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Minisex liveMusikalisches Monument erregender Zeitlosigkeit

Minisex, österreichische Kultband der Achtziger, kommt 40 Jahre nach der Gründung und eine Dekade nach dem ersten Comeback überraschend unverbraucht daher. Das Live-Publikum zeigt sich begeistert.

Minisex voll live © Gigler
 

Am Ende zieht sich Rudi Nemeczek das Hemd über den Kopf, doch die Menschen im Wiener Kultlokal Chelsea haut er nicht über´s Ohr. Minisex ist nur dem Namen nach Understatement pur, geliefert wird dafür reinstes Makro-Vergnügen. Die Musiker der legendären Austropop-Band der Achtziger, Österreich-Protagonisten der damaligen Neuen Deutschen Welle, fluten den prall gefüllten Szene-Tempel am Gürtel mit ihrem unverwechselbaren Sound, eingebettet in hoch reichhaltiges Klangformat.

Ja - um beim hie und da aufgetretenen Erstaunen sofort Klarheit zu schaffen - sie treten wieder live und ganz und gar nicht leise auf, sie tun es mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit. Und es hat sich herumgesprochen, zumindest im Wiener Raum, denn das Konzert war schon lange ausverkauft. Das Publikum geht als bunte Mischung locker durch, denn unter den zahlreichen Zeitgenossen aus der Hochblüten-Ära sind auffallend viele junge Gesichter zu erkennen.

Rockiger Sound

Die Partie auf der Bühne hat ihr Antlitz nicht verändert, und sie kommt ziemlich rockig daher. Die Hits von einst sind schon in ihrer Grundstruktur versehen mit dem Monument erregender Zeitlosigkeit. Wem heute der Bandname nichts sagt, der wird sofort hellhörig, wenn er die Titel hört, allesamt ewiggültige Klassiker der heimischen Pop-Geschichte. Angefangen vom "Kleinen Spion" über "Rudi gib acht" und "Ich fahre mit dem Auto" bis hin zum auch den hartgesottensten Gefrierschrank zum Schmelzen bringenden "Eismeer".

Foto © Minisex

Die klangliche Übermalung gelingt durch neue Töne, die den an das Vertraute gewohnten Zuhörer ebenso mitreißen wie überraschen. Der Wunsch nach einer ausreichenden Dosis von Wohlklang geht voll in Erfüllung, doch nie ist die Musik so glatt gebürstet, das den Tonphrasen die Abgedroschenheit drohen würde. Minisex hat schon immer grenzüberschreitende und parteiübergreifende Wirkung erzeugt. Nicht frei von Stolz erzählt Sänger Rudi Nemeczek, das Publikum eines Peter Alexander ebenso zu erwischen wie die Besucher des Festes der kommunistischen Volksstimme.

Stammgäste im Radio

Auch im Hörfunk erfreut sich die Band, die 2014, fünf Jahre nach dem ersten großen Comeback, ein neues Album ("Reduziert") auf den Markt geworfen hat, anhaltender Beliebtheit. In den österreichischen Regionalsendern gehört Minisex zu den Stammkunden, sie wären freilich für alle Kanäle kompatibel. "Wir sehen das demütig und mit großer Freude", sagt Nemeczek.

Und so musizieren Nemeczek (Gesang), Hannes Seidl (Gitarre), Walter Marchart (Bass), Thomas Böröcz (Schlagzeug), Martin Mader (Keyboard) und Christopher Just (Mac-DJ) fast 90 Minuten ohne Pause und sorgen für schrankenlose kollektive Begeisterung. Auftritte in den Bundesländern (also auch Steiermark und Kärnten) sind nicht auszuschließen.

Der eingefleischte Fan würde in Anlehnung an einen alten Song der Gruppe wohl sagen: Millionen zählen nicht, wenn du Minisex nicht gehört (und gesehen) hast.

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