Julia Brandner steht mit beiden Beinen im Leben. Sie ist Stand-up-Comedienne, Autorin und Bloggerin. Auf Instagram folgen ihr mehr als 45.000 Menschen. Dass sie keine Kinder möchte, steht für die 27-Jährige schon lange fest. "Das weiß ich schon, seit ich selbst ein Kind bin. Gründe dafür gibt es viele und sie gehen niemanden etwas an." 

Trotz funktionierender Verhütung sei bei ihr immer die Panik da, schwanger zu werden, erzählt die Steirerin im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. "Ich möchte nicht ewig für die Verhütung bezahlen, wenn ich doch weiß, dass ich keine Kinder möchte." Per E-Mail erkundigt sie sich in der Praxis ihrer Gynäkologin schließlich nach einem Beratungsgespräch, um sich sterilisieren zu lassen. Mit der Antwort, die sie bekommt, rechnet sie allerdings nicht.

Sterilisation mit 27: Zu jung?

"Mir wurde geantwortet, dass das in meinem Alter ohne psychiatrisches Gutachten nicht möglich sei", erzählt sie verärgert. Zumindest gesetzlich gibt es dafür allerdings keine Grundlage. Bis zum vollendeten 25. Lebensjahr ist eine Sterilisation nicht erlaubt, danach ist dies rechtlich grundsätzlich möglich. Das Beratungsgespräch, um das Brandner bittet, findet in der Antwort der Ordination keine Erwähnung.

"Bei einer 27-Jährigen ist normalerweise kein psychologisches Gutachten notwendig, wenn die Entscheidung wirklich gefestigt ist", sagt Gunda Pristauz-Telsnigg. Sie ist Primarärztin der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des LKH Feldbach/Fürstenfeld. Trotzdem ist auch sie bei jungen Patientinnen, die sich sterilisieren lassen möchten, vorsichtig. Es sei natürlich der Körper der Patientin, gemeinsam schaue man sich aber zunächst Alternativlösungen zu einer Sterilisation an und treffe dann eine Entscheidung. Letztlich komme es immer auf den Einzelfall an und liege im Ermessen des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin.

Gunda Pristauz-Telsnigg ist Abteilungsleiterin der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LKH Feldbach-Fürstenfeld
Gunda Pristauz-Telsnigg ist Abteilungsleiterin der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LKH Feldbach-Fürstenfeld
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Eine Frage des Ermessens

"In der Praxis sind Frauenärztinnen und -ärzte bei der Sterilisation von jungen Frauen (unter 30) sehr zurückhaltend", bestätigt auch Karl Tamussino, Vorstand des geburtshilflich-gynäkologischen Universitätsklinikums Graz. Er sagt: "Wir würden bei einer 27-Jährigen keine Sterilisation durchführen – außer sie hat eine medizinische Situation, bei der eine Schwangerschaft gefährlich wäre." Ein Beratungsgespräch würden aber auch junge Patientinnen am Universitätsklinikum Graz in jedem Fall erhalten.

"Die Entscheidungsfindung zur Verhütung muss nicht immer nur bei der Frau liegen", so Tamussino. "Nicht vergessen darf man natürlich auch die Sterilisation beim Mann, die Vasektomie." Dabei handelt es sich um einen kleineren Eingriff als bei der Frau, der auch in einer urologischen Praxis durchgeführt werden kann.

Julia Brandner: "Warum darf ich nicht selbst über meinen Uterus bestimmen?"

Für Julia Brandner ist klar, dass sie selbst über ihren Körper entscheiden möchte. Bereits mit Anfang 20 hat sie ihren damaligen Frauenarzt auf eine Sterilisation angesprochen: "Da hat es geheißen, ich sei zu jung und könne das noch nicht einschätzen", so die Steirerin, die in Wien lebt. "Ich verstehe jeden, der sich unwohl dabei fühlt, eine Zwanzigjährige zu sterilisieren. Das kann ich nachvollziehen."

Dass die Sprechstundenhilfe ihrer Frauenärztin ihr aber nicht einmal ein Beratungsgespräch für eine Sterilisation zugesteht, empfindet die junge Frau als grenzüberschreitend: "Es kostet so unendlich viel Überwindung, in meinem Alter nach einer Sterilisation zu fragen, und dann nicht mal eine Beratung zu bekommen, ist wirklich grenzwertig."

Auch dass von einem psychiatrischen Gutachten die Rede ist, macht Brandner wütend: "Ich frage mich, was das psychiatrische Gutachten besagen würde. 'Ah, Sie sind zurechnungsfähig, Sie sollten Kinder bekommen?!'", fragt die 27-Jährige.

Ihrem Ärger macht die Steirerin, der auf Instagram über 48.000 Menschen folgen, in einem Posting Luft und erhält dafür viel Zustimmung. "Ohne Gutachten darf ich also nicht entscheiden, keine Kinder bekommen zu wollen, dürfte aber wohl zehn Kinder in die Welt setzen, ohne dass jemand prüft, ob ich in der Lage bin, sie aufzuziehen, ohne sie zu traumatisieren." Knapp 12.000 Menschen haben dem Post einen Daumen nach oben geschenkt, fast 400 Kommentare tummeln sich darunter.

Sterilisation bei Frauen nicht reversibel

Generell ist eine Sterilisation bei Frauen nicht beziehungsweise nur sehr schwer umkehrbar. Das hängt damit zusammen, dass die Eileiter entfernt und nicht unterbunden werden, wie das früher der Fall war, erklärt Gunda Pristauz-Telsnigg vom LKH Feldbach-Fürstenfeld. Das habe früher trotz Sterilisation in manchen Fällen zu Schwangerschaften geführt. Daher sowie zur Prävention vor Erkrankungen wird heute die Eileiterentfernung empfohlen.

Julia Brandner möchte das Thema jetzt erst einmal sacken lassen. Bei ihrem nächsten Termin will sie ihre Gynäkologin fragen, ob die E-Mail der Ordinationsgehilfin in ihrem Auftrag abgeschickt worden ist. Das Thema Sterilisation ist für die Steirerin jedenfalls noch längst nicht vom Tisch.

Video: Kinderlos leben – Wenn Frau nicht Mutter werden möchte