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ZöliakieGlutenunverträglichkeit: Neun von zehn Betroffenen wissen nichts davon

Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an Zöliakie, wobei sich neun von zehn Betroffenen ihrer Krankheit nicht bewusst sind.

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Glutenunverträglichkeit, Zöliakie
© (c) LoloStock - stock.adobe.com (lolostock)
 

Zöliakie, eine Krankheit, die auf Überempfindlichkeit gegenüber in manchem Getreide enthaltenem Gluten basiert, bleibt häufig undiagnostiziert. Das bedeutet, die Betroffenen leiden an Beschwerden wie Durchfall oder auch Bauchschmerzen, wissen aber nicht, warum. „Von etwa 1,2 Millionen Menschen in der Donauregion, die unter dieser Glutenunverträglichkeit leiden, bleiben bis zu 80 Prozent undiagnostiziert und viele Patientinnen und Patienten werden erst mit Verzögerung diagnostiziert, teilweise erst bis zu zehn Jahre nach Auftreten der Erkrankung“, sagt Manuel Prevedel. Alleine an der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz werden etwa jährlich an die 30 Patienten neu mit Zöliakie diagnostiziert und mehr als 300 Kinder und Jugendliche, die an der Krankheit leiden, kontinuierlich betreut.

Prevedel ist Teil des Teams rund um die Pädiatrische Gastroenterologin Almuthe Hauer (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Med Uni Graz), die sich vor allem der Behandlung und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Magen-Darm-bzw. Lebererkrankungen widmet. Die Med Uni Graz bemüht sich im Rahmen des EU-Interreg-Projektes "CD Skills" das Wissen über die Erkrankung in die Bevölkerung zu bringen.

Zöliakie: Die Symptome

Durch eine Glutenunverträglichkeit kommt es bei Zöliakie zu einer Überreaktion des Immunsystems und zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Weil aber die Symptome unterschiedlichst sein können, wird die Diagnose oft nicht gestellt. Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an dieser Erkrankung, wobei sich neun von zehn Betroffenen ihrer Krankheit nicht bewusst sind. „Häufige Magen-Darm-Probleme, Mangelernährung und Gewichtsverlust sowie Wachstumsverzögerung bei Kindern können darauf hindeuten, aber auch Eisenmangel kann ein frühes Zeichen sein“, erklärt Projektkoordinatorin Almuthe Hauer. Auch Kopfweh und Müdigkeit können den Betroffenen zu schaffen machen. 

Gluten

Gluten ist in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und deren Kreuzungen enthalten.  Somit ist das Klebereiweiß in vielen Backwaren und getreidehaltigen Produkten wie Brot, Nudeln, Pizza oder Müsli enthalten.

Zu glutenfreien Getreidesorten gehören u.a. Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth oder Quinoa.

Risikofaktoren 

Sehr häufig wird Zöliakie im Kindesalter diagnostiziert, auftreten kann diese Erkrankung aber auch bei Erwachsenen. Grundsätzlich sind doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen. Auch erbliche Faktoren dürften eine wesentliche Rolle spielen, denn bis zu 18 Prozent der Verwandten ersten Grades von Patientinnen bzw. Patienten haben ebenfalls eine Zöliakie. 

Folgen der Erkrankung

Nimmt man Gluten trotz Erkrankung zu sich, kann das schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Die schon genannten  Verdauungsprobleme etwa, aber auch Gewichtsverlust oder Anämie (Blutarmut) können die Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigen.  Auch chronische Müdigkeit, pathologische Knochenbrüche bei  Osteoporose und Autoimmunhepatitis bis hin zu neurologischen und psychiatrischen Auffälligkeiten oder Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern sind dokumentierte und bekannte Folgen. Zöliakie ist zudem oft mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert, wie etwa Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes mellitus I, die bei adäquatem Zöliakie-Management ebenfalls besser erfasst und somit behandelt werden können. 

