Beastie Boys & Liam GallagherMusikdokus: Hinfallen, aufstehen und Party machen

Corona hat Konzerten den Garaus gemacht, in der Zwischenzeit kann man mit Musikdokus den Trennungsschmerz ein wenig lindern.

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Die Beastie Boys im Jahr 1993
Die Beastie Boys im Jahr 1993 © Apple TV+
 

Lieder für Krisen aller Art, damit hätten sich die Beastie Boys ohne Genierer immer schon schmücken können. Die pubertäre Anti-Verbotshymne „Fight for Your Right“ sollte derzeit Tag und Nacht aus den leeren Clubs dieser Welt dröhnen: Party, jetzt! Doch selbst bei den Beastie Boys steht er, der Partybus, nachdem der Dritte im Bunde, Adam Yauch, 2012 an Krebs verstorben ist. Es hat also verdammt lange gedauert, bis man den drei goscherten Milchbubis aus New York eine passende filmische Würdigung hat angedeihen lassen.

Dass es keine Doku wurde, die von vorne bis hinten mit der fanmäßigen Andachtsstarre des Regisseurs durchtränkt ist, dafür steht ein Name: Spike Jonze, langjähriger Begleiter der Band und Regisseur des Videos zu „Sabotage“. Jonze lässt in der Live-Doku „Beastie Boys Story“ (Apple TV+) die verbliebenen beiden Boys Michael Diamond und Adam Horovitz auf großer Bühne und vor Fanpublikum launig und mit viel Archivmaterial und noch mehr Schnurren, die Bandgeschichte wieder aufleben. Drei weiße Kids, die sich in den 1980er-Jahren frech im Hip-Hop breitmachten und die Narrenfreiheit zelebrierten. Eine Art Familienaufstellung, in der man Hochs, Tiefs, Hochmut und Läuterung in neun Kapiteln durchdekliniert. Kurzweilig, witzig, befreiend und ja, okay, als Zuschauer mit ein paar melancholischen Tränen im Auge.

Apropos Läuterung, das würde man in 100 Jahren nie mit einem Mann in Verbindung bringen: Liam Gallagher. Oasis-Zwilling, der auch nach über zehn Jahren Bandende in jeder Sekunde seines Lebens noch mit dem Trennungsschmerz hadert. Die Doku „Liam Gallagher: As It Was“ (auf Amazon Prime zu leihen oder kaufen) ist nichts anderes als eine Hymne auf das Comeback des britischen Musikers. Einseitig, was sonst, aber seien wir ehrlich: Niemand strauchelt besser als Liam Gallagher, niemand hadert so theatralisch mit sich, seinem Umfeld und der ganzen Welt: „Ich weiß, wie super und wie scheiße ich sein kann.“

Natürlich kommt Bruder Noel nicht vor, aber wir alle wissen: Auch wenn er nicht da ist, er ist da. Allein das macht die Doku sehenswert. Und natürlich: Mama Peggy Gallagher und Bruder Paul. Was Liam macht, wenn er seine Mutter besucht? „Er brüllt herum und kocht dann Tee.“ Eine ganz normale Familie aus Manchester eben.

Wenn wir schon bei Vorurteilen sind: Wer Taylor Swift noch immer als von Plattenfirmen gesteuerte Poppuppe bezeichnet, sollte sich die im Februar erschienene Doku „Miss Americana“ (Netflix) anschauen – so geht Selbstermächtigung.

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