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StudieNur zwei Prozent der Medizinstudenten wollen Hausarzt werden

Umfrage zeigt: Interesse an Allgemeinmedizin ist bei Studenten und Turnusärzten gering.

Mangel an Hausärzten
Mangel an Hausärzten © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Österreich bräuchte laut Zahlen der Ärztekammer 400 neue Hausärzte pro Jahr - die Ambitionen des Nachwuchs gehen aber in eine ganz andere Richtung. Nur zwei Prozent der Med-Uni-Studenten und etwa 16 Prozent der Turnusärzte in Spitalsausbildung sind sich sicher, später diesen Beruf ergreifen zu wollen. Das hat eine Fragebogen-Studie des Instituts für Allgemeinmedizin der Med Uni Graz ergeben.

 

Eckdaten zur Studie

Die Wissenschaftler unter Stephanie Poggenburg vom Grazer Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV) verschickten  insgesamt 34.552 Fragebögen an die österreichischen Medizinstudenten und Turnusärzte in Spitalsausbildung.

Der Rücklauf betrug insgesamt 13,7 Prozent mit 4.724 Antworten. Davon entfielen rund 700 ausgefüllte Fragebögen auf Turnusärzte.

Die Studie wurde von der österreichischen Ärztekammer finanziert.

Studienleiterin Stephanie Poggenburg zitierte die Hauptergebnisse: "Nur zwei Prozent der Studenten sind sich sicher, dass sie den Hausarztberuf ausüben wollen, ebenso 16 Prozent der Turnusärzte." Bei den Turnusärzten sei die Prozentangabe aber wegen möglicher methodischer Schwierigkeiten mit Vorsicht zu genießen.

Diese Zahlen müsse man auch unter dem Aspekt der demografischen Entwicklung in der Ärzteschaft betrachten, sagte Johannes Steinhart, Kurienobmann in der Ärztekammer. "In den nächsten zehn Jahren werden 50 bis 60 Prozent der Allgemeinmediziner in Pension gehen." Bei in Österreich insgesamt derzeit rund 4000 Kassen-Allgemeinmedizinern sei die Zahl der Wahlärzte bereits auf rund 2700 gestiegen. Aktuell sind in Österreich 64 Hausarztkassenstellen unbesetzt. 

Wenig Zeit, viel Bürokratie

Die Nachteile, die junge Mediziner am Hausarzt-Beruf sehen, sind folgende:

  • 74 Prozent der Studenten und 85 Prozent der Turnusärzte erwarteten sich zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten.
  • 60 Prozent der MedUni-Studenten sprachen von zu vielen Vorgaben durch die Krankenkassen, dieser Anteil betrug bei den Turnusärzten 82 Prozent.
  • 50 Prozent der Studenten schätzten das Einkommen des Hausarztes im Vergleich zu Fachärzten für zu gering ein, ebenso 63 Prozent der Turnusärzte.

"68 Prozent der Studierenden und 72 Prozent der Turnusärzte wollen in der niedergelassenen Praxis arbeiten", sagte Stephanie Poggenburg. In einer Gemeinschaftspraxis wollten 71 Prozent der Studenten und 78 Prozent der Turnusärzte später tätig sein, rund 60 Prozent möchten in einem der viel diskutierten Primärversorgungszentrum (PHC) arbeiten.

Erschreckend auch: Nur 15 Prozent der Studenten und gar nur sechs Prozent der Turnusärzte fühlen sich durch ihre Studium gut auf die Arbeit in der Hausarzt-Praxis vorbereitet.

Ruf nach Lehrpraxis

Die Ergebnisse der Befragung unterstrichen die absolute Notwendigkeit, bis zur österreichweiten Einführung der Lehrpraxen im kommenden Jahr, endlich deren Finanzierung sicherzustellen. Gerade in den Lehrpraxen würden die angehenden Ärzte mit dem Gedanken der Arbeit als Hausarzt "infiziert", hieß es bei der Pressekonferenz.

Kommentare (3)
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JSH2GT87KY7D28T0
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Zuerst

mal die Leistungen eines Hausarztes gerecht bezahlen,und dann gibt
ihnen die Hausapotheken zurück!
Kein Apotheker wird deswegen verhungern.

tschifudl1
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aber alle wollen....

..weiter auf Kosten der Allgemeinheit studieren!

Mein Graz
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bitte erkläre mir:

in welchem kontext dein posting zu verstehen ist.

willst du eine auswahl treffen, wer studiengebühren zu bezahlen hat und wer nicht?
oder willst du generell studiengebühren einführen?