuten hätten Mitarbeiter in dem kleinen Raum im AKW Zwentendorf verbringen dürfen. Warum? Stefan Zach von der EVN deutet mit seinem rechten Zeigefinger nach oben. Direkt über dem Raum hätte sich der Reaktor befunden.

Gänsehaut steigt auf

Beinahe ehrfürchtig wandert der Blick von den Kabeln, Messgeräten und in Plastik eingeschweißten Kabeln hinauf zu einem Meer aus Rohren. Unweigerlich steigt die Gänsehaut auf. „Hier wäre es sehr heiß und sehr strahlenintensiv gewesen. Deshalb wäre der Raum auch unter Unterdruck gestanden“, erklärt er.

Hier wäre es sehr heiß und sehr strahlenintensiv gewesen. Deshalb wäre der Raum auch unter Unterdruck gestanden.

Stefan Zach, EVN

Einblicke in das Atomkraftwerk Zwentendorf

Hinein und hinaus gelangt man nur durch zwei aufeinanderfolgende, bullaugenförmige Türen. Obwohl das Atomkraftwerk nie in Betrieb genommen wurde, ist die Strahlkraft der Geschichte deutlich spürbar. „Es ist ein Monument des permanenten österreichischen Scheiterns. Vieles, was geplant war, scheiterte, und das auch noch nach der bekannten Volksabstimmung“, erzählt Zach, während er die Stiegen hinaufgeht. Neben der Idee eines Freizeitparks, einem Museum löste sich auch der Vorschlag einer senkrechten Bestattung – man wollte Verstorbene in Glassäulen aufstellen – laut Zach in Luft auf. Ein Hollywoodfilmprojekt hätte ebenfalls teilweise hier gedreht werden sollen. Doch auch hier gab es kein Happy End, sondern einen Rechtsstreit.

Der Weg ist verwinkelt, kaltes Industrielicht fällt von den Decken. Überall Treppen, Abzweigungen, Türen, vereinzelt Stufen direkt in den Türstöcken. Es herrscht Totenstille. Zusammenbleiben und nicht verloren gehen ist laut Zach oberstes Gebot. Das Werk hat über 1050 Räume. „Im Inneren des Stahlbehälters muss sich übrigens auch der beste Handynetzanbieter geschlagen geben“, schmunzelt der Leiter für Information und Kommunikation der EVN.

AKW Zwentendorf: Ein Blick hinein

Juergen Fuchs
Juergen Fuchs
Juergen Fuchs
Juergen Fuchs
Juergen Fuchs
Juergen Fuchs
Juergen Fuchs
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In dem stählernen Irrgarten öffnet sich auf rund 39 Meter Höhe hinter einer Tür die Turbinenhalle. „Da unten wäre der Reaktor gewesen“, sagt Zach und deutet auf ein mehrere Meter tiefes Loch im Boden eines Beckens. Dahinter befindet sich ein kleineres Betonbecken, ähnlich einem ausgelassenen Sportbecken. Dort wären die verbrauchten Brennstäbe mehrere Jahre zwischengelagert worden, bis sie einen Strahlungswert aufgewiesen hätten, der es erlaubt hätte, sie in ein Lager zu transportieren. Ein teilweise geöffnetes Brennelement steht zur Veranschaulichung in der Halle. Langsam fährt Zach mit den Fingern über die darin eingebauten Brennstäbe. „49 solcher Brennstäbe befinden sich in einem Brennelement. Fingerdicke Uranpellets sind in einem Brennstab“, erklärt er und hält seinen Zeigefinger daneben.

"Das berühmte rote Telefon"

Ein paar Abzweigungen und Treppen weiter geht es zum Schaltraum. Die kalte Luft im Stahlgehäuse, Industrielicht, der Geruch von Metall und das teilweise skurrile Bild eines geschichtlichen Skeletts weichen Zimmertemperatur, Tageslicht, dem Geruch von altem Papier und einer Büroszenerie. Glasdeckel schützen die technischen Geräte, die Tastatur eines Computers wurde zur Vorsicht an den Tisch geklebt. Neben dem am größten angelegten Arbeitsplatz stehen vier Telefone. „Das hier ist das berühmte rote Telefon. Die direkte Verbindung zur Regierung, wenn es im Kraftwerk zu einem Notfall gekommen wäre“, erklärt Zach und hebt den Hörer, an dem bereits die Farbe abblättert, ab. Er dreht symbolisch die Wählscheibe. „In so einem Fall tickt die Uhr.“ Tick. Tack.

