Der Katzenjammer von ARD und ZDF war nur deswegen kaum zu hören, weil er von den Begleitgeräuschen des frühen Ausscheidens der DFB-Nationalmannschaft übertönt wurde. Anlass, unzufrieden zu sein, gäbe es für die großen TV-Anstalten durchaus: Zwar versammelt auch die WM in Katar ein deutsches Millionenpublikum vor den Fernsehern, aber nicht erst seit dem Aus für das deutsche Team liegen die Fußball-Reichweiten und -Marktanteile von ARD und ZDF deutlich hinter jenen aus 2018 zurück. 2022 sind bereits fünf Millionen Zuschauer (ZDF) beim 4:1 zwischen Brasilien und Südkorea ein Quotenerfolg. Vor vier Jahren lag kein Achtelfinal-Abendspiel unter zehn Millionen.

Auch in Österreich ist das Interesse geringer als bei früheren Großereignissen. "Diese WM ist aus unterschiedlichen Gründen schlicht nicht mit vorigen zu vergleichen", erklärt Hans Peter Trost die Quotenrückgänge und verweist auf erfolgreiche Hauptabendspiele. Wie jenes zwischen Deutschland und Spanien, das im Schnitt 948.000 Zuschauer vor die Bildschirme lockte, oder der Sieg Deutschlands gegen Costa Rica, mit 850.000 die zweithöchste ORF-Quote. Dahinter käme das Duell zwischen Italien und Österreich – das war allerdings kein WM-, sondern ein Freundschaftsspiel.

ServusTV ist bei dieser WM "Juniorpartner" des ORF, der sich als   Rechtehalter 39 (von 64) Begegnungen aussuchen darf. In Bezug auf die Einschaltquoten liegt Salzburger Sender hinter dem öffentlich-rechtlichen Sender zurück, Frankreich - Polen sorgte mit 528.000 Zuschauern für das bisherige Quotenhighlight. Mit dem Zuschauerinteresse ist man trotzdem "sehr zufrieden", heißt es vom Privatsender, wo man betont, dass man als Sublizenznehmer in der Gruppenphase überwiegend bloß Nachmittagsspiele übertragen durfte. Einen positiven Schub gibt das Großereignis der Streamingplattform "ServusTV ON", die mit 44 Millionen gesehenen Minuten dank Weltmeisterschaft den stärksten November seiner Geschichte erlebt. Der ORF teilt hingegen mit, dass seine Streaming-Zahlen auf einem ähnlichen Niveau wie bei der WM 2018 blieben.

In vier Jahren, wenn in den USA, Kanada und Mexiko um den Titel gespielt wird, hat dann ServusTV als Lizenzinhaber das Recht, seine Partien auszusuchen, dem ORF kommt die Rolle des Sublizenznehmers zu. Von einer "von Respekt getragenen Zusammenarbeit im Sinne der Fans" spricht Noch-Sportchef Trost, der mit Jahresende in Pension geht, über die Kooperation der Sender, die schon in der Formel 1 seit zwei Saisonen erfolgreich funktioniert.

Repräsentativ sind die Zahlen aus Deutschland und Österreich für das weltweite Interesse allerdings nicht. Die FIFA präsentierte vor einigen Tagen einen Überblick über das globale Zuschauerinteresse. Bedeutsam etwa das Spiel England-USA: Noch nie hatte ein Fußballspiel in den USA mehr Zuseher (bis zu 19,6 Millionen Seher). Beachtlich auch Argentiniens Sieg gegen Mexiko, der laut Fifa im südamerikanischen Fernsehen einen Marktanteil von 81,3 Prozent erreichte. In Portugal sorgte wiederum die Begegnung gegen Uruguay für die höchste WM-Quote aller Zeiten. Ausdrücklich erwähnt werden von der FIFA auch Topquoten aus Japan, Südkorea oder Kanada. Der Weltfußballverband setzt auf Wachstumsregionen, schlechte Quoten im deutschsprachigen Mitteleuropa scheinen verkraftbar.