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Im InterviewToni Innauer: ''Wir ticken wie die Urmenschen''

Olympiasieger und Sportphilosoph Toni Innauer über unsere nachhaltige Ähnlichkeit mit Affen, Eigenverantwortung und ob wir uns vom Smartphone benützen lassen sollen.

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"Der Glaube, alles technisch und ­digital lösen zu können, ist naiv." Toni Innauer © (c) Guenther PEROUTKA / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com
 

Der Begriff Nachhaltigkeit ist völlig überstrapaziert: Können Sie damit noch etwas Positives anfangen?
Der Begriff klingt für mich wie Rücksichtnahme und weise Vo­raussicht und ist nach wie vor sehr positiv aufgeladen, obwohl er missbraucht und abgenützt wird.  Die eigentliche Bedeutung kommt ja aus der Landwirtschaft und ist Hunderte Jahre alt. 

Angeblich hat Hans Carl von Carlowitz, der 1645 bis 1714 lebte, als Erster die Nachhaltigkeit so erklärt: Man dürfe nur so viel Wald abholzen, dass er sich wieder regenerieren kann. Dafür, dass die Menschheit den Begriff schon so lange kennt, hat sie ihn sich nicht wirklich zu Herzen genommen.
Aber jene Menschen, so wie ich, die ihre Wurzeln mehr im ländlichen Raum haben, besitzen den Vorteil, dass sie oft schon in jungen Jahren gesehen haben, wie Nachhaltigkeit funktioniert. Noch vor der Globalisierung, als man in kleineren Einheiten schauen musste, dass man längerfristig leben kann – und nicht für kurzfristige Vorteile alle Rücksichtnahme aufgibt. Dadurch, dass immer mehr Menschen in den Städten wohnen, ist es schwer, das alles zu erklären und ein Verantwortungsgefühl zu entwickeln, weil man alles kaufen kann. Das Bewusstsein für gewachsene Zusammenhänge verblasst.
  
Der Begriff Nachhaltigkeit wird wie ein Allheilmittel betrachtet, aber nicht gelebt.
Normalerweise sagt ja der gesunde Menschenverstand Stopp, wenn eine Sache zu weit geht. Aber das ist heute anders. Erst wenn es kracht, wird erschrocken innegehalten. Im Sport genauso wie in der Wirtschaft. Manchmal, wenn die Musik laut genug spielt im ­Autoradio, ignorieren wir das Piepsen der akustischen Einparkhilfe und sind bass erstaunt, wenn es plötzlich scheppert. Es ändert sich nichts, bis es zu rumpeln ­beginnt. Es ist gar nicht nachhaltig, im Lärm der Welt die eigenen Warnsysteme zu ignorieren.
 
Das ist in der Politik auch nur selten anders.
Weil vieles in der politischen Arbeit oft zu willfährig dem Diktat der ganz großen Wirtschaftssysteme folgt und als „Sachzwänge“ verkauft. Der Lobbyismus regiert mit. Nachhaltige Politik erfordert Mut und gibt es selten genug, weil Interessensvertretungen von Riesenkonzernen einen sehr starken Einfluss auf die Demokratie und die Spielregeln der Wirtschaftslandschaft nehmen.

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