Die Zöliakie-Diät

Linderung bringt eine spezielle Diät, die Gluten weitgehend umgeht. „Lebensmittel von Zöliakie-Patientinnen dürfen nur weniger als 20 mg Gluten pro kg Endprodukt oder weniger als 20 ppm enthalten, das heißt weniger als ein halbes Weizenkorn pro Kilogramm Reis beispielsweise", erklärt Hauer. Für zahlreiche Lebensmittel gibt es mittlerweile glutenfreie Varianten, die allerdings wesentlich teurer und für Betroffene viel schwerer leistbar sind. „In Österreich wird für an Zöliakie erkrankte Kinder und Jugendliche die erhöhte Familienbeihilfe gewährt, weshalb wir für die Partnerstaaten in „CD Skills“ diesbezüglich als role model fungieren“, betont die Projektkoordinatorin.

Kommentare (4)
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melahide
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Neben der Erkrankung

gibt es auch die "Modeerkrankung". Da habe ich einmal eine Doku gesehen, dass dies auch auf das Gebäck in den "Backshops" zurückzuführen ist, da hier die Teigführung extrem verkürzt wird und die für uns blähenden Stoffe deshalb kaum abgebaut werden.

Dr.B.Sonnenfreund
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Modeerkrankung

Die Modeerkrankung "Glutensensitivität" nämlich ist keine bestätigte Zöliakie, wie ich schon unten erwähnte.
Viele der Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die scheinbar epidemiologische Ausmaße besonders unter jungen PatientInnen annimmt, wirklich vor allem bei Frauen, was medizinisch nicht plausibel uns erklärbar ist, sind eher Lifestyle-Trends und Modeerscheinungen. Es zwickt hier und es zwickt da, wenn das oder das esse...bla bla bla...!
Ich stehe persönlich auf AllesesserInnen mit Saumagen, (habe so eine Frau..) ich wünsche ein gesegnetes Mittagsmahl an alle die es noch genießen können. Mjam mjam mjam..ich gehe jetzt essen...

Dr.B.Sonnenfreund
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Zöliakie versus Glutensensitivität

Zöliakie ist tatsächlich eine schwere Autoimmunerkrankung, die sich durch Untersuchungen (Endoskopien)bestätigen lässt. Jedoch etwa die so genannte "Glutensensitivität" die gefühlt jeder dritte glaubt zu haben, halte ich für eine "Modekrankheit", ohne konkreten Befund. Auch bei Laktoseintoleranz die quasi eine gefühlte Epidemie ist, lassen sich nur ein kleiner Teil davon wirklich per Gentest bestätigen. Ich persönlich habe keine Allergie,
keine Unverträglichkeiten, lasse mir auch keine einreden. Meine Familie und ich essen alles wie schon immer und uns geht es gut dabei.

dietaenzerin
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Die Zöliakie-Diagnostik

sollte immer nach ESPHGAN-Richtlinien erfolgen. Genauere Informationen bekommt man z. B. auf der Seite der Deutschen Zöliakiegesellschaft: https://www.dzg-online.de/diagnostik.313.0.html oder der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie.

DIe Diagnoseerstellung umfasst bei Erwachsenen eine Blutuntersuchung und eine Dünndarmbiopsie, bei der ausreichend (!!) Proben aus verschiedenen (!!) Bereichen des Duodenums und Bulbus etc. genommen werden müssen. Ein Bluttest alleine ist nicht ausreichend, weil es viele Leute mit IgA-Mangel gibt. (S. auch Diagnose-Flyer auf der DZG-Webseite). Außerdem muss bis zur Dünndarmbiopsie unbedingt glutenhaltig weitergegessen werden, weil ein eigenhändiger Umstieg auf glutenfreie Kost vor der Untersuchung die Ergebnisse beeinflussen bzw. verfälschen kann.

Bei Kindern kann, sofern die Blutwerte aussagekräftig genug sind, auf die Dünndarmbiopsie verzichtet werden.
Außerdem sollten bei einer vorliegenden Zöliakie auch die Verwandten ersten Grades getestet werden, weil die Krankheit oft vererbt wird.

Langzeitfolgen einer unerkannten Zöliakie bzw. der Nichteinhaltung der streng glutenfreien Diät (natürlich unter Ausschluss jeglichen Kontaminationsrisikos) können auch
z. B. Osteoporose und/oder Darmkrebs sein.

MfG von einer Mutter mit Zöli-Kind