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Ekaterina Degot im PorträtPolitisch engagierte Kämpferin für die Kultur

Die Moskauerin Ekaterina Degot, geboren am 2. Dezember 1958, sammelte bereits nach dem Fall der Sowjetunion erste Sporen im Kunstbertrieb.

STEIERMARK: VORSTELLUNG NEUE INTENDANZ 'STEIRISCHER HERBST' / DEGOT
Die designierte "herbst"-Intendantin Ekaterina Degot © APA/ERWIN SCHERIAU
 

In der russischen Kunstszene hat sich Ekaterina Degot seit den 1980ern als Kunsthistorikerin, Kritikerin und Kuratorin einen Namen gemacht. Auch aufgrund der politischen Lage in Russland verlagerten sich ihre Aktivitäten zuletzt jedoch Richtung Westen. Mit der Nominierung zur nächsten Intendantin des steirischen herbsts wird die 58-jährige Moskauerin nun in Österreich für Aufmerksamkeit sorgen.

Erste Sporen im spätsowjetischen Kunstbetrieb sammelte die am 2. Dezember 1958 geborene Degot bereits in den 1980ern: Nach ihrem Kunstgeschichtestudium an der Moskauer Staatlichen Universität war sie ab 1981 zunächst in einer dortigen Ausstellungshalle und ab 1988 in der staatlichen Tretjakow-Galerie beschäftigt. In der Perestrojka-Zeit Ende der 1980er engagierte sie sich zudem auch in maßgeblichen Projekten, in denen der künstlerische Underground erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Kunstkritikerin

Zu einer maßgeblichen Figur der russischen Kunstszene avancierte Degot jedoch erst nach dem Zerfall der Sowjetunion: Ab 1993 war sie als Kunstkritikerin für die Moskauer Qualitätszeitung "Kommersant", eines der wichtigsten Massenmedien der damaligen Zeit, tätig und setzte in dieser Funktion Standards der neuen russischen Kunstkritik. Parallel beschäftigte sie sich auch weiterhin mit Kunstgeschichte und legte im Jahr 2000 ein Standardwerk zur russischen Kunst des 20. Jahrhunderts vor.

Im neuen Jahrhundert verlagerten sich Degots Interessen zunehmend in Richtung Ausstellungskuratierung. Sie blieb zwar weiterhin als einflussreiche Kunstkritikerin tätig, insbesondere als Kunstredakteurin des Onlinemediums www.openspace.ru, für Aufmerksamkeit sorgten jedoch insbesondere Ausstellungsprojekte, die sich aus einer politisch engagierten Haltung heraus mit sowjetischer Kunst- und Kulturgeschichte beschäftigten. Als Schlüsselprojekte gelten etwa die von ihr ko-kuratierte Ausstellung zur Geschichte sowjetischer Unterwäsche "Gedächtnis des Körpers" (2000), "Der Kampf für den Banner - Sowjetische Kunst zwischen Trotzki und Stalin" (2008), eine Retrospektive zum Werk des nahezu vergessenen Avantgardisten Pjotr Subbotin-Permjak (2009) oder einen der raren russischen Überblicksausstellungen über ukrainische Kunst (2010).

Offener Brief

Die kritisch Haltung der bekennenden Linken Degot in Bezug auf das zunehmend autoritäre Regime von Wladimir Putin reduzierte zuletzt zunehmend ihre Möglichkeiten, in Russland große Ausstellungen zu verantworten. Bereits Ende 1999 hatte sie in einem legendärem Kommentar in "Kommersant" auf die Mitverantwortung der Kulturszene verwiesen, die sich kurz zuvor in Wahlkämpfen von kreml-nahen Politikern hatte instrumentalisieren lassen. Nach der Annexion der Krim schrieb sie 2014 einen offenen Brief an Freunde und Kollegen in der Ukraine: "Ich möchte euch alle um Verzeihung bitten, dass wir in Russland nicht entschieden genug vorgegangen sind und jenes Regime Putins, das euch heute bedroht, nicht zerstören konnten".

Parallel verlagerte Degot, die 2014 in Wien mit dem Igor-Zabel-Award der Erste-Stiftung auszeichnet wurde, ihre Aktivitäten ins Ausland. 2012 verantwortete sie mit David Riff die erste Biennale im norwegischen Bergen, ab 2014 leitete sie die städtische Kölner Kunstinstitution "Akademie der Künste der Welt", die sich Mitte April im Rahmen der "Pluriversale" mit populistischer Politik und einem neuen Extremismus der politischen Mitte beschäftigen wird.

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