Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Welt-NichtrauchertagWird das Coronavirus über Zigarettenrauch übertragen?

Zum heutigen Weltnichtrauchertag zeigen Experten auf, warum sich der Rauchstopp jetzt besonders auszahlt und warum Raucher stärker von Covid-19 betroffen sind.

Wird das Coronavirus über Zigarettenrauch übertragen?
Wird das Coronavirus über Zigarettenrauch übertragen? © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Da das neue Corona-Virus vor allem die Lunge in Mitleidenschaft zieht, ist zu erwarten, dass Raucher ganz besonders gefährdet sind. Aber was sagt die wissenschaftliche Datenlage? Immer wieder sorgen mitunter widersprüchliche Thesen und Aussagen für Aufmerksamkeit und Verunsicherung. Sind Raucher tatsächlich gefährdeter als Nichtraucher, sich mit dem Corona-Virus SARS-Cov-2 zu infizieren und an Covid-19 zu erkranken? Ist der Krankheitsverlauf bei Rauchern schwerer als bei Nichtrauchern und die Sterblichkeit höher? Was hat es mit einer französischen Studie auf sich, in der behauptet wird, Nikotin schütze vor einer Covid-19-Infektion? Stellt Passivrauch eine Übertragungsgefahr dar? Anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai fasst die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) die wichtigsten Erkenntnisse rund um Covid-19 und das Rauchen zusammen.

Das Wissen über Covid-19 wächst täglich. Jüngste Erkenntnisse haben gezeigt, dass die durch das Corona-Virus SARS-Cov-2 hervorgerufene Erkrankung nicht ausschließlich die Lunge schädigt, sondern im Krankheitsverlauf auch noch andere Organe, vor allem die Nieren, in Mitleidenschaft ziehen kann. Dennoch sind primär Lunge und Atemwege davon betroffen. Daher ist die Vermutung naheliegend, dass Raucher durch das neue Corona-Virus besonders gefährdet sind.

Die Folgen des Rauchens

Die negativen Auswirkungen des Tabakkonsums auf unsere Gesundheit sind vielfältig. Hinreichend bekannt ist der Zusammenhang zwischen Rauchen und diversen Atemwegs- und Lungenerkrankungen wie z.B. chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, COPD, oder Lungenkrebs bzw. auch, dass Rauchen das Herzkreislaufsystem schädigt mit mitunter lebensbedrohlichen Auswirkungen. Vielleicht nicht so bekannt ist, dass auch Zahnerkrankungen wie Paradontitis, diverse Krebserkrankungen vom Mund-Nasen-Rachenraum bis zum Blasenkrebs oder auch Beeinträchtigungen von Sexualität und Fruchtbarkeit durch das Rauchen begünstigt werden.

Außerdem wird das Immunsystem geschädigt: Raucher erkranken zum Beispiel zweimal häufiger an Grippe und erleiden dann auch schwerere Krankheitsverläufe als Nichtraucher. Zusätzlich beeinträchtigen die Schadstoffe im Tabakrauch die Funktion der Flimmerhärchen der Atemwegschleimhäute, wodurch der Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien gestört wird und Krankheitserreger wie Viren ein leichteres Spiel haben.

Höheres Infektionsrisiko? Umstritten

Verhält es sich mit dem neuen Corona-Virus ähnlich? Haben Raucher ein höheres Risiko, sich mit diesem Virus zu infizieren? Ein Indiz dafür wäre: In China, Italien, dem Iran und Südkorea rauchen bedeutend mehr Männer als Frauen und dies spiegelt sich auch eindeutig in der Verteilung der Corona-Infektionen in diesen Ländern wider. Deutlich mehr vor allem alte Männer erkrankten dort an Covid-19 als Frauen.

