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Diesel-DebatteDeutsche Lungenärzte bezweifeln Grenzwerte für Feinstaub und NOx

Mehr als hundert deutsche Lungenärzte haben erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen Methodik bei der Festlegung der Grenzwerte geäußert.

© Gorilla/stock.adobe.com
 

Deutsche Lungenärzte haben eine kritische Überprüfung der Auswirkungen von Feinstaub und Stickoxiden - kurz NOx - auf die Gesundheit gefordert. In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme äußerte eine Gruppe von mehr als hundert Medizinern erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen Methodik bei der Festlegung der Grenzwerte.

Zugleich drangen die Ärzte auf eine Neubewertung der Studien. Es gebe derzeit "keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte", hieß es in der Stellungnahme. Die Ärztegruppe kritisierte, die Daten zur Gefährdung von Luftverschmutzung seien "extrem einseitig" interpretiert worden. Andere Faktoren wie Lebensstil, Rauchen, Alkoholkonsum oder Bewegung hätten weitaus stärkere Auswirkungen auf Krankheitshäufigkeit und Lebenserwartung.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Dieter Köhler, der die Stellungnahme initiierte, sprach von einer "Ideologisierung" der Debatte über die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub. Diese werde noch zunehmen, weil vielen Städten weitere Fahrverbote drohten.

Kritik an wissenschaftlicher Methodik

Die Kritik der Ärzte bezieht sich auf Studien, in denen Wissenschafter unter anderem des Helmholtz-Instituts in München und der Berliner Charite Krankheiten und Lebenserwartung von Regionen mit unterschiedlicher Feinstaub- oder Stickoxidbelastung verglichen. Demnach besteht für staubbelastete Gebiete ein erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko. Luftschadstoffe werden mit Lungenerkrankungen, aber auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Diabetes in Zusammenhang gebracht.

Die DGP selbst fasste Ende vergangenen Jahres in einem Positionspapier den Stand der Forschung zusammen, um "einen Beitrag zur Versachlichung und kritischen Meinungsbildung über die Auswirkungen von Stickoxiden und Feinstäuben zu leisten".

Die nun veröffentlichte Gegenposition solle ein Anstoß für die notwendige Forschung und "eine kritische Überprüfung der Auswirkungen von Stickoxiden und Feinstaub" sein, erklärten die DGP, der Verband der Pneumologischen Kliniken und die Deutsche Lungenstiftung am Mittwoch.

Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält die Zweifel der Lungenärzte für gerechtfertigt. "Der wissenschaftliche Ansatz hat das Gewicht, den Ansatz des Verbietens, Einschränkens und Verärgerns zu überwinden", sagte der CSU-Politiker. Die Initiative der Mediziner sei ein wichtiger und überfälliger Schritt. Er helfe mit, "Sachlichkeit und Fakten in die Diesel-Debatte zu bringen".

Kommentare (3)

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scionescio
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Da haben die Lobbyisten schon ganze Arbeit geleistet - der Aufschrei wird wieder verhallen und ommt zu spät ...

Es ist schon lange ein offenes Geheimnis, dass diese strikte Monokausalität zwischen Feinstaub (auch da gibt es sehr viele unterschiedliche Größen) und vielen Krankheiten/Lebenserwartung mit wissenschaftlichen Mitteln schwer eindeutig zu belegen ist (was natürlich aber nicht bedeutet, dass es die nicht geben kann - man vermutet es halt und interpretiert ausgewählte Daten in eine Richtung, die die eigene Vermutung bestätigen ...).
Wenn man das Verhältnis von "natürlichem" Feinstaub (durch Erosion, Vulkane, Pollen, Brände, etc.) zu "künstlichem" Feinstaub betrachtet, kann man da schon sehr nachdenklich werden.
Wenn man weiß, dass einmal Bremsen mit dem Fahrrad mehr Feinstaub erzeugt als ein moderner Diesel auf 100.000km (ohne Reifen- und Bremsenabrieb!), frägt man sich um so mehr, wie es zu dieser Hysterie gekommen ist ...

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schadstoffarm
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und wenn der Marlborogh Cowboy

noch rauchte dann lebte er noch.

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scionescio
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Da bin ich mir nicht so sicher;-)

Beim Rauchen gibt es meines Erachtens nach einen großen Konsens in der Fachwelt, was die negativen Auswirkungen anbelangt - bis auf unseren Witzekanzler geht vermutlich niemand ernsthaft davon aus, dass Rauchen der Gesundheit zuträglich ist

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