ItalienSo kennt man Lignano noch nicht

Lignano bietet eine breite Palette an sportlichen Abenteuern – Kurioses ist da dabei. Wer aber die Region tiefgründiger erkunden möchte, steigt am besten aufs Fahrrad.

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Ein Herz für jeden Urlaubsanspruch: Familienspaß oder sportliches Abenteuer in Lignano © TV LIGNANO SABBIADORO
 

Die Blicke sind ungläubig. „Mit Skistöcken im Meer? Was soll das werden?“, fragen sich nicht nur die Spaziergänger, sondern auch die Teilnehmer der Schnupperstunde „Nordic Walking im Meer“ frühmorgens am Strand von Lignano. Die Trainerin wird nicht müde, zu beteuern, dass sich der Ganzkörper-Trainingseffekt beim Wasser-Nordic-Walking verstärkt. Mag sein und kann man machen. Aber Geschmäcker und Sportvorlieben sind verschieden.

Lignano Sabbiadoro – auf Deutsch würde der Name Lignano Goldener Sand lauten – ist vielfältiger als der Ruf der klassischen Adria-Urlaub-Touristen-Metropole. Klar, der Strandurlaub mit Kindern ist hier sicher noch immer perfekt. Party am Abend wird – je nach Corona-Maßnahmen – hier auch zelebriert. Ein Sorgenfrei-Paket mit Meer, Sonne und gutem Essen.

Aber wer in Lignano Tiefgründigeres sucht, dem sei das wohl beste Transportmittel der Stadt empfohlen – das Fahrrad. Egal ob elektrisch oder im altmodischen Muskelantrieb, die Radwege sind bestens ausgebaut. Zwischen den drei Stadtteilen Sabbiadoro, Pineta und Riviera radelt man perfekt hin und her. Ohne Ärger, ohne Parkplatzsuchen und ohne Stau – rote Ampeln muss man hier ohnehin nicht fürchten. In ganz Lignano gibt es keine einzige Ampelanlage.

Leben, Party und Einkaufen findet man in Sabbiadoro, in Pineta heißt die Einkaufsstraße aufgrund der Architektur „Il Treno“, alles ist aber pinienbewachsen, von Zikadengeräuschen untermalt und viel ruhiger. Am ruhigsten wird es in Riviera.

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Zugegeben, den Adria-Strand als Geheimtipp zu bezeichnen, ist gewagt. Und doch: Wer in den frühen Morgenstunden hierherkommt, hat den breiten Sandstrand fast für sich allein. Und kann die noch kühleren Temperaturen und die Weite zum Beispiel für eine vergnügliche Fat-Bike-Tour nutzen.

Nicola Simeoni/stock.adobe.com (Nicola Simeoni)

Der Fischbestand der Lagune ist eindrucksvoll. Das sieht man am allerbesten bei einer langsamen Bootsfahrt in den frühen Abendstunden, wenn allerorts Fische vergnügt aus dem Wasser springen oder die Boote auf ihrer Fahrt eine Weile begleiten. Der langen Tradition des Fischfanges in der Lagune kann man auch als Amateur nachgehen, und zwar im Fischereital "Valle Ca’ del Lovo".

TV LIGNANO SABBIADORO

Die Bootsfähre X-River bringt Radfahrer und Spaziergänger über den Fluss Tagliamento, der Lignano Sabbiadoro von Bibione trennt. Zwischen 9 und 19 Uhr kann man von der friulanischen zur venezianischen Küste und umgekehrt übersetzen und genussvoll mit Blick aufs Meer radeln oder spazieren.

TV LIGNANO SABBIADORO

Mit dem Rad-Transfer-Boot, das über die Tourismusinformation gebucht werden kann, geht es entlang der Lagune in das historische Städtchen Marano Lagunare. Geschichte quillt hier aus jeder einzelnen kleinen Gasse der 81 vor Christus gegründeten Legionsstadt.

imago/viennaslide (www.viennaslide.com)

Der flache und sanfte Strand der Oberen Adria ist ideal für Ausflüge per Tretboot oder SUP. Tretboote mit Leiter oder Rutsche mutieren da fast zu einem privaten Badeplatz. Im Familienverband kann man zum Beispiel auch extra große SUP leihen, auf denen Groß und Klein gemeinsam übers Wasser paddeln können. Noch mehr Freiheitsgefühl schenken nur noch Segelboote, mit denen es sich übers offene Meer kreuzen lässt.

Martin Kalchhauser

Die Mündung des Stella-Flusses steht unter Naturschutz und ist dank ihrer Schilfufer und der verzweigten Kanäle  Oase für viele ansässige Vogelarten, aber auch für zahlreiche Zugvögel, die das Gebiet als Zwischenstopp auf ihrem Weg in und aus dem Süden nutzen. Wer sich ein wenig Zeit nimmt, kann seltene Vogelarten beobachten, an die Liebhaber des sogenannten Birdwatching wurde auch mit entsprechenden Hochsitzen gedacht.

Luca Cadamuro

Über eine Million Pinienbäume wurden einst gepflanzt, um den sandigen Untergrund des Terrains zu stützen. Nun spendet der Wald in den heißen Jahreszeiten wertvollen Schatten und kostbare Ruhe. Lange Pfade laden zu Spaziergängen, Nordic-Walking- und Lauf-Runden ein. Ein Klettergarten, der Parco Avventura, ist ebenso inmitten der Pinienbäume zu finden wie die malerische Kirche Santa Maria del Mare, die aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Nicola Simeoni/stock.adobe.com (Nicola Simeoni)
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In Pineta, am Rande des bischöflichen Pinienwaldes, findet sich auch das älteste Gebäude Lignanos, das aber gar nicht hier gebaut wurde. Die Kirche San Zaccaria hat man im 15. Jahrhundert neben dem Tagliamento errichtet. Doch dieser trat immer wieder über die Ufer und die kleine Kirche drohte zerstört zu werden. 1965 zerschnitt man sie deshalb in viele Teile und siedelte das kleine Gotteshaus kurzerhand um.