Dennoch: „Ob das SARS-Cov-2-Infektionsrisiko für Raucher per se höher ist als für Nichtraucher, ist noch umstritten und lässt sich zur Zeit aufgrund der Dunkelziffer noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber prinzipiell ist davon auszugehen, da Raucher anfälliger für Influenzaviren und Infekte der oberen Atemwege und der Lungen sind“, so ÖGP-Generalsekretär Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum in Linz.

Schwerere Krankheitsverläufe und höhere Sterblichkeit

Als gesichert gilt jedoch, dass aktive Raucher, die an Covid-19 erkranken, ein weitaus größeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit Komplikationen aufweisen als Nichtraucher oder ehemalige Raucher. Lungenspezialist Lamprecht: „Eine rezente Metaanalyse, in der Studien mit in Summe 2.473 bestätigten Covid-19-Fällen analysiert wurden, zeigt, dass aktive Raucher ein um 45% höheres Risiko haben, einen komplikationsbehafteten schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung zu erleiden. Eine weitere Studie zeigt, dass Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern eine 2,4-mal höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, auf eine Intensivstation verlegt und beatmet werden zu müssen. Auch die Sterblichkeit ist im Vergleich zu Ex- oder Nichtrauchern deutlich erhöht.“

Patienten, die an COPD leiden, also einer Erkrankung, die im Regelfall als Folge des Rauchens auftritt, haben gar ein 88% höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf als Patienten ohne COPD. Lamprecht: „Dies zeigt, dass sowohl aktive Raucher als auch ehemalige Raucher, die an Rauch-assoziierten Erkrankungen leiden und deren Lungengewebe schon Schädigungen aufweist, in Bezug auf Covid-19 eindeutig gefährdeter sind.“

Fragwürdige Thesen zu Nikotin

Im Zuge der Ausnahmesituation aufgrund der Corona-Pandemie gelangen immer wieder wissenschaftliche Thesen, die erst der genauen Überprüfung und des wissenschaftlichen Diskurses bedürfen, an die Öffentlichkeit und sorgen für Aufsehen und Verunsicherung. Wie jene französische Beobachtungsstudie im April, die zu dem Schluss kam, Nikotinkonsum könne vielleicht sogar vor einer Infektion mit COVID schützen. Der vermutete Grund: Nikotin belege bestimmte Rezeptoren und könne dadurch die Vermehrung der Viruszellen bremsen. Doch weist die Studie schwere Mängel auf: Sie umfasst z.B. nur Patienten eines einzigen Spitals, wodurch keine Schlüsse auf die Gesamtbevölkerung zulässig sind. Auch wurden die am schwersten betroffenen Patienten, also jene auf Intensivstationen, nicht berücksichtigt. Lamprecht: „Die Studie wurde außerdem veröffentlicht, bevor es ein sogenanntes Peer-Review gab, also bevor die Arbeit von unabhängigen Experten desselben Fachgebiets bewertet wurde. Ein absolut ungewöhnliches Vorgehen in der Wissenschaft. Außerdem weist der Haupt-Studienautor seit Jahren ein gewisses Nahverhältnis zur Tabakindustrie auf.“

Basierend auf vorhandenen Daten müsse, so Lamprecht, vor dem Rauchen in Zusammenhang mit Covid-19 zweifellos eher gewarnt werden, als dass man ihm eine vor dem Virus schützende Wirkung zusprechen könnte. Und selbst wenn sich Hinweise rund um einen möglichen Nikotin-Schutzeffekt verdichten sollten, sei es höchst unwahrscheinlich, dass dies die vielen eindeutig nachgewiesenen negativen Effekte des Zigarettenrauchens überwiegen kann.

Kann Passivrauchen Corona übertragen?

