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In fremde Rollen schlüpfenKulturgeschichte der Maske: Raus aus dem eigenen Ich

Dank Corona wird die Maske en vogue. Und damit die Möglichkeit, sich zu verstecken oder ein zweites Gesicht aufzusetzen. Das hat Tradition, wie ein Blick in die Kulturgeschichte zeigt.

Mundschutz wird zu einem modischen Accessoire
Mundschutz wird zu einem modischen Accessoire © (c) AP (Matt Dunham)
 

Alles Maske! Der öffentliche Raum wird sich in den kommenden Wochen auf politisches Geheiß hin also anonymisieren.
Das bislang Offensichtliche bekommt das Aroma des Versteckten. Kein flüchtiges Lächeln, kein grantiges Zähnefletschen, keine aufeinandergepressten Lippen, kein genüssliches Gähnen, kein kindisches Zungezeigen wird mehr sichtbar sein. Alles versteckt hinter einem kleinen Stofffetzerl oder mehrlagigen Papierfleckerl: Hygiene-Rüstungen gegen einen unsichtbaren Feind namens Corona.

Der Mundschutz wird zu einem modischen Accessoire werden, die Gesichtsmaske zum stylishen Must-have. Alltagsbegegnungen drängt ein derartiger Dresscode in eine Kulisse, die an sterile Operationssäle, staubige Bergwerksstollen, frostige Skiliftfahrten oder plumpe Bankraubszenen erinnert. Die verordnete Vermummung, die das Gesicht in eine sichtbare und eine unsichtbare Hälfte teilt, wird zwar den Augen (noch) mehr Bedeutung zuschanzen, aber auch unsere Gestik verändern. Der Weg zum Nasebohren: verbarrikadiert. Das nachdenkliche Übers-Kinn-Streichen: geht nicht mehr.

Wohin das führt? Masken sind ja abseits ihrer Schutzfunktion ein Transportmittel Richtung Ausgang aus dem normalen Leben. Für einen Moment jemand anderer sein. Raus aus dem eigenen Ich, rein in eine fremde Rolle schlüpfen: in die Figur des anderen Geschlechts, eines Gottes, des Teufels oder Clowns, eines Tieres vielleicht. Alles ist möglich. Ich bin es, aber zugleich bin ich es nicht. Tarnen und täuschen, verdrängen oder verdeutlichen, verschrecken oder vergnügen – eine Maske kann alles.

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