InterviewMario Adorf wird 91 und erinnert sich an Bardot, Romy und die Loren

Ein Titan des deutschen Films: Er wirkte in mehr als 130 Kinofilmen mit und drückte zahlreichen TV-Produktionen seinen Stempel auf. Im Vorjahr fiel Mario Adorfs 90er-Feier aus, heute feiert er nun 90+1.

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GERMANY-BERLINALE-FILM-FESTIVAL
Mario Adorf feiert am 8. September seinen 91. Geburtstag © APA/AFP/SCHWARZ
 

Herr Adorf, Sie sind zu Ihrem 91. Geburtstag in St. Tropez?
MARIO ADORF: Ja, das mache ich schon seit vielen Jahren – wenn ich nicht gerade arbeite. Aber zuletzt sind für mich die Zeiten etwas ruhiger geworden.

Dass Ihre Wahl auf St. Tropez fiel, hat das auch damit zu tun, dass Ihre Frau sozusagen Busenfreundin von Brigitte Bardot war, die ja schon seit ewigen Zeiten dort eine Residenz hat?
MARIO ADORF: Nein, mit der Bardot haben wir schon seit 30 Jahren keine Verbindung mehr. Sie lebt völlig zurückgezogen und ist zusehends schrulliger geworden, hat kaum mehr Freunde.

Werden Sie Ihren 91. Geburtstag groß feiern?
MARIO ADORF: Mein Achtziger war ein Fest mit über hundert Leuten. Der Neunziger wäre dafür ein ähnlich gutes Datum gewesen, aber dann kam eben die Pandemie dazwischen, und wir wären in St. Tropez am Ende nur sieben Personen am Tisch gewesen. Eine fiel dann sogar wegen Krankheit aus. Für den 91. Geburtstag ist keine große Fete geplant. Das muss ja nicht unbedingt sein.

Der gute Curd Jürgens sang einmal: „Ich habe manchen Kratzer abgekriegt. Zu sagen, das wär’ halb so schlimm, das wär’ gelogen. Ich habe längst nicht immer nur gesiegt, die Pose hat darüber weggetrogen. 60 Jahre, und kein bisschen weise, aus gehabtem Schaden nichts gelernt.“ Da war er 60, Sie sind nun 31 Jahre älter. Sind Sie Ihrer Meinung nach weiser geworden?
MARIO ADORF:
Nein, ich habe immer so gelebt, wie ich empfunden habe. Weisheiten habe ich dabei nicht entdeckt. Und ich wusste immer, dass man sich bei besonderen Anstrengungen auch auf besondere Art ernähren muss. Für mich hat immer gegolten: alles mit Maß! Ein großer Trinker war ich nie, ich glaube, das war Erbe meines italienischen Vaters. Die Italiener trinken immer nur zum Essen. Und geraucht habe ich auch nie. Ich habe es nur einmal probiert, aber ich konnte nicht inhalieren und habe schrecklich gehustet. Da ließ ich es gleich bleiben. Und ja, der liebe Curd. Ich war mit ihm sehr gut, habe ihn auch öfter in Saint-Paul-de-Vence, wo er wohnte, besucht. Der hat ganz gerne gepipperlt, vielleicht hat ihn das auch ziemlich früh das Leben gekostet. Alkohol war ja schon immer eine Droge, besonders, als es noch nichts anderes gab. Der Alk hat viele Kollegen umgebracht. Zum Beispiel den von mir hochgeschätzten Otto Sander. Von Harald Juhnke möchte ich gar nicht erst reden . . .

Gab oder gibt es für Sie Lebensmenschen?
Nein. Wie das halt in unserem Beruf ist: Man ist ein paar Wochen zusammen, aber wenn ein Film abgedreht ist, geht man wieder auseinander. Es hat sich sicher manche Freundschaft angebahnt, aber die habe ich zu wenig gepflegt. Das war meine Schuld, und das bedauere ich heute sehr.

Zur Person

Mario Adorf wurde am 8. September 1930 in Zürich geboren. Seit 1985 mit Monique Faye verheiratet; er lebt in München, Paris und Saint-Tropez.
Karriere: Schauspielausbildung in München, danach viele Schurkenrollen, u. a. in „Nachts, wenn der Teufel kam“. Weitere Filme (Auswahl): „Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“, "Tresko", „Der letzte Patriarch“, "Das Geheimnis der Wale", "Die lange Welle hinterm Kiel".


Mit Romy Schneider waren Sie angeblich sehr gut?
Sie nannte mich den besten Walzertänzer, und wenn wir einander trafen, wollte sie immer den Kaiserwalzer mit mir tanzen. Dabei war ich gar nicht wirklich gut. Nur ausdauernd. Romy habe ich sehr oft gesehen, doch letztendlich gehörte sie für mich zu den Menschen, die Stimmungen unterworfen waren. Man wusste nie: Fliegt sie mir jetzt um den Hals oder winkt sie mir nur von der Ferne zu?

Gefilmt haben Sie mit jeder Menge berühmter, attraktiver Damen. Etwa auch mit Sophia Loren?
(lacht) Da erinnere ich mich an eine Szene, in der ich sie heftig umarmen und bedrängen musste. Auf einmal schrie sie laut auf. Ich, völlig durcheinander: „Was ist? Habe ich dir was gebrochen?“ Darauf sie: „Dort, wo du mir wehgetan hast, habe ich keine Knochen!“

Mario Adorf mit Hannelore Elsner auf einem Filmball 1977 Foto © APA/dpa/Istvan Bajzat

Haben Sie sich vom Beruf endgültig zurückgezogen, oder würden Sie noch gerne drehen?
Zuletzt gab es zwei sehr schöne Angebote, darunter einen Film mit Michael Caine. Leider musste beides wegen der Pandemie verschoben werden. Ja, also wenn es etwas Interessantes gibt, wäre ich noch gerne dabei, denn ich möchte ja nicht nur herumsitzen und Rosen züchten.

Möchten Sie 100 Jahre alt werden?
Also, ich habe die Hundertjährigen, die ich gekannt habe, nicht beneidet. Daher war es nie so, dass es mein Ehrgeiz war, auch so alt zu werden. Lassen wir daher die Natur entscheiden.

Verleihung der Goldenen Kamera
Mario Adorf mit seiner Frau Monique Foto © dapd

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