Gute FrageWarum haben wir Schluckauf?

Welche Erkrankungen hinter Schluckauf stecken können und welche Frage die Wissenschaft bis heute nicht beantworten kann.

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Beim Schluckauf ist das Zwerchfell die Wurzel des Übels
Welche Funktion hat Schluckauf? © Piotr Marcinski - Fotolia
 

Hicks.

Oje! Denn mit einem Hicks ist es meist nicht getan. Und schon versucht man all die vermeintlichen Tricks, mit denen man das "Schnackerl" ausschalten kann: Luft anhalten, sich erschrecken lassen oder kaltes Wasser trinken. Doch warum ärgert uns unser Körper mit Schluckauf? Hat er eine sinnvolle Funktion? Oder steckt gar eine Erkrankung dahinter? Das haben wir Gerhard Friedrich, HNO-Experte an der MedUni Graz, gefragt.

Wenig untersucht

"Der Schluckauf ist medizinisch noch sehr wenig beleuchtet worden", sagt Friedrich, viele Untersuchungen dazu gebe es nicht. Wie es entsteht, kann der HNO-Facharzt aber genau erklären: Es kommt zu einem plötzlichen, krampfhaften Zusammenziehen des Zwerchfells. Dadurch wird Luft eingeatmet und der Kehlkopf verschließt sich reflexartig. "Dadurch entsteht das hicksende Geräusch", sagt Friedrich.

Auf einen Blick

Beim Schluckauf zieht sich das Zwerchfell krampfartig zusammen, die Stimmritze verschließt sich, dadurch entsteht das typische Geräusch.

Wird Schluckauf chronisch, können viele Organe dahinterstecken: Vom Gehirn bis in den Magen reichen die möglichen Verursacher.

Bis heute gibt es keine Antwort auf die Frage, ob Schluckauf eine Funktion erfüllt.

Das Zwerchfell ist also die Wurzel des Übels: Dieser große Muskel trennt den Bauch- vom Brustraum und ist unser wichtigster Atemmuskel: Beim Einatmen zieht er sich zusammen, wodurch der Brustraum größer wird, beim Ausatmen entspannt er sich wieder.

Zu viel gegessen

"Durch die zentrale Lage des Zwerchfells können viele Organe der Auslöser für Schluckauf sein", sagt Friedrich. Beim sogenannten akuten Schluckauf, der nach einiger Zeit wieder verschwindet, ist es meist ein übervoller Magen, der das Hicksen auslöst. Zu viel und zu schnelles Essen sowie kohlensäurehaltige Getränke können zu einer solchen Überdehnung führen. "Meistens steckt nichts Krankhaftes dahinter", sagt Friedrich.

 

Meduni Graz Gerhard Friedrich, HNO-Facharzt
Gerhard Friedrich, HNO-Facharzt © Meduni Graz

Wird das Hicksen aber chronisch, tritt also über Tage oder Wochen und immer wieder auf, dann sollte man den Arzt aufsuchen - und sich auf die Suche nach der Ursache machen. "Vom Gehirn bis in den Bauchraum", reichen laut Friedrich die Organe, die hinter chronischem Schluckauf stecken können. Lungen- oder Herzkrankheiten, eine Rippenfellentzündung, Magen- oder Speiseröhren-Erkrankungen bis zu einer Nervenstörung im Gehirn: Die Liste der möglichen Ursachen ist lang, daher könne auch die Suche nach dem Auslöser langwierig sein.

Keine Therapie, keine Funktion

Diese Suche ist jedoch wichtig, denn die zugrunde liegende Krankheit muss behandelt werden - gegen den Schluckauf selbst gibt es laut Friedrich keine Therapie. Aber was ist mit den viel beschworenen Hausmitteln? "Die sind alle sinnvoll, weil sie versuchen, den Reflex zu unterbrechen", sagt Friedrich. Durch Luftanhalten wird das Zwerchfell entspannt, durch kaltes Wasser gibt es einen Reiz - erlaubt ist, was hilft.

Auf die Frage, warum wir das Schnackerl überhaupt bekommen, gibt es in der Medizin aber keine Antwort: "Es gibt keine schlüssige Theorie dazu, welche Funktion Schluckauf hat", sagt Friedrich. So bleibt nur die tröstliche Interpretation: Jemand denkt gerade an mich.

Hicks.

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Dies hilft bei mir sehr gut.