Inserate gestopptHorst Pirker fordert Gesetz statt der "gefährlichen Willkür" der Regierung

Von freihändiger Inseratenvergabe und ihrem Stopp für die "Nicht-Braven": Neue Modelle für Medienförderungen und Werbebuchungen der öffentlichen Hand sind gefragt. 2020 hatte sie so viel wie noch nie für Einschaltungen ausgegeben.

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ARCHIVBILD: INTERVIEW: HORST PIRKER (VORSTANDSCHEF DER VERLAGSGRUPPE NEWS)
Zum Portfolio der VGN Medien unter Horst Pirker gehören ein Dutzend Titel wie "News" und "Woman" © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Pressefreiheit, Medienförderung und Bekämpfung der Inseratenkorruption ist einer von fünf Themenblöcke im kürzliche gestarteten Volksbegehren für Rechtsstaatlichkeit und Antikorruption (www.antikorruptionsbegehren.at). Die Forderungen nach einer Neuausrichtung der Medienförderung mit klar definierten Qualitätsstandards sind nicht neu. Zudem haben die öffentlichen Stellen heuer im ersten Quartal rund 39,2 Millionen Euro für Werbung in Medien ausgegeben, mehr als ein Viertel der Ausgaben gingen an Boulevardmedien samt deren Onlineportalen und Beilagen. 2020 waren es 222 Millionen Euro. Die Bundesregierung warb um rund 47,3 Millionen Euro. Das war mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr 2019 mit 19,3 Millionen Euro, was vor allem an den Corona-Inseraten lag.

Aufhorchen ließ jüngst Horst Pirker, Chef der VGN Medien Holding. Dem Magazinverlag sei vom Finanzministerium ein „totaler Inseratenstopp“ verkündet worden, nachdem sich das jeden Freitag erscheinende „News“ („So mies geht’s Türkis“) kritisch mit der ÖVP-Führung auseinandergesetzt hatte.
„Die Willkür ist gefährlich“, sagt Pirker im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, „würde Geld zwischen Regierung und Medien ausschließlich auf gesetzlicher Basis fließen, dann hätte man schon fast alles gewonnen.“ Sein Lösungsansatz für Werbeschaltungen und Förderungen: Ein Drittel solle zu gleichen Teilen an die wirtschaftlichen Eigentümer verteilt werden, so würden „die Kleinen und Schwächeren“ („Und ich zähle nicht zu den Kleinen“) bevorzugt werden. Das zweite Drittel orientiere sich an den Leistungsdaten wie Media-Analyse, Webanalyse. Beim letzten Drittel würden qualitätsbezogene Kriterien ausschlaggebend sein, wofür etwa ein wissenschaftlicher Beirat als „Jury“ entscheiden könnte.

Das Finanzministerium unter Gernot Blümel gab heuer im ersten Quartal übrigens rund zwei Millionen Euro für Werbung aus und liegt damit hinter dem Bundeskanzleramt an zweiter Stelle. In den Blättern der VGN – darunter „News“, „Trend“, „Woman“, "Gusto", die monatliche "Autorevue" sowie der Verlagsbestseller „tv-media“ – inserierte die öffentliche Hand im heurigen ersten Quartal insgesamt rund 700.000 Euro. Aus dem Ministerium selbst wurde über die APA zur "Causa News" erklärt, seine Mediaplanung erfolge völlig unabhängig von Berichterstattungen. Schaltungen könnten jedoch zeitlich als auch den Umfang betreffend variieren. Pirker spricht angesichts der Dementi zu den Stornos von "Wortklauberei".

(Media-Analyse 2020/Reichweite: Bei den Wochenzeitungen und Magazinen erzielte "tv-media" 6,8 Prozent, "Profil" 3,7 Prozent, der "Falter" 3,2 Prozent und "News" 2,5 Prozent.)

Kommentare (20)
allack
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Bundeskassa

Das haben die türkisen Buben nach ihrem Putsch sofort erkannt. Hast du die Bundeskassa, besitzt du die Macht.

Herzilein1103
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Medien Korruption

Die Inseratenpolitik der Regierung und Medienförderung in Österreich ist nichts anderes wie anfüttern und systematische Korruption. Das Schreiben die Nutznießer des Systems natürlich nicht. Dies aufzuzeigen wäre ein wirklicher Beitrag zur Korruptionsbekämpfung. Hochachtung vor Herrn Pirker der dies einmal aufzeigt.

