DeutschlandDer schwarze Wald zeigt sich ganz in Grün

Zum Kuckuck mit Kirschtorte & Co.: Das wichtigste Schwarzwald-Klischee ist die unberührte Natur – und auf die setzt man jetzt alles.

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Fahrradfahren wird im Schwarzwald großgeschrieben - schließlich versteht man sich als nachhaltiges Reiseziel © Hochschwarzwald Tourismus
 

An Klischee-Sprüchen mangelt es nicht, wenn man sich in den Schwarzwald verabschiedet. Bringst du eine Kuckucksuhr mit? Wie oft am Tag wirst du Schwarzwälder Kirschtorte essen? Trägst du dann so einen komischen Bollenhut? Und besuchst du auch Dr. Brinkmann? 

Es sind aber hauptsächlich die internationalen Bustouristen, die diese Klischees im Schwarzwald suchen. Und natürlich auch finden (mit Ausnahme von Dr. Brinkmann - denn Klausjürgen Wussow, der den TV-Chefarzt aus der legendären "Schwarzwaldklinik" gegeben hat, ist bekanntlich schon seit 14 Jahren tot). Finden lassen sie sich zum Beispiel im Hofgut Sternen, einem strategisch gut zwischen der Autobahn und der malerischen Ravennaschlucht gelegenen Bustouristen-Hotspot in Breitnau. Eine überdimensionale Kuckucksuhr prangt am schönen Schwarzwaldhaus bei der Einfahrt, und an Einkaufsgelegenheiten (Uhren, Kuckucksuhren, Glas aus eigener Manufaktur) mangelt es nicht. Im Mai 1770 kam Marie-Antoinette auf dem Weg zu ihrer Hochzeit mit Ludwig XVI hier vorbei, und auch Goethe hat schon hier übernachtet. Ganz besonders beliebt ist der malerische Weihnachtsmarkt unter dem beleuchteten Aquädukt, zu dem Gäste aus Nah und fern anreisen.

Fotoserie: Impressionen aus dem Schwarzwald

Natur pur: Der Hochschwarzwald ist die Region im südlichen Schwarzwald und liegt im Südwesten Baden-Württembergs, an der Grenze zur Schweiz. Der Schwarzwald ist Deutschlands höchstes und größtes zusammenhängendes Mittelgebirge. Er ist eine wichtige Tourismusregion und das meistbesuchte Urlaubsziel unter den deutschen Mittelgebirgen.

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Das "Hüsli" in Grafenhausen ist für viele ganz einfach das Wohnhaus von Prof. Dr. Brinkmann, in Wahrheit aber ein sehenswertes Heimatmuseum - gleich um die Ecke der Brauerei Rothaus, die auch ein beliebtes Ziel für Besichtigungen ist.

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Die windungsreiche Ravennaschlucht im Höllental (Breitnau)  hat mehrere Wasserfälle, darunter den 16 Meter hohen großen Ravenna-Fall.

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Streng genommen nicht aus dem Hochschwarzwald, sondern dem Nordschwarzwald, stammen die berühmten Trachten: Die Bollenhüte tragen unverheiratete Frauen mit roten „Bollen“, verheiratete mit schwarzen.

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Das Hofgut Sternen ist ein strategisch gut zwischen der Autobahn und der malerischen Ravennaschlucht gelegener Bustouristen-Hotspot in Breitnau. Im Mai 1770 kam Marie-Antoinette auf dem Weg zu ihrer Hochzeit mit Ludwig XVI hier vorbei, und auch Goethe hat schon hier übernachtet.

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Weltweit bekannt: Die Kuckucksuhr ist in der Grundform des Gehäuses meist einem Bahnwärterhäuschen mit Schrägdach nachempfunden. Die eigentliche namensgebende Besonderheit der Kuckucksuhr besteht jedoch im Schlagwerk: Als akustisches Zeitsignal dient ein mechanischer Kuckuck.

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Die Schwarzwälder Kirschtorte ist seit den 1930er Jahren vor allem in Deutschland verbreitet und längst eine der beliebtesten deutschen Torten - auch weil sie recht einfach zu machen ist. Die genauen Ursprünge sind unklar, sie sind aber nicht zwangsläufig im Schwarzwald zu suchen.

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Eine Kuckucksuhr so groß wie ein kleines Schwarzwaldhäuschen steht in Schonach - es ist die weltgrößte Kuckucksuhr, die auch ein richtiges Uhrwerk besitzt, gefertigt von einem Uhrmacher Josef Dold und seiner Familie in zweijähriger Bauzeit.

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Typisch für die Region sind die Schwarzwaldhäuser, hier ein schönes Exemplar in Menzenschwand (Gemeinde St. Blasien). Es handelt sich um Wohnstallhäuser, der Gebäudetyp ist angepasst an die Besonderheit des Schwarzwalds: Hanglage, weite Wege, große Schneemengen und starke Windbelastungen.

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Noch ein Foto des Heimatmuseums "Hüsli".

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Fahrradfahren ist Trumpf im Schwarzwald - ob mit dem E-Bike oder einem Mountainbike.

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Der Titisee zählt zu den beliebtesten Orten im Hochschwarzwald. Über die Herkunft des eigenartigen Namens Titisee gibt es verschiedene Theorien ...

