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Reisen im Rollstuhl

Fremder Boden unter den Rädern

Reisen im Rollstuhl: Wenn ein kaputtes Rad den absoluten Stillstand bedeutet und die Hilfe fremder Menschen entscheidend ist.

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© Reitter
 

Vicki und Reinfried beschlossen, eine Reise zu machen. Nach Mexiko, um die Sprache, das Land und die Leute kennenzulernen. Die beiden machten Pläne, buchten Flüge und packten ihre Koffer. Sie beschlossen, mit leichtem Gepäck zu reisen. Doch ganz so einfach ging das nicht, denn sterile Einwegkatheter für insgesamt sechs Monate brauchen ganz schön viel Platz.

Reinfried Blaha (35) sitzt im Rollstuhl. Er ist nach einem Unfall vor rund acht Jahren querschnittgelähmt. Victoria Reitter (31) ist die stille Heldin der gemeinsamen Reise. Sie hat das Gepäck verladen, die Nachtlager aufgebaut, zahllose Hotels und Herbergen auf Barrierefreiheit untersucht und insgesamt 20.000 Straßenkilometer in einem alten Volvo heruntergespult. "Es war unsere gemeinsame Reise, aber es war vor allem Vickis große Leistung", sagt Blaha.

Wie alles begann

Gestartet sind Victoria Reitter und Reinfried Blaha im barrierefreien Kalifornien. Dort erstanden sie einen billigen, aber noch fähigen Volvo, mit dem sie auf Entdeckungstour gingen. Die Reiselust hatte die beiden bereits nach kurzer Zeit fest im Griff. Und aus dem geplanten halben Jahr Mexiko wurde dann ein ganzes Jahr Mexiko - inklusive weiteren Ländern in Mittelamerika.

Der alte Volvo brachte die zwei nach Baja California, einer 1000 Kilometer langen Halbinsel auf der pazifischen Seite Mexikos. Wild, wüstenartig, verlassen. Reitter und Blaha ließen sich davon aber nicht abschrecken. Sie campierten auf einsamen Stränden und verlassenen Ferienhäuserterrassen. Am Südkap der Insel mieteten sich die zwei ein Haus am Meer. Blaha arbeitete drei Monate lang für ein Architekturbüro. Reitter engagierte sich ehrenamtlich bei einer NGO für Armutsbekämpfung. Und in ihrer Freizeit beobachteten sie die Ankunft der Grauwale aus der Arktis von ihrer Terrasse aus. So hätte es weitergehen können. Doch der mexikanische Zoll kam dazwischen. Er hat den Katheter-Nachschub aus Österreich konfisziert. Blaha und Reitter mussten nach Mexiko City. Eine neue Ladung Katheter wurde verschickt. Die Reise konnte weitergehen.

Eine Reise voller Barrieren

Die Reise führte Reitter und Blaha weiter nach Mittelamerika. Sie fuhren von Belize nach Guatemala, weiter nach El Salvador, Honduras und Nicaragua. Jeder Aufenthalt war von zahlreichen Rollstuhlbarrieren geprägt. Aber auch körperliche Probleme mussten überwunden werden: Fersenverbrennungen, Harnwegsinfekte und Dengue-Fieber galt es zu bekämpfen. Doch Reitter und Blaha ließen sich nicht aufhalten.

In Pearl Lagoon, einem Fischerdorf auf der touristisch wenig erschlossenen, karibischen Seite Nicaraguas, ist es dann passiert: Der Rollstuhl gab den Geist auf. Nach Sand, Salzwasser und pausenlosen Belastungen brach ein Vorderrad ab. Doch Hilfe nahte in Form des 80-jährigen Mr. Silvio. Der Schweißer, der früher auf Öltankern gearbeitet hatte, schweißte das defekte Rad provisorisch, aber fest, wieder an. Reinfried Blaha war wieder mobil, wenn auch ein wenig langsamer als zuvor.

Die Abenteuerreise nahm nach einem Jahr ihr Ende in Mexiko-City. Der Volvo wurde gegen ein Gemälde eingetauscht und Reitter und Blaha bestiegen ein Flugzeug nach Hause. Wie sie selbst Fuß- und Reifenspuren auf den Stränden von Mexiko hinterließen, hinterließ diese Reise Spuren in Vicki und Reinfried, die beschlossen, eine Reise zu machen.

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