Balrog206
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Schon

Blöd wen ein Geschäftsmodell von Förderungen , politische Inserate sind ja nichts anders abhängig ist !

ee243b6222590d8eb3bfb1bdfc4e3525
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2020 war natürlich ein besonderes Jahr.

Die Coronasituation.

redlands
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„missi“ wird teils wahrhaftig „sein“…

teils aber leuchtet mir doch eine „mission“ durch…hm…was mag wohl der tatsächliche antrieb sein??..

thj123
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Hände falten, Goschen halten wird belohnt.

Das ist eine so feine Familie und sie legen halt Wert auf eine blütenweise Weste.
Die verteilen unser Geld nur an die ganz Braven.
Hände falten, Goschen halten wird belohnt.

Patriot
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Dass Kurz mit unseren 210 Mio. Steuergeld die Medien anfüttert

und damit gefügig macht, ist Factum! Das gehört für alle Zeiten abgeschafft!

iMissionar
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Irrwitz eines Spekulanten

Die von Herrn Pirker geäußerten Einwände sind eine krude Melange aus Irrwitz, Selbstüberhöhung und purer Frechheit. Der Vorwurf, dass eine Partei sowohl die Mehrheit im Nationalrat als auch in der Regierung stellt, ist eine völlige Missachtung unserer parlamentarischen Demokratie: Eine Regierung bedingt eine Mehrheit im Nationalrat! Dass er für sein Spekulationsobjekt "News" gerne eine millionenschwere öffentliche Basisfinanzierung hätte kann ich sehr gut nachvollziehen. Seit dem bedauerlichen, viel zu führen Ableben von Chefreporter Kurt Kuch hatte ich keine journalistisch fundierte Veranlassung mehr, mir ein Exemplar zu kaufen. Nachdem Kollegin Weissenberger Versuche, "News" in eine Art Lifestylemagazin á la "Woman" zu verwandeln die Auflage nochmals nach unten führte, wurde die finanzielle Luft wohl dünn. Es ist Herrn Pirker anzuraten, dass er künftig versucht mit seinen Publikationen journalistisch am Markt zu bestehen, anstatt staatliche Transferzahlungen zu erdreisten.

knapp
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@missi

Wenn Sie hier schon Ihr umfassendes und einziggültiges Wissen zur Schau stellen, sollten Sie die Kleinigkeit berücksichtigen, daß die ÖVP oder die Türkise Bewegung, wie immer man sie nennt, die mandatstärkste Partei im Nationalrat ist und keine "Mehrheit" stellt!!!

Gotti1958
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Missionar

Ich würde dir empfehlen, das Interview im Falter mit einem ehemaligen Chefredakteur der Kronen Zeitung zu lesen. Dann denkst du anders. Es gibt dieses Interview auch auf Youtube.

iMissionar
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Danke für den Hinweis

Ich darf Sie beruhigend in Kenntnis versetzen, dass mir das Interview bekannt ist - ich gehe davon aus, dass Sie das Interview mit dem ehemaligen Chronik Verantwortlichen meinen. Es beinhaltete jedoch keine Passagen, die überraschend über das Verständnis professioneller Medienarbeit hinausgeht, selbst wenn mir persönliche Frustration der Taktgeber der Interviewmelodie schien.

voit60
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Meldet sich da einer von den Dutzenden PR-ler

aus dem Bundeskanzleramt, den wir Steuerzahler leider wie die Millionen an PR-Inserate vom Kanzlerdarsteller zahlen müssen?

compositore
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iMissionar

Pirker einen irrwitzigen Spekulanten benennen disqualifiziert Sie ab dem ersten Buchstaben. An ihrer Stelle würde ich mir einmal den Werdegang des Horst Pirkers ansehen. Was können Sie ev. dagegensetzen?

Church-Hill
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Hier geht es aber nicht darum,

welche "Basisfinanzierung" sich der Herr Pirker evt. wünscht, sondern um den Druck auf Redaktionen seitens einer Bundesregierung.

iMissionar
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Irrglaube

Jeder politische Akteur, jeder gesellschaftspolitische Akteurin, jede Firma, jeder Unternehmer und jede in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeit übt Druck auf Redaktionen aus - sei es durch kollegiale freundschaftliche Vernetzung, oder durch Inserate.

