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Problemfall "Wiener Zeitung"Presseclub Concordia spricht sich für eine temporäre Treuhand-Lösung

Ein Board aus Stakeholdern soll für die Wiener Zeitung ein nachhaltiges Geschäftsmodell samt neuem Eigentümer finden.

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Weiterhin an der Kippe: die Wiener Zeitung © Copyright Karl Schöndorfer TOPP
 

Um den derzeit fraglichen Fortbestand der "Wiener Zeitung" zu sichern, hat der Presseclub Concordia am Montag einen Vorschlag zur weiteren Vorgangsweise unterbreitet. Demnach soll die Republik die Eigentümerschaft an eine noch zu gründende Treuhandgesellschaft übertragen, die wiederum ein nachhaltiges Geschäftsmodell samt neuem Eigentümer aufstellen soll. Finanzielle Einbußen durch das geplante Aus von Pflichtinseraten sollen für mindestens drei Jahre ersetzt werden.

Die Zukunft der ältesten noch bestehenden Tageszeitung der Welt insgesamt bzw. in Printform steht seit geraumer Zeit auf der Kippe. Grund ist die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt der "Wiener Zeitung", die einen großen Teil der Einnahmen ausmachen. Eigentümer ist die Republik, als Eigentümervertreter fungiert das Bundeskanzleramt.

"Stimme der Vernunft und Anständigkeit"

Um das Ende dieser "Stimme der Vernunft und der Anständigkeit", wie Concordia-Präsident Andreas Koller in einer Online-Pressekonferenz formulierte, zu verhindern, soll nun also eine "Treuhand WZ" als Übergangslösung fungieren. Geht es nach dem Presseclub, sollen neben der Republik auch eine Handvoll anderer Stakeholder daran beteiligt sein - unter der Voraussetzung, dass sie ohne wirtschaftliches Eigeninteresse am Erhalt der Zeitung interessiert sind. Vizepräsident Helmut Spudich nannte etwa die Universität Wien, die Nationalbank, die Medien-Holding der Stadt Wien oder den Presseclub selbst als mögliche Kandidaten.

Ein bis zu zehnköpfiges Board aus Personen mit Medien- und Sanierungserfahrung unter Einbindung von Redaktion und Verlag der "Wiener Zeitung" soll dann mit der Aufgabe betraut werden, "ein nachhaltiges neues Geschäftsmodell sowie eine neue Eigentümerin oder einen neuen Eigentümer zu finden, die dem bisherigen öffentlichen Status der 'Wiener Zeitung' entsprechen". Das könne auch eine - wie von mancher Seite geforderte - öffentlich-rechtliche Konstruktion sein, meinte Spudich: "All das ist offen."

Erstrebenswert, aber nicht zwingend, wäre jedenfalls eine nicht gewinnorientierte Eigentümerin, hieß es. "Im Falle eines Verkaufs an eine private Eigentümerin muss die 'Treuhand WZ' Qualitätsgarantien definieren, wie nicht änderbare öffentliche Ausrichtung des Mediums, Redaktionsstatut u.a.", heißt es im zeitgleich zur Pressekonferenz veröffentlichten Positionspapier. Um deren Einhaltung zu garantieren, sollen die Rechte am Titel "Wiener Zeitung" dauerhaft bei der "Treuhand WZ" bleiben und nur per Lizenz vergeben werden.

Der Presseclub verlangt gleichzeitig von der Republik, finanzielle Entgänge aus Pflichtinseraten und sonstigen bisherigen öffentlichen Aufwendungen in voller Höhe zu kompensieren - und zwar für mindestens drei Jahre, so Spudich: "Es braucht ausreichend Zeit, wenn man sich neu orientieren muss."

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte unlängst in einer SPÖ-Anfragebeantwortung die Zukunft des Mediums als "DAS digitale und transparente 'Schwarze Brett' der Republik" in Form einer "neuen zentralen elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform" skizziert und zugleich betont, dass Betrieb und Finanzierung einer Tageszeitung nicht Aufgabe der Republik sei. "Ich kann mir schon vorstellen, dass viele in der Regierung gerne eine Verlautbarungsplattform statt kritischer Medien hätten. Aber da spielt die Concordia nicht mit", betonte Koller.

Dass das Betreiben einer Zeitung nicht Aufgabe der Republik sei, habe schon etwas für sich, aber als derzeitige Eigentümerin habe diese auch Pflichten und Verantwortung wahrzunehmen. Entweder werde mit der Geschäftsführung und Chefredaktion ein neues Geschäftsmodell erarbeitet oder die "Wiener Zeitung" in "kompetentere verantwortungsbewusstere Hände" gelegt: "Die unintelligenteste Maßnahme, die man als Eigentümer machen kann ist, die Zeitung einfach zuzusperren. Wenn man bedenkt, dass es sie seit 1703 gibt, wäre das nicht nur eine mediale Schande, sondern auch eine Kulturschande." Der Presseclub habe seinen Vorschlag bereits an die Medienverantwortlichen in der Politik übermittelt, sagte Koller.

Concordia-Generalsekretärin Daniela Kraus fasste heute noch einmal wesentliche Argumente für den Fortbestand zusammen. Gerade für einen kleinen Markt wie Österreich sei Medienvielfalt extrem wichtig. Die "Wiener Zeitung" sei eine "Stimme der Vernunft im Wirrwarr der Netzwerkmeinungen" und zudem äußerst relevant für die Arbeitsplatzsituation am Medienmarkt. Denn immerhin sei ein Viertel der Journalistenjobs in den vergangenen zwölf Jahren verloren gegangen.

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