Daten und Fakten

Am 11. November 1969 wurde der Bau des Kraftwerks genehmigt. Projektbeginn war 1970. Der Plan: ein Siedewasserreaktor mit einer Nettoleistung von 692 Megawatt.
Kostenpunkt: 5,2 Milliarden Schilling.
Nach der Errichtung des Atomkraftwerks gab es am 5. November 1978 eine Volksabstimmung. Das Ergebnis: Mehrheitlich wurde die Inbetriebnahme abgelehnt.

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Danke für Ihr Verständnis.

Marcuskleine
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sehe ich nicht so...

Zitat "es ist ein Monument des österreichischen Scheiterns".
Ich sehe es nicht so: Zwentendorf wäre das erste von mehreren österreichischen AKW gewesen, just zu einer Zeit, als durch die (Gott sei Dank) aufkommenden Sicherheitsanforderungen die Atomkraft neben ihrer Gefahren sogar wirtschaftlich ein noch viel größeres Milliardengrab geworden ist. Diese (damals) 5,2 Mrd Schilling OHNE das Kraftwerk je einzuschalten ersparen uns jetzt, so wie die Schweiz verstrahlte Kraftwerke über viele Jahrzehnte hinweg rückzubauen und den Müll 100.000 Jahre endlagern zu müssen (Man stelle sich vor: wieso brauchte die Schweiz, die noch mehr Wasserkraft haben, bitte AKW??). Wirtschaftlich gesehen war es die richtige Entscheidung, NICHT einzuschalten (und damit auch weitere Kraftwerke zu verhindern). Natürlich: NICHT BAUEN wäre noch schlauer und günstiger gewesen

migelum
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Man denkt da unwillkürlich an einen

grauslichen Traum, aus dem man soeben schicksalsergeben und schweißgebadet erwacht und jetzt selig darüber ist, dass alles eben nur ein Traum war. Insofern ist das AKW Zwentendorf ein einmaliges Symbol und 1:1-Modell menschlichen Irrwitzes und dessen wundersamer Überwindung.

MoritzderKater
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Auch frühere Regierung vollbrachten Glanzleistungen °!°°

5,2 Milliarden Schilling für ein Atomkraftwerk und NACH der Fertigstellung eine VOLKSABSTIMMUNG 111

An wessen Meriten werden wir da erinnert? ;-(((

rochuskobler
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Kreisky

Der Kreisky hat ein besonderes Handerl fürs Geldvernichten gehabt. Schulden waren ihm wurscht und von der Wirtschaft hat er sowieso nichts verstanden. Dafür hat er Geld ausgegeben und Verschwendungspolitik gemacht, so die Menschen geblendet und auf ist diese Weise zum „Sonnenkönig“ geworden.

gehtso
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falsche Aussagen

bleiben falsch, auch wenn man sie oft genug wiederholt.

darumprüfe
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Eigentlich war es der Klaus von der ÖVP.

Beschlossen hat den Bau nämlich die ÖVP-Alleinregierung Klaus II im Jahre 1969. Kreisky II hat das Projekt dann tatsächlich zur Ausführung gebracht. Da in den 1970ern so etwas wie eine Zivilgesellschaft entstanden ist, hat es umfangreiche Proteste gegeben und Kreisky hat sich auf eine Volksabstimmung eingelassen, um den Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Womit er nicht gerechnet hat, war der Schwenk der ÖVP, die plötzlich gegen das Kraftwerk war, um Kreisky eins auszuwischen. Dass die Abstimmung mit 50,5 % gegen die Inbetriebnahmen ausgegangen ist, wäre ohne die Gegenerschaft der ÖVP nicht möglich gewesen.

Die Extreme Ablehnung der Atomkraft hat sich dann erst 1986 durch den Unfall in Černobyl ergeben.

Carlo62
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@darum

Zu Ihnen hätte der Kreisky wohl auch gesagt: „lernen‘s Geschichte“. Der Baubeschluss wurde 1971 unter Kreisky gefällt, die Abstimmung erfolgte 1978, Tschernobyl war 1986. Unter der Regierung Klaus II wurde der Grundsatzbeschluss gefasst, Kernenergie in Österreich anzuwenden.

darumprüfe
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»Am 11. November 1969 wurde der Bau des Kernkraftwerks Zwentendorf von der damaligen Bundesregierung Klaus II genehmigt.«

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Zwentendorf#Planung_und_Errichtung