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Wirkung gegen SchmerzenDas kann die Heilpflanze des Jahres

Lange lag die Forschung zum medizinischen Nutzen von Cannabis brach, heuer ist der Hanf die Arzneipflanze des Jahres: wie Cannabis (medizinisch!) wirkt und welche neuen Medikamente kommen.

Cannabis
Cannabis © underworld - Fotolia
 

"Cannabis ist in der Medizin angekommen, es ist wissenschaftlich interessant und ermöglicht neue Einsatzgebiete.“ So begründete Hermann Stuppner, Präsident des Netzwerks für pflanzliche Medizinprodukte (HMPPA), die Wahl von Cannabis zur Arzneipflanze des Jahres.

Die Beschäftigung der modernen Medizin mit einer der ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt ist eine relativ junge Entwicklung: Da Cannabis seit 1961 unter die Suchtgiftkonvention fällt, waren nicht nur der medizinische Einsatz, sondern auch die Erforschung der Pflanze mehr oder weniger zum Erliegen gekommen.

Das änderte sich erst wieder mit der Entdeckung des Endocannabinoid-Systems, das der Mensch in sich trägt: In unserem Nervensystem gibt es spezielle „Andockstellen“ für THC, den berauschenden Inhaltsstoff der Cannabispflanze. Aber auch der Körper selbst produziert Stoffe, die ähnlich wirken wie Cannabis: Sie regulieren das zentrale Nervensystem, aber auch das Immunsystem und wichtige Zellfunktionen, wie Rudolf Bauer von der Uni Graz beschreibt.

Inhaltsstoffe

THC steht für Tetrahydrocannabinol und ist für die berauschende Wirkung von Cannabis verantwortlich. Cannabisblüten dürfen legal verkauft werden, wenn der THC-Gehalt unter 0,3 Prozent liegt.

CBD steht für Cannabidiol und ist ein Bestandteil der Cannabispflanze, der nicht berauschend wirkt. CBD wirkt angst- und krampflösend. Bald soll ein Arzneimittel für Epilepsie und Schizophrenie auf den Markt kommen.

Für Tumorpatienten

Mehr als 100 Cannabinoide enthält die Pflanze, die zwei wichtigsten heißen THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol): Die Wirkung dieser beiden Stoffe als Arzneimittel wurde bereits in Studien untersucht und belegt. So kommt THC vor allem in der Therapie von Tumorpatienten zum Einsatz, um Schmerzen zu lindern, Übelkeit zu reduzieren und den Appetit anzuregen. Auch bei der Chemotherapie kann THC gegen Übelkeit helfen. Bei Spastiken bei multipler Sklerose und „Nervenschmerzen“ kommt der Wirkstoff ebenfalls zum Einsatz, wie der Schmerzmediziner Georg Kress erklärt.

CBD hat im Unterschied zu THC keine berauschende Wirkung und unterliegt daher weder dem Suchtmittel- noch dem Arzneimittelgesetz. Es wird daher auch „legales Cannabis“ genannt und es ist ein großer Markt mit CBD-Produkten in Form von Tees, Ölen oder Tropfen entstanden. Spätestens im nächsten Jahr soll nun aber auch ein zugelassenes Arzneimittel mit CBD auf den Markt kommen, das bei frühkindlicher Epilepsie und Schizophrenie helfen soll.

Unsicherheit bei Ärzten

Laut Astrid Pinsger-Plank, Präsidentin des Schmerzverbandes, würden viele Ärzte trotz vorliegender Beweise den Einsatz von Cannabinoiden bei chronischen Schmerzen scheuen. Einerseits wegen der seltenen Kostenübernahme und den damit verbundenen hohen Kosten für Patienten, andererseits mangle es auch an fundierten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte.

„Es ist wünschenswert, die Verschreibung der verfügbaren Präparate seitens der Kostenträger zu erleichtern, um den medizinischen Einsatz fest zu verankern.“ Das werde auch Thema beim Wiener Schmerztag sein: www.schmerztag.at

Arzneimittel statt Blüte

Hanf von der Straße, der von Patienten als Medizin eingesetzt wird: Diese Praxis ist in den Augen von Experten nicht nur illegal, sondern auch gefährlich. Denn: Damit ein Wirkstoff helfen kann, muss er richtig dosiert sein und in der immer gleichen Konzentration verfügbar sein. „Das ist bei Cannabisblüten aber nicht möglich, da sie unterschiedliche Konzentrationen enthalten, sogar dann, wenn sie von derselben Pflanze stammen“, erklärt der Cannabisforscher Rudolf Brenneisen.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Wirkung von Cannabisblüten besser wäre als jene der therapeutischen Reinsubstanzen.

Brigitte Knopp

Daher appelliert auch Schmerzmediziner Kress dafür, die Wirkstoffe als Einzelsubstanz in Form von Arzneimitteln anzuwenden – und nicht einfach Cannabis zu rauchen. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Wirkung von Cannabisblüten besser wäre als jene der therapeutischen Reinsubstanzen“, sagte auch Brigitte Knopp vom Department für Pharmakognosie der Uni Wien. In Österreich könne jeder Arzt mittels Suchtgiftrezept ein THC-Präparat verschreiben – damit die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden, braucht es aber die chefärztliche Genehmigung, sagt Kress.

 

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