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... er könnte nach dem römischen Feldherrn Titus benannt worden sein, der hier genächtigt haben soll ...

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... noch schöner ist aber eine andere Theorie: Im alemannischen Dialekt heißt Teti Kindlein oder Kleinkind, ein Tetisee oder Titisee wäre demnach dann ein See, aus dem nach der lokalen Sage die kleinen Kinder stammen - so wie andernorts erzählt wird, dass der Klapperstorch die Kinder bringen würde.

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Hofgut Sternen, ein beliebtes Ziel für Busreisen mit Gästen aus Asien und USA.

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Mühlrad beim Hofgut Sternen.

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Das Konzept der "Kuckucksnester" wurde mit dem deutschen Tourismuspreis ausgezeichnet: In die Jahre gekommene Ferienwohnungen werden aufwändig modernisiert und zu Design-Appartments gemacht - alles im modernen Schwarzwald-Style.

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"Heimaturlaub", aber das modern, jung und stylish.

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Kühe findet man im Schwarzwald überall.

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Die Bustouristen aus Asien und Amerika bleiben derzeit aber freilich aus, und so hat Thomas Drubba auch Zeit, von seiner großen Leidenschaft zu erzählen - dem Vorhaben, das Hofgut so ökologisch wie möglich zu führen. Das wichtigste Schwarzwald-Klischee ist nämlich kein Klischee, sondern die wichtigste Ressource für die Region: Die weitgehend unberührte Natur. 

Drubba ist stolz darauf, dass das Hofgut seiner Familie als einzige touristische Einrichtung in Deutschland ein Energie-Selbstversorger ist. Möglich macht das ein Zusammenspiel von Ressourcen wie Wasserkraft, Hackschnitzelheizung und auch Fotovoltaik. Auf eine Klimaanlage verzichtet man, sondern saugt die Luft über dem eiskalten Bach an, um damit die Zimmer zu kühlen. An Ideen mangelt es nicht, an Engagement auch nicht: “Mit so einem Projekt ist man nie fertig”, sagt Drubba.

Wie der Multitouristiker, dessen Familie eine ganze Reihe von Betrieben führt, hat sich die gesamte Region Hochschwarzwald - der südliche und beliebteste Teil des Schwarzwalds mit Feldberg, Titisee, Schluchsee und Wutachschlucht - der Nachhaltigkeit verschrieben. So ist man seit fünf Jahren als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert, bietet als erstes ländliches Tourismusgebiet E-Car-Sharing an, um Reisende zum Anreisen mit den Öffis zu bewegen und unterstützt die Hotels dabei, ihre CO2-Bilanz zu senken, und Restaurants, klimafreundlicheres Essen auf den Tisch zu bringen. In den Bioenergiedörfern St. Peter und Breitnau liegt die klimafreundliche Energieerzeugung sogar in der Hand der Bürgerinnen und Bürger.

Eine kreative und auch nachhaltige Lösung hat man mit der eigenen Marke “Kuckucksnester” für Ferienwohnungen gefunden: Privatvermieter können ihre Wohnung renovieren und als Design Apartment fremdvermieten lassen - ausgestattet im schicken, modernen Schwarzwald-Stil in enger Zusammenarbeit mit örtlichen Handwerksbetrieben. 

Erfahren im wahrsten Sinn des Wortes lässt sich die Nachhaltigkeit auf dem E-Bike bei einer Tour rund um den malerischen Titisee - nichts als pure Natur rundherum, ab und zu ein hübsches, fotogenes Schwarzwaldhaus. Er-Trinken lässt sie sich mit dem kultigen Bier der Region, dem “Tannenzäpfle” der Brauerei Rothaus - auch hier setzt man auf regionalen Ökostrom, für Interessierte gibt’s eigene Nachhaltigkeits-Führungen. Und Er-Essen kann man Nachhaltigkeit auch im Schwarzwald: Einige Betriebe bieten eigene Klima-Teller an, bei deren Herstellung möglichst kaum Co2 entstanden ist.

Wie im Seehotel Wiesler am Titisee, wo alle, die klimafreundlich anreisen, mit einem Gratis-Essen belohnt werden. Inhaber Klaus-Günther Wiesler ist nicht nur ein Pionier in Sachen Ökologie, sondern auch jemand, für den diese Aufgabe nicht enden wollend ist. Wenn er durch seine Anlage spaziert, fällt ihm andauernd irgendetwas ein, das man noch besser machen könnte. "Als Wellnesshotel brauchen wir natürlich mehr Energie, das ist nicht besonders nachhaltig. Aber wir haben es etwa geschafft, dass unser Whirlpool durch eine Sonderanfertigung in der Nacht abgelassen werden kann und somit nicht unnötig Energie verbraucht", sagt Wiesler. Durch eine eigene Wäscherei spart er Produktionswege, Küchenabfälle werden in der hauseigen Kompostieranlage zu wertvollem Dünger, die Kosmetikprodukte sind frei von Mikroplastik, die Lebensmittel frei von Palmölen. Und neben dem Hotel befindet sich noch ein zweites Hotel für die ganz kleinen Gäste - ein Insektenhotel: "Da ist mir die Auslastung mindestens genauso wichtig", grinst Wiesler.

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