Die Alm muss man im Herzen tragen“, sagt Johann Schönauer. Der Tiroler mit dem Rauschebart muss es wissen, schließlich verbringt er seit 32 Jahren jeden Sommer auf der 1200 Meter hoch gelegenen Schönanger Alm im hintersten Winkel der Wildschönau. Erst im Herbst rasiert er seinen Bart ab. „Dann fühle ich mich wie ein anderer Mensch“, schmunzelt Schönauer. Pro Tag verarbeitet er mit seinen Helfern über 2000 Liter Rohmilch zu zwölf Sorten Käse und Butter. Für Familie und Freunde bleibt wenig Zeit. „Ich lebe für den Käse“, erklärt Schönauer. Mit Fingerspitzengefühl klopft und bürstet er täglich jeden einzelnen der 430 goldgelben Käselaibe ab. Das Ergebnis seiner Arbeit kann sich schmecken lassen: Schönauers Käsespezialitäten wurden mit zahlreichen Medaillen ausgezeichnet. Wer möchte, kann dem 61-Jährigen in seiner Schaukäserei über die Schulter blicken, und sich dabei in jene Zeit zurückversetzen lassen, in der es noch ein analoges Leben ohne ständige Erreichbarkeit gab.

Johann Schönauer vor einem großen Bottich Käse.
Johann Schönauer vor einem großen Bottich Käse.
© Wildschönau Tourismus

Apropos Ruhe: Wer auf der Suche nach einer (digitalen) Auszeit ist, wird in der Wildschönau, einem Hochtal in den Kitzbüheler Alpen, fündig. Hier prägen alte Bauernhäuser, Almen und sanfte Berge das Bild. Nur 4200 Einwohner leben in den vier Kirchdörfern Oberau, Niederau, Auffach und Thierbach. Traditionen spielen hier eine wichtige Rolle. Eine lokale Spezialität ist etwa der „Krautinger, ein Schnaps, der aus weißen Stoppelrüben hergestellt wird: Kaiserin Maria Theresia verlieh einst 51 Bauern das Brennrecht. „Weil damals im Hochtal kein Obst angebaut werden konnte, durfte man Gemüse zu Schnaps verarbeiten“, erzählt Martin Schellhorn aus Oberau. Er ist einer von 16 Bauern, die heute noch den Krautinger herstellen. 250 Liter brennt Schellhorn pro Jahr, auf technische Geräte verzichtet er dabei. „Anfang Juli werden die Rüben geerntet und gehäckselt. Dann wird die Flüssigkeit auf ein Drittel eingedickt“, erläutert Schellhorn. Dazu verdampft das Wasser 24 Stunden lang über einem beheizten Kessel. Am Ende landen nur zwei Prozent der ursprünglichen Flüssigkeit in der Flasche.

Hinter einer Flasche Krautinger stecken viele Stunden Arbeit.
Hinter einer Flasche Krautinger stecken viele Stunden Arbeit.
© Wildschönau Tourismus

Neben der Kulinarik bietet die Wildschönau auch ein breites Angebot für Sportbegeisterte: Ein 300 Kilometer umfassendes Wegenetz lädt zum Wandern ein. Weil es nur wenige extrem steile Anstiege gibt, sind die meisten Routen auch für Familien mit Kindern ohne Probleme bewältigbar. Von Mitte Mai bis Ende Oktober gibt es außerdem geführte Touren. Sie sind mit der Wildschönau-Card, die man als Urlauber ab der ersten Übernachtung bekommt, kostenlos.
In der Karte inkludiert ist auch die Benutzung der Bergbahnen. Die über 4000 Meter lange Schatzbergbahn in Auffach (Sommerbetrieb ab Anfang Juni) zählt zu den längsten Seilbahnen Österreichs. Die Markbachjochbahn startet am 7. Mai in die Sommersaison. Vom Gipfel aus kann man nicht nur die Wildschönau überblicken, sondern auch bis zum Wilden Kaiser sehen.

Idyllisches Bergdorf Thierbach
Idyllisches Bergdorf Thierbach
© Wildschönau Tourismus

Wem das noch nicht genügt, dem sei der Drachenflitzer empfohlen: eine zwei Kilometer lange Sommerrodelbahn in Oberau, deren Schlitten in rasantem Tempo bergab flitzen. So schnell ist es mit der Ruhe dann auch schon wieder vorbei.