ExpertengesprächWas dazugehört, um mit Kindern glücklich zu werden

Kinder können anstrengend sein, man hat kaum Zeit für sich selbst und das Geld ist häufig zu knapp. Soziologe Bernhard Riederer erklärt im Interview, was Eltern eher unglücklich macht und wie man trotzdem zufrieden auf sein Leben zurückblicken kann.

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Wie Studien zeigen, machen Kinder tendenziell glücklicher, als wenn man keine hat. Stark mitverantwortlich sind natürlich die Lebensumstände der Eltern © stock.adobe.com/Robert Kneschke
 

Sie haben Daten aus 30 Ländern und Paarbefragungen ausgewertet. Machen Kinder glücklich oder nicht?
Bernhard RIEDERER: Da gibt es einerseits das kurzfristige Gefühlsleben: Wenn einen das Kind anstrahlt und umarmt, sind wir glücklich. Wenn es einen anbrüllt und wegläuft, eher weniger. Pubertät und Windelwechseln machen auch nicht jedem Spaß. Und dann ist da die langfristige Bilanz: Wie zufrieden ist man insgesamt damit, wie das eigene Leben verläuft. Hier ist erkennbar, dass Ältere mit Kindern glücklicher sind, als Kinderlose. Als junge Eltern geht man allerdings durch verschiedene Phasen: Vor allem in den ersten Jahren nach der Geburt, in der Trotzphase, und der Pubertät des Kindes scheint weniger Glück vorhanden zu sein.

In unserer Wohlstandsgesellschaft bekommen wir immer weniger Kinder. Woran liegt das?
Studien zeigen tatsächlich, dass das Wohlbefinden umso stärker abnimmt, je mehr Kinder man hat. Bei ein bis zwei Kindern gehen die Glückskurven meist noch nach oben, aber mit jedem weiteren Kind nimmt dann das Glück wieder ab. Eine wichtige Frage ist, ob man sich mehrere Kinder noch leisten kann. Betrachtet man die Armutsquoten von Haushalten mit mehreren Kindern, sieht man, dass das die finanzielle Situation eine große Rolle spielt, weil Kinder natürlich Geld kosten. Die Frauen sind dann meist zu Hause bei den Kindern oder in Teilzeit und dieses Einkommen fehlt. Auch der Wohnraum ist ein Problem für größere Familien.

Gibt es einen Zusammenhang mit dem Glück oder der Zufriedenheit von Frauen, wenn sie berufstätig sind?
Es gibt Studien, die das nahelegen. In Ländern, wo Kinderbetreuung stärker angeboten und genutzt wird, gibt es mehr Zufriedenheit. Aspekte wie Teilzeit, Karenzmöglichkeiten für Väter oder die Unterstützung durch das Umfeld - zum Beispiel durch Großeltern - spielen eine große Rolle. Bei Alleinerziehenden nimmt die Lebenszufriedenheit mit zunehmender Kinderanzahl noch schneller ab. Denn neben den Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist die gesellschaftliche Akzeptanz sehr wichtig: Ist die Zustimmung in einem Land hoch, dass ein Kind beide Elternteile braucht, um gut aufwachsen zu können, gibt es bei Alleinerziehenden einen stark negativen Effekt auf ihr Wohlbefinden. In Österreich gilt es tendenziell noch immer als negativ, wenn man alleinerziehend ist und auch die Berufstätigkeit von Müttern ist nicht durchgehend positiv besetzt. Es gibt zwar immer mehr, die sich für Gleichberechtigung aussprechen, aber wenn es um die Mutterrolle geht, ist man eher der Meinung, die Frau sollte daheim sein und höchstens Teilzeit arbeiten. Die Teilzeitquote von Frauen ist in Österreich auch überdimensional hoch im Vergleich zu anderen Ländern.

Bernhard Riederer Foto © Simunic, VID/ÖAW

Zur Person

Bernhard Riederer studierte Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Graz und arbeitet nun am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie für Wissenschaften und am Institut für Soziologie der Uni Wien. Er ist Vater einer dreijährigen Tochter und forscht u. a. dazu, wie sich Kinder auf das Leben und die Zufriedenheit der Eltern auswirken.
Buch: „Elternschaft und Wohlbefinden – Kinder im individuellen, partnerschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext“, Springer-Verlag.

In welchen Punkten spielt die Partnerschaft eine Rolle?
Eine Partnerschaft kann hilfreich sein, muss aber nicht. Wenn beispielsweise jüngere Frauen Mütter werden, sieht man tendenziell mehr Probleme: die Ausbildung, der Eintritt in ein selbstständigeres Leben und auch weniger stabile Partnerschaften. Wenn es hier einen stabiler Partner gibt, geht es den Müttern meist besser. Generell ist wichtig, dass die Verteilung der Aufgaben gut ausgehandelt wird und man dann auch Anerkennung für das bekommt, was man geleistet hat. Elternschaft führt bei uns häufig zur Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse in der Partnerschaft: Auch bei vorher gleichgestellten Partnern kann das mit der Geburt des ersten Kindes kippen und sich damit auf die Zufriedenheit auswirken. Bei Männern steigt der Druck als Familienernährer, aber noch stärker ändert sich natürlich die Rolle der Frau.

Und macht dann Kinderlosigkeit eher glücklich?
Es gibt gesellschaftliche Vorstellungen, wie „Ohne Kinder hat man ein unerfülltes Leben“. Die Fragen „Wie angesehen fühlt man sich? Wie gut setzt man Ansprüche der Gesellschaft um?“ spielen mit zunehmendem Alter eine Rolle. Bei Kinderlosen wirkt sich das laut den Studien negativ auf das Wohlbefinden aus.

Was macht einen nun über die schönen Glücksmomente hinaus zufriedener, wenn man Kinder hat?
In engen sozialen Beziehungen erfährt man sehr viel Positives: Mitgefühl, Verständnis, das Gefühl, nicht alleine zu sein, eine innige Verbundenheit. Bei langfristiger Betrachtung gibt es dann oft einen gewissen Stolz im Rückblick, wenn ich sehe, mein Kind hat etwas erreicht, hat ein gutes Leben geführt. Das sieht man dann auch als Leistung der Eltern. Stolz ist man ja auf Dinge, die nicht immer nur ganz leicht waren, sondern wo man auch die eine oder andere Schwierigkeit bewältigt hat. Daher sind ältere Menschen mit Kindern oft glücklicher als Kinderlose. Und es geht ja noch weiter: Eltern helfen auch erwachsenen Kindern oft in finanzieller Hinsicht, dafür kümmern sich die Kinder, helfen bei Problemen im Alltag. Die Großeltern passen wiederum auf die Enkelkinder auf, was diesen auch große Freude bringen kann. Das Glücksgefühl geht also über die eigenen Kinder hinaus.

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