Halten die das aus?So lebt es sich mit Möbeln aus Karton

Praktische Pappkameraden für zu Hause: Wie das Berliner Unternehmen „Room in a Box“ Karton als Baustoff für Möbel salonfähig macht.

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Papier ist bekanntlich geduldig. Und Karton? Ist er stabil und kräftig genug, um Sessel oder Bett zu sein? „Dürfen die Möbel nass werden? Und wie viel Gewicht halten sie aus? Das sind die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden“, erklärt ein gut gelaunter Gerald Dissen, ausgebildeter Bankkaufmann und Gründer von „Room in a Box“ in einer Videokonferenz. Das deutsche Unternehmen bietet, wie der Name schon sagt, „das Zimmer in der Schachtel“ an – Betten, Regale, Leuchten, Hocker oder Tischaufsätze aus Karton. Diese werden anhand eines Stecksystems aufgebaut und müssen weder zusammengeklebt noch langwierig geschraubt werden.

Foto ©

Zu den Personen

Gerald Palm und Lionel Palm gründeten 2013 „Room in a Box“, das Möbel (Betten, Regale, Hocker, Leuchten) aus Schwerlastkarton anbietet.
Dieser besteht zu mindestens 70 Prozent aus zertifiziertem Recyclingmaterial und zu 30 Prozent aus Frischfasern.
Die Möbel können per Post geliefert und nach ihrer „Lebenszeit“ im Altpapier entsorgt werden.

Alle drei zuvor erwähnten Fragen kann Dissen übrigens ruhigen Gewissens mit „Ja“ beantworten. Doch bis dahin sei es ein langer Weg gewesen. „Mich hat die Idee fasziniert, Möbel zu designen, die qualitativ hochwertig, dabei aber auch nachhaltig und so einfach wie möglich im Aufbau sind“, so der 37-Jährige, der bei einer Nachhaltigkeitsmesse einen Sessel aus Pappe sah und von der Idee schlichtweg fasziniert war. Das Material, der günstige Rohstoffpreis und die Weiterverarbeitungsmöglichkeiten haben den Wirtschaftswissenschaftler einfach nicht mehr losgelassen.

Glücklicher Zufall

Im Rahmen einer Zusatzausbildung im „Design Thinking“ gräbt er sich noch tiefer in sein Vorhaben – zeichnet Skizzen, sammelt Informationen. Durch einen glücklichen Zufall trifft er bei einer WG-Party schließlich auf Lionel Palm, seinen heutigen Co-Gründer. Palm arbeitet damals gerade im Controlling eines Wellpappwerks. Schnell sind sich die beiden einig – das pappt, ähm ... klappt bestimmt.

Foto © Room in a Box
2013 starten sie mit „Room in a Box“. Eine der größten Herausforderungen: Ein System zu finden, das ohne Kleben auskommt. Ein Versuch folgt auf den anderen, bis schließlich der Durchbruch gelingt. „Wir wollten und wollen eine leistbare und nachhaltige Alternative zu den großen Möbeldiscountern sein“, erklärt Dissen.
Room in a Box Foto ©
Die Möbel seien vor allem für jene geeignet, die oft umziehen müssen – wie Studenten, aber auch für junge Familien, die sich im Wandel befinden. Die Möbel können mithilfe eines Modulsystems immer weiter aufgestockt werden. Aufgrund des geringen Gewichts können sie einfach per Post geliefert werden. Ein Umstand, der Umzüge im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert.

Eine Tonne pro Quadratmeter

Lucas Faber ist seit einem Jahr fürs Produktdesign bei „Room in a Box“ zuständig. „Alle haben beim Wort Karton sofort die Schlagwörter labbrig und instabil im Sinn“, sagt er. „Aber wir arbeiten mit hochwertigem Schwerlastkarton, er ist dicker und dadurch auch strapazierfähiger.“ So trägt das Pappbett, das ohne Lattenrost, dafür aber mit einem wabenförmigen Muster auskommt, bis zu einer Tonne pro Quadratmeter „bei flächiger Belastung“. Der Hocker aus Pappe, der auch als Nachttisch zum Einsatz kommen kann, trägt laut Hersteller bis zu 100 Kilogramm.

Room in a Box
© Room in a Box
Neben Bett und Hocker entpuppte sich aber auch der sogenannte „Monkey Desk“ als Verkaufsschlager. Vor allem im vergangenen Jahr, in dem viele im Homeoffice nach günstigen Helferlein suchten. Mithilfe des Aufsatzes lässt sich ein herkömmlicher Tisch in einen Stehschreibtisch aufstocken. „Durch die Pandemie haben viele nicht nur sehr viel Zeit daheim verbracht und wollten es sich schön machen: Viele machen sich auch viel mehr Gedanken darüber, was sie kaufen und woher es kommt.“

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