Ja? Nein? Vielleicht? Manchmal wird einem die Wahl gelassen. Wenn es um die Digitalisierung geht, ist es aber keine Frage des Wollens. Der Kulturwandel ist voll im Gange und der Alltag wird immer unüberschaubarer. Deshalb brauchen die Kinder von heute das richtige Rüstzeug für die Welt von morgen. „Lediglich einen Touchscreen bedienen zu können, wird dann allerdings zu wenig sein“, sagt der Bildungsinformatiker Martin Ebner. Wer sich künftig kein Wissen über digitale Prozesse aneigne, werde sich schwertun, sich in der Zukunft zurechtzufinden, lautet seine Prognose. Man nehme ein selbstfahrendes Fahrzeug als Beispiel. Möchte man verstehen, anhand welcher Kriterien es Entscheidungen trifft, muss man wissen, wie es programmiert wurde. Wer das nicht tut, kann weder mitreden noch mitbestimmen.

Eine Frage der Mündigkeit

Eine Ahnung davon haben, wie Computer denken und arbeiten? Das braucht es laut Ebner, um nicht von fremden Ideen und Vorstellungen dominiert zu werden, wie er es anhand der sozialen Netzwerke ausführt. Wie funktionieren diese Plattformen eigentlich? Warum wird mir ausgerechnet diese Werbung angezeigt? Was ist eine Filterblase? Darüber müsse mit den Kindern geredet werden. Denn der Strom der Daten lässt sich leicht manipulieren. „Um dafür gewappnet zu sein, braucht es eine digitale Mündigkeit, die eine dahingehende Ausbildung voraussetzt“, so der Experte. Ansonsten marschiere man geradewegs in eine Gesellschaft, die nicht weiß, was um sie herum geschieht. Den Teufel möchte Martin Ebner aber nicht an die Wand malen. In Österreich passiere in diese Richtung grundsätzlich sehr viel und mehr als zunächst vermutet. Wie zum Beispiel das neue Schulfach „Digitale Grundbildung“, das heuer an allen AHS-Unterstufen und Neuen Mittelschulen eingeführt wurde.

Fordert eine umfassende digitale Ausbildung für Kinder: Bildungsinformatiker Martin Ebner
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Doch was macht den heimischen Nachwuchs fit für die Digitalisierung? Martin Ebner sagt: „Genau so, wie man das Schreiben mit dem Bleistift erlernt, sollen Kinder beigebracht bekommen, wie man sich in der digitalen Welt fortbewegt.“ Für ihn sei es aber keine Lösung, Kinder kommentarlos vor dem Tablet zu parken. Dadurch bringe man ihnen lediglich bei, ein Gerät anzuwenden, und nicht, die grundlegenden Abläufe dahinter zu verstehen. Doch nicht alle Eltern haben das tiefgehende Wissen, um mit ihren Kindern darüber zu reflektieren. Deshalb sieht Ebner den Bildungsauftrag ganz klar in den Schulen verankert.


Er plädiert dafür, das fächerintegrative Arbeiten zu verstärken, wie er es anhand des Deutschunterrichts erklärt. Dieser sei zum Beispiel ein guter Ort, um über Fake News zu sprechen. Und während früher das Schönschreiben wichtig war, könne man dort in Zukunft auch den Umgang mit Textprogrammen üben. Wie schreibe ich beispielsweise einen guten Text und formatiere ihn im Anschluss richtig?

Dafür müsse aber auch innerhalb der verschiedenen Fachrichtungen ein Umdenken stattfinden. Nach wie vor sei es schwierig, Lehrer in diese Richtung zu bewegen. „Viele sind in einer ganz anderen Welt groß geworden“, erklärt Martin Ebner und fügt hinzu: „Aber wenn jemand glaubt, er hat mit Informatik nichts zu tun, dann wird es übermorgen schon so weit sein.“