Da sie via Bande über die Seite der politischen Farbenlehre anspielen erlaube ich mir gerne den Verweis auf die historischen Beispiele: Faymann und Gusenbauer.

dude
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Sie haben recht, Missionar, so war's immer!

Aber sollte man nicht versuchen, ein alles andere als gutes System zu ändern? Eine höhere OFFZIELLE und gesetzlich geregelte Presseförderung würde die Abhängigkeit der Redaktionen vor dem Wohlwollen der Politik definitiv reduzieren!
Und dies wäre gut!

RonaldMessics
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Bitte die Kritik des Herrn Pirker auch in ihrer...

... Direktheit betrachten.
Zitat:
„Die Willkür ist gefährlich“, sagt Pirker im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, „würde Geld zwischen Regierung und Medien ausschließlich auf gesetzlicher Basis fließen, dann hätte man schon fast alles gewonnen.“
>
Ob er strategische Fehler machte ist in seiner Ehrlichkeit nicht im Fokus seiner Kritik.

Daher schon ein bisschen genauer rezitieren.

iMissionar
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Unvollständig

Ihren Hinweis auf exakte Zitierung nehme ich dankend entgegen - und erlaube mir, ihn direkt an Sie zurück zu spielen.

Dieses Interview hier bei der Kleinen Zeitung ist selbstverständlich nicht losgelöst von den Einlassungen, in die sich Herr Pirker gegenüber dem Standard vor 4 Tagen verwickelt hat, zu betrachten. Erlauben Sie mir daraus zu zitieren: "Kurz kombiniere diese Strategie nämlich mit einem "Marsch durch die Institutionen", sagt Pirker und verweist auf die relative türkise Mehrheit im Nationalrat (Legislative), auf die türkise Dominanz in der Regierung (Exekutive)".

Beim Erdreisten öffentlicher Gelder als Kompensation für - ja, für was eigentlich? - ist Verleger Pirker seiner stringenten Linie treu geblieben: "Ein Drittel der Mittel soll als gleich großer Sockelbetrag an jedes Medienunternehmen, jeden wirtschaftlichen Eigentümer gehen."

RonaldMessics
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@iMissionar

Zuerst, im Gegensatz zu ihnen poste ich mit meinem Namen. Schon dies allein beweist eine Art vpn Rückgrat, dass viele Menschen nicht haben.

Nun aber zu ihrem Zitat in der Hoffnung, dass ich es richtig verstehe.

Ihr Zitat:
Beim Erdreisten öffentlicher Gelder als Kompensation für - ja, für was eigentlich? - ist Verleger Pirker seiner stringenten Linie treu geblieben: "Ein Drittel der Mittel soll als gleich großer Sockelbetrag an jedes Medienunternehmen, jeden wirtschaftlichen Eigentümer gehen."

Nun, diese Gier nach öffentlichen Mitteln im Sinne einer finanziellen Überlebensstrategie ist einem puren Egoismus und Überlebenstrieb des Individuums zuzuschreien. Siehe auch das Geschrei um die Hilfen während der Corona-Epidemie. Sie ist verständlich, aber vielfach ungerecht und irrational, obwohl man, dies als positiv zu betrachten, der Versuch einer gerechten Verteilung anzunehmen ist.

Daher, nicht der Schrei nach unserem Steuergeld ist verwerflich, sondern immer die Art der Zuweisung, und eine besondere Art in der Medienlandschaft ist die Werbeschaltung einer Regierung.

Blümel sagte beim Interview mit Wolf als Ausrede immer, das BMF habe keine Werbeeinschaltung storniert. Hier wurde wieder mal versucht den Österreicher für blöd zu verkaufen. Es ging bei den Fragen nicht um Stornierungen sondern um Auftragsvergabe.

Was wäre, wenn man der Regierung ein Anzeigeverbot als Bevölkerung erteilen würde???? Geht nicht, ist mir schon klar, aber bedenken sie die Auswirkungen.

Nixalsverdruss
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Leider hat Herr Pirker recht....

Es ist gängige Praxis, nur Medien zu bedienen, die "auf Linie" sind - es war unter Rot/Schwarz so, es ist unter Türkis/Grün so und am ausgeprägtesten war es in den BLAUEN Ressorts - denn dort hat man offene Gespräche mit den Inhabern der Medien geführt - und dafür gibt es sogar Zeugen.
Traurig, aber wahr!