Nachdem sich 53 der 61 Sänger eines US-Chores bei einer Chorprobe mit dem SARS-Cov-2-Virus angesteckt hatten, obwohl die Abstandsregeln strikt eingehalten worden waren, wird wieder intensiv die Gefahr einer Übertragung durch Aerosole diskutiert. Diese feinen Schwebteilchen können sich länger in der Luft halten als größere Tröpfchen, die beim Niesen und Husten ausgestoßen werden. Kann Passivrauch also, neben den vielen anderen negativen Auswirkungen, womöglich auch das Corona-Virus übertragen? Lamprecht: „Zu der Frage, ob das Coronavirus durch Zigarettenrauch übertragen werden kann, gibt es keine wissenschaftlichen Studien. Doch sind die durch Niesen und Husten entstehenden Tröpfchen – neben der Schmierinfektion – aus heutiger Sicht sicher die Hauptüberträger der Erkrankung. Aber im Sinne des Schutzes vor Passivrauch an sich sollten Raucher im Freien in jedem Fall einen Mindestabstand von zwei Metern zu ihren Mitmenschen einhalten. In geschlossenen Räumen sollte aus Rücksichtnahme auf andere sowieso gänzlich aufs Rauchen verzichtet werden.“

Rauch-Stopp zahlt sich immer aus

Raucher sollten auf jeden Fall die Schutzmaßnahmen ganz besonders beherzigen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Und wer z.B. Shisha raucht, sollte jetzt keinesfalls seine Shisha mit anderen teilen. Das Beste aber wäre, die Corona-Pandemie dazu zu nutzen, dem blauen Dunst für immer abzuschwören. Lamprecht: „Zu Rauchen aufhören zahlt sich immer aus – aber ganz besonders jetzt in Zeiten von Corona, zählen doch Raucher im Falle einer Infektion mit dem Corona-Virus zu den besonders gefährdeten Gruppen.“

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

ichbindermeinung
12
27
Lesenswert?

Werbeverbot für alle alkohol. Getränke u. Glücksspiele zum Schutz der Kinder

ganz wichtig zum Schutz der Kinder wäre endlich mal auch ein Werbeverbot für alle alkohol. Getränke und Glücksspiele u. Kriegsspiele, so wie bei den Zigaretten bereits seit 2007 umgesetzt, weil der volkswirtschaftl. für die Bürger durch Alkohol / Glücksspiele immens im Jahr ist. Komisch, dass diesbezüglich scheinbar alle kollektiv wegschauen. Woran dies wohl liegen mag

Hildegard11
4
11
Lesenswert?

Dann müssten ...

...endlich auch die dummen Krimis, die täglich - auch im ORF - flimmern, verboten werden. Verbieten wir das Leben überhaupt, weil zu gefährlich.

CloneOne
10
14
Lesenswert?

und

netflix, playstation,xbox,mensch ärgere dich nicht, völkerball und verstecken....ihr habt sie ja nicht mehr alle.

SeCCi
4
12
Lesenswert?

dann aber

auch gleich McD, BurgerKing & Co!

GanzObjektivGesehen
1
19
Lesenswert?

Ja, solche Dinge zu bewerben sollte verboten sein.

Aber wie „Mein Graz“ schreibt: Kinder lernen vor allem aus dem Verhalten der Eltern.
Da der Mensch aber nur ungern sein Verhalten ändert (vor allem wenn damit Mühen oder Verzicht verbunden sind) wird es noch sehr, sehr lange dauern bis sich in diesen Bereichen etwas ändert...

Mein Graz
1
33
Lesenswert?

@ichbindermeinung

Was hilft Werbeverbot, wenn Kinder genau das zu Hause sehen und dabei lernen, Rauchen, Saufen und Zocken gehört zum Alltag dazu und ist okay?

Da müsste man erste einmal das Bewusstsein der Erwachsenen / Eltern wach rütteln!

selbstdenker70
10
2
Lesenswert?

..

Anscheinend bist du von der Kindererziehung schon einige Jahre weg und hast anscheinend deine eigene Jugend auch schon vergessen...

Mein Graz
3
3
Lesenswert?

@selbstdenker70

Erkläre dich, damit ich verstehe was du sagen willst.