Der etwas mürrische Triestiner ist für viele wie ein Leitfaden für das eigene musikalische Leben. Stets auf Höhe der Zeit besetzt Enrico Rava eine singuläre Position im zeitgenössischen Jazz. Dazu reichen dem führenden italienischen Jazzmusiker die unendliche Melodie und die ultimative Improvisation. Permanent am Höhepunkt der Kreativität zu bleiben, mag für einen Künstler per se eine gewisse Logik haben.

Dass der 82-jährige Trompeter am Flügelhorn nun nach circa 48 Platten zwei Meisterwerke abliefert, überrascht die Jazzwelt aber doch. Schon in den 1970ern kannten viele seine einnehmende Filmmusik, unter anderem für Bernardo Bertolucci. Und was einst ein anständiger Hippie war, hörte später die Musik von Ravas frühen Bands, die zunächst im Jazzrock-Idiom zugange waren, später der italienischen Kantabilität bis ins Opernfach folgten. Entscheidende künstlerische Stationen für Rava waren der Kosmos des späten Gil Evans und des ewig lebendigen Cecil Taylor, also Rockjazz und Free Jazz. Mit beiden spielte er in den 80er-Jahren, Letzterem setzt er nun ein Denkmal.

Ravas innovative Italo-Bands selbst haben viele, heute große Musiker hervorgebracht: Stefano Bollani, Giovanni Guidi und Gianluca Petrella sind darunter. „Ich muss ihnen vertrauen und sie müssen mir vertrauen – an diesem Punkt ist alles möglich“, hat uns der Steppenwolf des europäischen Jazz einmal in den Notizblock diktiert. Und von diesem Punkt lässt uns Enrico nicht mehr los.

Enrico Rava, William Parker, Andrew Cyrille. 2 Blues For Cecil (TUM Records).
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Und noch einmal Rava

Während dieser packenden Aufnahme beim Middelheim Festival Antwerpen feierte Rava seinen 80. Geburtstag und das 50-jährige Bestehen von ECM, dem Plattenlabel, dem er seit 1975 die Treue hält. Mit einer hyperaktiven, rein italienischen Band inklusive Newcomer Giovanni Guidi (piano). Schräg, surrealistisch und nextrovertiert, aber auch versöhnlich – ein unbekümmerter Spaß!
Enrico Rava. Edizione Speciale. ECM.