Für alle Menschen bis zum vollendeten 21 Lebensjahr wird die HPV-Impfung in Österreich kostenfrei. Diese Ausweitung sei "eine wichtige gesundheitspolitische, verantwortungsbewusste und gerechte Maßnahme", sagte Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda. Bund, Länder und Sozialversicherung hatten sich am Montag darauf geeinigt. Bisher war die Impfung vom vollendeten neunten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr gratis. Doch die Abkürzung HPV ist nicht allen geläufig. Aus diesem Grund: Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um HPV und die dazugehörige Impfung.

Was ist HPV und welche Krebserkrankungen können diese Viren auslösen?

ANTWORT: Die Abkürzung HPV steht für Humane Papillomaviren. Diese Erreger sind für zahlreiche Krebserkrankungen verantwortlich. Am häufigsten wird an dieser Stelle der Gebärmutterhalskrebs genannt, aber auch Krebsformen am Rachen, Kehlkopf, Scheide, Anus oder Penis können HP-Viren als Ursache haben. Insgesamt sind über 200 verschieden HPV-Typen bekannt, etwa 40 davon sind sexuell übertragbar. Einige HP-Viren können auch unangenehme, aber ungefährliche Genitalwarzen auslösen.

Wie steckt man sich mit HPV an?

ANTWORT: Übertragen werden jene HP-Viren, die auch Krebs auslösen können, durch direkten Schleimhautkontakt, vor allem bei sexuellen Kontakten – dies umfasst also auch den Oralverkehr. Grundsätzlich sind HP-Viren sehr weit verbreitet.

Die meisten Infektionen heilen zwar unbemerkt ab, jene, die persistieren, sind das Problem. Denn diese können Gewebeveränderungen hervorrufen, aus denen sich in manchen Fällen Krebs entwickeln kann. Eine HPV-Infektion macht so gut wieder jeder Mensch in Österreich einmal durch. Pro Jahr werden hierzulande zirka 500 neue Fälle diagnostiziert, etwa 140 Frauen sterben in Folge einer Zervixkarzinomerkrankung.

Sind von HPV nur Frauen gefährdet?

ANTWORT: Definitiv nein. Überträger können Männer wie Frauen sein, beide können auch an jenen Krankheiten, die HPV auslösen, erkranken. Zwar wird Gebärmutterhalskrebs als häufigste Folge einer HPV-Infektion genannt, aber Männer können etwa ebenso an Kehlkopfkrebs erkranken. Berühmtes Beispiel hierfür ist der US-Schauspieler Michael Douglas.

HPV und Gebärmutterhalskrebs: Auf welche Symptome ist zu achten?

ANTWORT: Das Tückische am Gebärmutterhalskrebs ist, dass dieser lange unentdeckt bleibt, weil er eben zu Beginn kaum spezifische Symptome verursacht. So kann wertvolle Zeit vergehen, bis der Krebs entdeckt wird. Ungewöhnliche Blutungen oder auch ein auffälliger Scheidenausfluss können ein Hinweis auf diese Krebsart sein, ebenso Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, aber sie können auch viele andere Ursachen haben. Wichtig ist, wenn solche Symptome länger als ein paar Tage bestehen bzw. regelmäßig auftreten, diese abklären zu lassen.

Wie kann man sich vor HPV schützen?

ANTWORT: Eine wichtige Prävention sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Beim Frauenärztinnen werden PAP-Abstriche durchgeführt, diese können frühe Veränderungen des Gebärmutterhalses erkennen. Es gibt zudem auch sensiblere, auf HPV spezialisierte Tests. "Wenn Sie eine Frau über 30 sind, informieren Sie sich bei Ihrem Frauenarzt über den HPV-Test", rät Karl Tamussino, Gynäkologe und Vorstand der geburtshilflich-gynäkologischen Universitätsklinik Graz.

Kondome schützen bis zu einem gewissen Grad vor Übertragung, aber nicht vollständig. Als wirksamste Form der Vorbeugung gilt die eingangs erwähnte HPV-Impfung. Sie wirkt gegen die häufigsten krebsauslösenden HP-Viren.

Wie wirksam ist die HPV-Impfung?

ANTWORT: In Österreich ist der neunfach Impfstoff Gardasil 9 empfohlen, er schützt vor neun HP-Viren, die für rund 75 bis 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich sind. Gegen schon bestehende HPV-Infektionen schützt die Impfung nicht.

Studien zeigen, dass die Impfung langfristig und wirksam vor Infektionen mit HP-Viren schützt und das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken schützt. Gesundheitsinformation.de fasst die Studienlage wie folgt zusammen: Ohne HPV-Impfung würden etwa 30 von 1000 Frauen im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterhalskrebs erkranken, wenn sie nicht am Früherkennungsprogramm teilnehmen. Mit HPV-Impfungen würden zehn von 1000 im Lauf ihres Lebens erkranken. Das bedeutet also, dass etwa 20 von 1000 Frauen gegen diese Erkrankung durch die Impfung geschützt werden. Der Schutz besteht erwiesener Maßnahmen für acht Jahre, so lange liefen die längsten Studien. Ob danach Auffrischungsimpfungen notwendig sind, muss noch in weiteren Studien untersucht werden.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die HPV-Impfung?

ANTWORT: Die beste Immunantwort entwickelt sich, wenn Kinder zwischen neun und zwölf Jahren geimpft werden. Idealerweise erhalten Mädchen und Buben diese Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Gemäß der Empfehlung des Nationalen Impfgremiums – dies ist auch im Impfplan Österreich 2022 nachzulesen – wird die Impfung allen Mädchen/Frauen und Buben/Männern bis zum vollendeten 30. Lebensjahr unbedingt empfohlen, danach ist diese optional.

Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen hat die HPV-Impfung?

ANTWORT: Grundsätzlich gilt die HPV-Impfung als gut verträglich. Am häufigsten wird über vorübergehende Hautreaktionen an der Einstichstelle berichtet: Schmerzen, Rötungen, Schwellungen. Auch Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Muskelschmerzen können vorkommen.

Nebenwirkungen kommen äußerst selten, allergische Reaktionen sind möglich.