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Immaterielles KulturerbeZehn Jahre gelebte Kultur in Österreich

Seit zehn Jahren wird in Österreich immaterielles Kulturerbe gelistet. Österreichs kulturelle Vielfalt in Bildern.

Österreichs Kultur ist lebendig und vielfältig. © (c) fottoo - stock.adobe.com (Britta und Ralph Hoppe)
 

Heute vor genau zehn Jahren hat Österreich das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes unterzeichnet. Die Inhalte wurden seither von der österreichischen UNESCO-Kommission ausgewählt. Die Bandbreite des gelebten Kulturerbes in Österreich ist groß: Blattgoldherstellung, Schmiedekunst, das Salzburger Marionettentheater, die Rieselbewässerung im Tiroler Oberland und die Bräuchen der Berg- und Hüttenleute an der Steirischen Eisenstraße lassen sich unter den 117 gelisteten Traditionen finden. Fünf davon sind sogar auf der Internationalen Repräsentativen UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit gelistet: Das Wissen im Umgang mit Lawinengefahr, die Handwerkstechnik des Blaudrucks, die Falknerei, der Imster Schemenlauf sowie die Hohe Schule und Klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule. 


Eine bunte Mischung der Traditionen aus den Bundesländern als Fotostrecke:

Immaterielles Kulturerbe: Gelebtes Brauchtum

Axamer Wampelerreiten, Tirol. Am “Unsinnigen Donnerstag” vor Faschingsonntag trotten junge Burschen in ausgestopften weißen Leinenhemden durch die Tiroler Gemeinde Axams. Den Namen verdienen sich die sogenannten “Wampeler” durch ihren dicken Heu-Bauch. Ihre Gegner, die Reiter, versuchen die Wampeler auf den Rücken zu legen. Jener Wampeler, dessen Rücken am Ende des Spektakels am saubersten ist, gewinnt.

Jakob Gruber

Roman, Burgenland. Roman ist die Sprache der burgenländischen Roma. Als Abwandlung des Romani wird es nur in Österreich gesprochen und blickt auf eine über 500 Jahre alte Tradition zurück. Die Diskriminierung der Roma führte im vergangenen Jahrhundert allerdings zu einer zunehmenden Sprachverweigerung, erst in den 1980er Jahren wurden Roman wieder stärker verbreitet. Auch heute erfreut sich Roman allerdings nicht allzu großer Beliebtheit in der Mehrheitsbevölkerung, die größte Gefahr für den Fortbestand stellt daher die abnehmende Verwendung der Sprache von Burgenland-Roma selbst dar.

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Perchtoldsdorfer Hütereinzug, Niederösterreich. Früher wurden Weinhüter von der Gemeinde bezahlt, um in den Weingebieten die Ernte vor Dieben und Tieren zu schützen. Der Beruf verschwand in den 1970ern, jedoch ziehen die Weinhüter heutzutage am ersten Sonntag nach dem Leonhardi-Tag (6. November) in Perchtoldsdorf ein. Am “Hiataeinzug” beteiligen sich heute vor allem Söhne von Weinbauern. Wichtigstes Element: die “Pritschn”, ein mit Eichenlaub geschmückter Drehkörper mit zwei goldenen Herzen aus Walnüssen, der auf einer Stange befestigt durch die Gemeinde getragen wird. Am Marktplatz werden sogenannte “Gstanzln” präsentiert, alte Melodien mit aktuellen Texten.

 

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Lesachtaler Brotherstellung, Kärnten. Einst als “Tal der hundert Mühlen” bekannt, sind es vor allem die Gemeinden Maria Luggau und Liesing im Lesachtal, die die tradtitionelle Brotherstellung begründeten. Die Bezeichnung “Lesachtaler Brot” umfasst allerdings nicht allein das kulinarische Endprodukt, auch Getreideanbau, Körnergewinnung, Mühlenbau und das Backen in hauseigenen Öfen werden von diesem Begriff berücksichtigt. Nicht zuletzt sind auch typische und fachbezogene Dialektwörter diesem Kulturphänomen zugehörig. 2008 wurde außerdem nahe Tokio ein Lesachtaler Brotbackofen errichtet und von einer Delegation aus dem Lesachtal eröffnet.

 

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Heilwissen der Pinzgauerinnen, Salzburg. Heilpflanzen wie Arnika und Johanniskraut sind im Pinzgau reichlich vertreten, doch Beliebtheit erfreuen sich auch Fichten- und Lärchenharz, denen eine desinfizierende Wirkung nachgesagt wird. Das Wissen über die regionalen Heilmittel wird mündlich und praktisch weitergegeben, jedoch nur, wenn es sich über Jahrhunderte als wirksam erwiesen hat. In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach lokalen Heilwissen zunehmend gestiegen.

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Wiener Kaffeehauskultur, Wien. Die Geschichte der Wiener Kaffeehäuser geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Abgesehen von Kaffee, macht das Wiener Kaffeehaus-Flair vor allem die Einrichtung aus, die sich durch Marmortische, Logen und Zeitungstischchen auszeichnet. Das Kaffeehaus war somit mehr als ein Ort um heiße Getränke zu konsumieren, es war ein Ort an dem man sich über Gesellschaft, Politik und Literatur austauschte. Allerdings waren Frauen erst ab 1856 willkommen.

(c) Creativemarc - stock.adobe.com (Photographer: Ing. Schieder Mark)

Vogelfang im Salzkammergut, Oberösterreich. Die Vogelfänger des Salzkammerguts fangen gewisse heimische Vogelarten im Herbst. Die Tradition umfasst aber auch die Haltung der Tiere in Volieren sowie die deren Präsentation bei der Waldvogelausstellung Ende November. Beurteilt werden die Vögel anhand von Unversehrtheit, Farbenpracht und Pflegezustand. Die Vogelfänger haben sich über die Jahre ein Wissen über die heimischen Vögel angelegt, das sogar über Differenzierungen in der Wissenschaft hinausgeht. Nicht nur die Art des Fangens hat sich über die Jahre geändert, auch die Anzahl an Vogelarten, die gefangen werden dürfen, hat sich von 16 auf vier dezimiert. Heute werden noch Erlenzeisig, Stieglitz, Gimpel und Fichtenkreuzschnabel gefangen.

Christian Huber

Flurnamen, Vorarlberg. Da Fluren und Äcker oft nicht eindeutig an Höfe und Dörfer angrenzten, entwickelten sich die über Generationen weitergegebenen Flurnamen in ganz Vorarlberg. Sie waren notwendig für Verwaltung und Wegbeschreibungen, erst in den 1960er Jahren wurden sie auch schriftlich festgehalten. Neben ihrer identitätsstiftenden Funktion, geben sie auch Auskunft über die Wahrnehmung der Natur und deren historische Nutzung.

(c) JRG - stock.adobe.com (Jürgen Vogt)
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