Plötzlich sitzt man wieder bei der Mathematik-Matura, ohne sich vorbereitet zu haben oder man schreibt inmitten seiner damaligen Klassenkollegen einen Test. Warum kommen im Traum oft auch längst abgeschlossene, vergangene Themen wieder hoch?
Brigitte Holzinger: Kulturell haben wir gelernt, dass Träume Schäume sind. Ich sehe das nicht so. Träume sind psychische Vorgänge, die sich mit dem, was man am Tag erlebt hat und dem Innersten wie unseren Wünschen und Gefühlen, befassen. Der Traum ist ein kleines Kunstwerk, das wirkt. Er ist ein Ausdruck der eigenen Fantasiewelt, die man auch fördert, wenn man seine Träume respektiert. Den Traum, den Sie zuvor angesprochen haben, haben viele Leute. Eine denkbare Erklärung dafür wäre: Damals habe ich das auch geschafft. Nun muss ich wieder eine Prüfung bestehen – man bestärkt sich, indem man sagt, dass es damals ja noch viel schwerer war, und das hat man auch geschafft. Man nutzt den Traum als Ressource.