Was den britischen Modemacher Paul Smith mit dem bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts augenscheinlich verbindet? Die Liebe zur Farbe und die Kunst des Weglassens.

Zum 50. Todestag von Pablo Picasso am 8. April gestaltete der 76-jährige Stardesigner, der eigentlich Radprofi werden wollte, nun aber auch eine Werkschau im Pariser Picasso-Museum, die bis Ende des Sommers läuft. Blaue und gelbe Streifen, bunte Tapeten und dazwischen immer wieder Meisterwerke von Pablo Picasso. Wie Picasso spielt auch Smith als Modeschöpfer bravourös mit Farben und Formen. Smith, der sein Label 1970 gründete und für seine Verdienste um die britische Modewelt im Jahr 2000 zum Ritter geschlagen wurde und sich seitdem Sir nennen darf, ist für seine Farbenfreude bekannt, die von Mode über Design, Radfahren und Auto bis hin zur Gestaltung einer Ausstellung reicht. In sein buntes Universum hat er nun die Werke Picassos eingebettet. Eine Ausstellung in weißen Räumen zu präsentieren, sei ihm zu streng und seriös. Paul Smith will vor allem eine jüngere Klientel ansprechen, und die sei "visuell orientiert". Besser kann die Kooperation von Mode und Kunst nicht klappen.

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Paul Smith
© APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN

Pablo Picasso beeinflusst die Modewelt bis heute. Schon zu Lebzeiten galt er selbst als Stilikone. Die Geschichte hat Picassos Mode vorschnell auf das langärmelige Ringelshirt reduziert, das gestreifte Matrosenoberteil, mit dem er sich in Südfrankreich häufig vor die Staffelei setzte. Doch auch seine lockeren weiten Hemden, immer lässig aufgestrickt, die legeren Hosen, breiten Krempen und Pullover mit U-Boot-Ausschnitt machte Picasso salonfähig.

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Picassos berühmte Motive, Gitarren und Tauben, bei Yves Saint Laurent
© AP

Das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid zeigte im Vorfeld von Picassos 50. Todestag die Ausstellung "Picasso/Chanel", in der 50 Kreationen von Modemacherin Coco Chanel 65 Werken Pablo Picassos gegenübergestellt wurden. "Picasso erarbeitete mit dem Kubismus eine visuelle Sprache, der Gabrielle Coco Chanel mit ihren Modeentwürfen auf vielfältige Weise folgte", heißt es im Ausstellungskatalog. Picassos Formensprache aus Geraden, Flächen und Kanten zeigt sich auch in Chanels legendärer Mode, die sich auch auf die Kunst des Weglassens verstand. Chanels Moderne war wie eine stoffliche Interpretation der Kompositionen des Kubismus eines Braque oder Picasso, der seine erste Frau Olga unzählige Male in Chanel-Kleidern malte. Bis heute zitieren Künstler aller Genres Pablo Picasso.

Jeremy Scott
Jeremy Scott
© Evan Agostini/Invision/AP

Der spanische Modefotograf Eugenio Recuenco arrangiert Models mit Spiegeln wie kubistische Frauenfiguren, Moderebell Jeremy Scott entwarf für Moschino eine Kollektion mit Matador-Jacken, Gitarren-Dressen und Kleidern mit Taubenmustern als Hommage an den berühmten spanischen Maler. "Es ist immer das Gleiche mit Picasso", erzählte Jeremy Scott der "Vogue", "gerade wenn man alles über ihn zu wissen glaubt, was es zu wissen gibt, überrascht er dich." Auch Tochter Paloma Picasso – aus der Beziehung Pablos mit Françoise Gilot –, die als Schmuckdesignerin mit dem internationalen Modelabel "Paloma Picasso Lunettes" reüssierte, machte sich einen eigenen Namen. Sie entwarf Schmuck für die Häuser Saint Laurent und Tiffany, aber auch Parfums, Geschirr, Bettwäsche, Bestecke, Haushaltsgegenstände, Textilien und Kosmetika und fand zu ihrer eigenen Formensprache.

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Ein echter Picasso
© EPA

Bei der jüngsten China Fashion Week in Peking ließ sich auch Modemacher Ye Yang vom Kubismus Picassos inspirieren und ließ Models in kultiger, kantiger Kluft mit geometrischen Mustern über den Laufsteg defilieren. Es gilt Picassos Wort: "Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen."