Wer die Romane Zeruya Shalevs (Liebesleben, Mann und Frau, Späte Familie) kennt, weiß, dass es bei der israelischen Bestseller-Autorin immer leidenschaftlich und in erotischen Belangen oft recht explizit zugeht. Auch in ihrem neuen Roman „Nicht ich“, der - weil bereits vor 30 Jahren geschrieben - eigentlich ein alter Text ist, geht es um Begehren und Verlust, um Ängste und Träume, die die Erzählerin in einen assoziativen Strudel reißen. Stringente Handlung gibt es nicht in diesem grotesken, atemlosen Gedankenstrom einer an sich selbst leidenden Frau, die Mann und Tochter für einen Liebhaber verlassen hat: „Ich beneide all die Glücklichen, die leicht sterben. Ich sterbe langsam, so langsam, dass man es nicht spürt.“ Einmal hat die Protagonistin plötzlich eine Glatze, dann verwandelt sich ihr Vater in den Kuckuck einer Kuckucksuhr, ihr Mann bekommt ihre Gebärmutter eingepflanzt und wird schwanger. Ihre Mutter vergisst stets den Namen der Tochter, und auch einen Ex-Liebhaber samt französischer Konkubine gibt es.
Brisantes Debüt von Zeruya Shalev
Surrealer Monolog einer Frauenseele
Kritik.
Zeruya Shalev ist in ihrem neuen Buch „Nicht ich“. Lesenswert ist ihr Jahrzehnte altes Debüt dennoch.
© Christian Mueller