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Neue StudieWas Chefs tun können, damit Mitarbeitern im Home-Office der Stress nicht über den Kopf wächst

Verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, wenig Kontakt und ständige Erreichbarkeit: Viele Faktoren des Home-Office können auf Dauer psychisch krank machen. Eine Studie zeigt, wie man dem entgegenwirken kann.

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Die Bedingungen des Home-Office können auch zu Überlastung führen
Die Bedingungen des Home-Office können auch zu Überlastung führen © Studio Romantic - stock.adobe.com
 

Die COVID-19-Pandemie hat das Home-Office etabliert. Das stellt Vorgesetzte und Mitarbeiter vor neue Herausforderungen. Denn Dauererreichbarkeit, technische Unsicherheiten und fehlender sozialer Kontakt belasten die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden. Das zeigen bisherige Studien. Wie sich aber die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden im Home-Office verbessern lässt, damit beschäftigt sich die aktuelle Studie „Virtuelles Führen ist gesundheitsrelevant“, die von der Psychologin Anna Fuchs, gemeinsam mit dem Institut für Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz, dem research-team und Instahelp, der Plattform für psychologische Beratung online, durchgeführt wurde.

Aktives Zuhören ist unumgänglich 

Die Psychologin befragte im ersten Quartal 2021 insgesamt 330 Personen aus fünf Unternehmen, wobei 52 Prozent ausschließlich virtuell mit ihren Vorgesetzten in Kontakt waren. Klares Ergebnis: Die Mitarbeitenden empfinden weniger Stress und fühlen sich erholter, wenn ihre Führungskraft aktiv zuhört und gesund führt. Deshalb rät die Psychologin Vorgesetzten, ihr Führungsverhalten an das Online-Setting anzupassen, um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter langfristig zu
gewährleisten.

Tipps für Vorgesetzte

Achten Sie auf gesunde Arbeitsbedingungen
Die erweiterte Erreichbarkeit kann besonders im Home-Office eine große Belastung sein. Vereinbaren Sie gemeinsam eine Richtlinie, in welchem Zeitrahmen Anrufe angenommen/E-Mails beantwortet werden, um ausreichend Zeit für Erholung zu schaffen. Achten Sie auf eine faire Einteilung von Ressourcen, Aufgaben und Zeit.

Bleiben Sie regelmäßig in Kontakt
Zeigen Sie aufrichtiges Interesse an den Anliegen der Mitarbeiter und fragen Sie proaktiv nach Feedback. Planen Sie regelmäßige virtuelle Kontaktpunkte (idealerweise mindestens einmal pro Woche) ein. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und ist eine zentrale Säule des gesundheitlichen Führens.

Regelmäßiger Kontakt steigert das Gemeinschaftsgefühl. Je andauernder die virtuelle Zusammenarbeit, desto weniger oft stehen Zusammenarbeitende in Kontakt. Daher überrascht es nicht, dass gut 19 Prozent der Studienteilnehmer sich häufigeren Kontakt mit ihrer Führungskraft wünschen. Gerade durch den geringen persönlichen Kontakt fehlt den Mitarbeitenden die Wertschätzung für ihre Arbeit durch Vorgesetzte.

Gemeinschaftsgefühl stärken 

Positiv wirken sich hingegen regelmäßiger Kontakt per E-Mail, Chat oder Videokonferenz aus. “Die Studienergebnisse zeigen, dass aktives Zuhören der Führungskraft signifikant positiv mit der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter zusammenhängt. Je häufiger Mitarbeitende und Führungskräfte (auch virtuell) in Kontakt stehen, desto verbundener und näher fühlen sich Mitarbeiter ihren Vorgesetzten”, berichtet Psychologin Fuchs. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und ist eine zentrale Säule des gesundheitlichen Führens.


Gesunde Arbeitsbedingungen als Basis der psychischen Gesundheit von Mitarbeitenden Gesund zu führen bedeutet nicht nur, Mitarbeitende aktiv zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren, sondern auch, genügend Freiräume zu geben oder Leistungen anzuerkennen. In der Studie konnte gezeigt werden, dass diese Verhaltensweisen auch für virtuelle Führung absolut gesundheitsrelevant sind. „Nicht zu vergessen ist, dass Führungskräfte auch online eine Vorbildwirkung haben. Achten auch Sie als Vorgesetzte auf Ihre persönlichen Erholungsphasen, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen”, sagt Paul Jimenez, Universität Graz, der die Studie fachlich begleitete.

Erreichbarkeit eingrenzen 

Wer Mitarbeitende im Home-Office führt, sollte deshalb auch darauf achten, dass deren Arbeitsbedingungen gesund sind. Dazu gehört, dass die Erreichbarkeit klar geregelt und begrenzt wird, um ausreichend Zeit für Erholung zu schaffen. Ebenso sollten technische Unsicherheiten durch ungeeignete Ausstattung und schlechte Internet-Verbindung reduziert werden, um daraus resultierende Belastungen zu vermeiden. 

Obwohl die meisten Studienteilnehmer: davon ausgehen, dass ihre aktuelle Arbeitssituation aufgrund der COVID-19-Pandemie nur vorübergehend ist, würden 53 Prozent der Studienteilnehmer auch künftig gerne mehrmals pro Woche im Home-Office arbeiten. 19 Prozent würden dies am liebsten einmal pro Woche tun, während sich zehn Prozent täglich Home-Office vorstellen können.

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