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Globaler PlanWHO geht gegen multiresistente Erreger vor

Die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnen vor einer "unsichtbaren Epidemie".

Gebrauch und Missbrauch von Antibiotika ist ein Problem © (c) dpa/Frank May
 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will mit einer weltweiten Kampagne gegen die Verbreitung multiresistenter Erreger vorgehen. Ein am Dienstag vorgelegter Plan der WHO sieht einen effektiveren Einsatz von Antibiotika vor, um Resistenzen gegen Krankheitskeime zu verhindern.

Multiresistente Erreger, sogenannte Superbazillen, machen die Behandlung mit Antibiotika unmöglich, sodass selbst leichte Verletzungen und Infektionen zum Tod führen können. Diese seien eines der "dringlichsten Gesundheitsrisiken unserer Zeit und stellen eine Bedrohung für den medizinischen Fortschritt eines ganzen Jahrhunderts dar", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Klassifizierung von Antibiotika

Resistenzen gegen Antibiotika können laut WHO auf natürliche Weise entstehen, falscher oder übermäßiger Gebrauch von Antibiotika beschleunige diesen Prozess jedoch. Die WHO empfiehlt deshalb ein System zur Klassifizierung von Antibiotika in jene, die zu jedem Zeitpunkt zugänglich sein sollten und in solche, die nur im Ernstfall vergeben werden sollten.

Die Resistenzen seien "eine unsichtbare Epidemie", erklärte Mariangela Simao, stellvertretende Generaldirektorin für den Zugang zu Medikamenten bei der WHO. Bereits heute gebe es Infektionen, die mit keiner Art von Antibiotika behandelt werden könnten.

Seit ihrer Entdeckung in den 1920er-Jahren werden Antibiotika gegen bakterielle Infektionen wie Lungenentzündungen, Tuberkulose oder Meningitis eingesetzt, die ohne Behandlung oft tödlich verlaufen. Allerdings haben manche Bakterien mit den Jahren eine Resistenz gegen Antibiotika entwickelt, so dass bestimmte Infektionen nicht mehr behandelt werden können.

Antibiotika falsch verwendet

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass in den kommenden 30 Jahren 2,4 Millionen Menschen in Europa, Nordamerika und Australien wegen sogenannter Superbazillus-Infektionen sterben könnten. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass 50 Prozent aller Antibiotika in vielen Ländern falsch verwendet werden. Dazu zählt die Verschreibung bei Virus-Erkrankungen, obwohl Antibiotika nur bei bakteriellen Erkrankungen wirken.

Zugleich fehlt in vielen ärmeren Ländern der Zugang zu Antibiotika. So sterben nach WHO-Angaben jährlich fast eine Million Kinder wegen fehlender Medikamente an Lungenentzündung.

Um sowohl das Problem der Resistenzen als auch jenes des mangelnden Zugangs zu lebensrettenden Medikamenten anzupacken, schlägt die WHO in ihrer Kampagne "AWaRe" die Klassifizierung von Antibiotika in drei Kategorien vor: Access (Zugang), Watch (Beobachtung) und Reserve (Einschränkung).

Beschränkungen gefordert

In die Access-Kategorie gehören der WHO zufolge Antibiotika, die nur ein bestimmtes Bakterium angreifen und deshalb mit einem geringeren Resistenzrisiko behaftet sind. Diese Medikamente machen rund 60 Prozent aller verwendeten Anitbiotika aus. Alle anderen Antibiotika sollen laut WHO nur noch in Fällen eingesetzt werden, in denen andere Medikamente nicht wirkten.

Laut WHO sammeln jedoch nur 65 Länder weltweit Daten zum Gebrauch von Antibiotika. Fast die Hälfte davon überschreitet das von der WHO ausgerufene Access-Ziel von 60 Prozent. Fast alle diese Länder liegen in Europa.

WHO-Chef Ghebreyesus rief alle Staaten dazu auf, eine Balance zwischen der "Gewährleistung des Zugangs zu lebensrettenden Antibiotika" einerseits und einer "Beschränkung einiger Antibiotika auf die am schwierigsten zu behandelnden Infektionen" zu finden.

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