Zucker in der eigenen Ernährung zu reduzieren, ist nicht immer einfach. In vielen Ländern werden aktuell Maßnahmen gesetzt, um den Zuckerkonsum nachhaltig zu reduzieren und damit die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern – Irland und Großbritannien setzen etwa auf eine Zuckersteuer.

Durch vermehrte Zuckervermeidung steigt in weiterer Folge jedoch die Nutzung von Zuckeraustauschstoffen – wie das in der Studie untersuchte Erythrit (auch Erythritol, E 968). Die kürzlich im Fachjournal "Nature" erschienenen Ergebnisse, zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen schwerwiegenden medizinischen Vorfällen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall und sogar Tod. Fachleute aus Österreich, Deutschland und der Schweiz relativierten die Ergebnisse und fordern weitere Untersuchungen zu möglichen Langzeitfolgen. Akuter Handlungsbedarf besteht laut den Fachleuten jedoch keiner.

Studie zeigt "Umgekehrte Kausalität"

"Eine Übertragbarkeit auf die allgemeine Bevölkerung ist aufgrund des Studiendesigns nicht gegeben. Die Autoren weisen zurecht darauf hin, dass es weiterer Studien bedarf", verdeutlicht etwa Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. Mögliche Zusammenhänge zwischen den Erkrankungen und einem Konsum des Süßungsmittels, könnten demnach nicht zwingend daran liegen, dass "sie Erythritol konsumiert haben, sondern umgekehrt, mehr Erythritol konsumieren, weil sie aufgrund ihrer Erkrankung ihren Konsum an Zucker reduzieren", so König.

Bei der deutsch-amerikanischen Studie untersuchten die Fachleute Blutproben von knapp 1150 Personen, die bereits ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. "Die Studie basiert auf einer Kohorte und kann somit keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Aufnahme an Erythrit und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen herstellen, sondern lediglich sogenannte Assoziationen", verdeutlicht König. Dennoch müssten weitere Untersuchungen gemacht werden, um Langzeitfolgen von Zuckeraustauschstoffen erkennen zu können.

Bis zu 48 Stunden nachweisbar

Obwohl Erythrit in geringen Mengen vom Körper selbst produziert wird und in natürlichen Nahrungsmitteln, wie Früchten und fermentierten Lebensmitteln vorkommt, zählt es als Zusatzstoff und bedarf in Europa einer Zulassung. Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ergaben keine gesundheitlichen Bedenken gegen die Verwendung von Erythrit. Bei Produkten, die zu mehr als zehn Prozent aus Zuckeralkoholen bestehen, muss lediglich darauf hingewiesen werden, dass sie bei übermäßigem Verzehr abführend wirken können.

Bei der Studie unter der Leitung von Stanley Hazen, zeigte sich auch, dass Erythrit nach dem Konsum relativ lange im Körper nachweisbar ist. Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern wurde ein mit 30 Gramm Erythrit gesüßtes Getränk verabreicht. Das entspricht einer Dose eines handelsüblichen, künstlich gesüßtes Getränks, oder 500 Milliliter einer Diät-Eiscreme. Der Verzehr erhöhte den Erythrit-Spiegel im Blut über einen Zeitraum von zwei Tagen so sehr, dass er laut den Forschenden weit über der Schwelle lag, bei der zuvor signifikante Hinweise auf eine veränderte Blutplättchenaktivität beobachtet wurden.

"Die bereits existierenden staatlichen Initiativen zur Zuckerreduzierung haben bereits jetzt dazu geführt, dass die Reduktion von Zucker in Softdrinks durch die Verwendung von Süßstoffen erreicht wird", erklärt Jürgen König. Als Süßungsmittel in Softdrinks spielt Erythrit laut dem Ernährungswissenschaftler aber eine untergeordnete Rolle. Denn: "Erythritol ist nur bis zu einer Menge von 1,6 Prozent als Geschmacksverstärker in Softdrinks zugelassen."