Der Duft der Pinien begleitet die Radler. 1,2 Millionen dieser Bäume wurzeln in Lignano – das hat sich auch bei den Zikaden herumgesprochen. Das Surren der Fahrradkette wird von ihrem durchgehenden Gezirpe völlig überdeckt. Das laute Geräusch gilt bei den meisten jedoch nicht als unangenehm – es vermittelt eben das Gefühl von Süden, Urlaub und mediterraner Welt.

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Das Weingut Agriturismo  Albafiorita ist entzückend in liebevoller Kleinarbeit hergerichtet. Zur Weinverkostung werden hier Jausenteller mit Spezialitäten der Region (ohne Fisch) gereicht. Die Peperoni-Marmelade zum Käse ist ein Traum.
www.albafiorita.com

Das Restaurant des Hotels Vittoria ist die einzige Möglichkeit für ein gehobenes Abendessen direkt am Strand. Eine Reservierung der begehrten Plätze an der Strandpromenade ist unbedingt erforderlich. www.hotel-vittoria.net

Bilancia di Bepi. Sein Reich hat sich Daniele ganz nach seinem Geschmack eingerichtet: Reggae-Musik und nur kein Stress. Seine selbst gefangenen Fische werden im zugehörigen Streetfood-Wagen zu kreativen Burgern. Tel. (0039) 340 363 6733

Das Terrazza a Mare ist das Pier-Restaurant. Der Blick aufs Meer und vom Meer auf den Strand ist einzigartig. Einem romantischen Abend in angenehmer Atmosphäre steht hier absolut nichts im Weg. Tel. (0039) 431 71 300

Mit dem Bike kann man aber auch perfekt die Lagune erkunden: Mit dem Rad-Transfer-Boot, das über die Tourismusinformation gebucht werden kann, geht es entlang der Lagune in das historische Städtchen Marano Lagunare. Geschichte quillt hier aus jeder einzelnen kleinen Gasse der 81 vor Christus gegründeten Legionsstadt. Mit dem Rad geht es dann weiter querfeldein in Richtung des Waldes von Muzzana del Turgnano, dem Bosco Baredi/Selva di Arvonchi. Der Wald ist übrigens für seine Trüffelvorkommen bekannt.

Quer über die Felder geht es zum Weingut Albafiorita bei Latisana. Der kühle Bio-Wein, dessen Traube extra mit der Uni Udine entwickelt wurde, schmeckt nach dieser Tour besonders gut. Winzer Dino De Marchi erklärt, dass diese spezielle Sorte um 75 Prozent weniger Spritzmittel braucht. Da geht sich locker noch ein Glaserl aus, bevor es nach Palazzolo Dello Stella geht, zur Bilancia di Bepi.

Reisetipps

Gäste. Österreicher, Deutsche und Schweizer machen mehr als 40 Prozent aller Gäste aus.
Insel. Zehn Kilometer lang, mit 1,2 Millionen Pinien bewachsen.
Strand. Der Sandstrand von Lignano ist mit acht Kilometer Länge und durchschnittlich 140 Meter Breite der größte zu einer Ortschaft gehörende Strand Italiens.
Unterkunft. In Lignano gibt es 168 Hotels mit 13.800 Hotelbetten und 10.000 Apartments, Ferienwohnungen mit 42.000 Betten.
Touren. Die Agentur Travel One bietet Ausflüge und mehr. Eine geführte Bike-Tour (wie im Text beschrieben) mit Bootstransfer, Führungen, Weinverkostung und Fischerbesuch kostet rund 45 Euro, exklusive Rad- oder E-Bike-Verleih. Travel One, Via Sabbiadoro 1, Lignano Sabbiadoro.
www.travelone.it

Informationen auch im Tourismusbüro Promo Turismo FVG in der Via Latisana 42, Lignano Sabbiadoro.
www.turismofvg.it

Diese Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Lignano Sabbiadoro.

Daniele hat die Fischerei von seinem Großvater Bepi übernommen. Das entzückende, alternativ anmutende Reich hält die traditionelle Fischereimethode mit Senknetzen (Bilancia genannt) am Leben. Die Fischerhütte ist gespickt mit Erinnerungen.

Danieles Großvater hatte hier auch prominenten Besuch: Ernest Hemingway mit seiner vierten Frau Mary. Lignano schenkte dem Künstler einst sogar ein Grundstück, weil man ihn – ob des Promifaktors – lieber hier gehabt hätte als in Florida, mit dem der Schriftsteller Lignano gern verglich. Aber Hemingway schenkte es zurück und nächtigte lieber bei Freunden wie Bepi, als sich eine Lignano-Villa zu bauen.

 

An der hauseigenen Schiffsanlegestelle wartet schon das Boot. Die Räder werden wieder verladen und man genießt die Fahrt durch das Naturschutzgebiet der Stella, vorbei an diversen Wasservögeln, wogendem Schilf und den traditionellen Casoni, den Fischerhäusern der Lagune, zurück nach Lignano.

Nach dem stillen und beschaulichen Ausklang gelüstet es tatsächlich wieder ein bisschen nach Spaß und Action. Der Sunnyboy vom SUP-Center kann in diesem Fall zum Glück weiterhelfen. Stand-up-Paddeln ist mindestens so sehr Ganzkörper-Workout wie Nordic Walking am Strand. Und auf dem Mega-SUP, das für bis zu acht Personen Platz hat, zeigt sich der wahre (Ruder-)Takt der Freundschaft.

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