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"Sanft eingeschlafen"Journalisten-Legende Hugo Portisch starb im 95. Lebensjahr

Er war fraglos der bedeutendste und beliebteste Journalist der Zweiten Republik. Nun starb der große Welt- und Österreicherklärer im 95. Lebensjahr.

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Hugo Portisch (1927-2021) © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Zuletzt warb er für das Impfen, machte sich für die Wahl von Alexander van der Bellen zum Bundespräsidenten stark und meldete sich immer wieder zum aktuellen Zeitgeschehen zu Wort. Nun ist Hugo Portisch im Alter von 94 Jahren gestorben. Laut seinem langjährigen Journalistenkollegen Heinz Nußbaumer ist Portisch am Donnerstagmittag in einem Krankenhaus "nach kurzer Krankheit sanft eingeschlafen". Vielen Österreichern galt Portisch als der Vermittler österreichischer Zeitgeschichte schlechthin. In die Annalen der Medienpolitik hat er sich als Initiator des Rundfunk-Volksbegehrens eingetragen.

Der breiten Öffentlichkeit wurde Hugo Portisch in seiner Funktion als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt. Wie kein Zweiter beherrschte er die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären und Wissen mit hoher Kompetenz, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Die ausladende Gestik, mit der er stets seine Analysen unterstrich, wurde zu seinem Markenzeichen. Mindestens zwei  Generationen haben von Portisch gelernt, Zeitgeschichte zu verstehen und Ereignisse rund um den Globus zu bewerten.

Unumgänglich sind in dem Zusammenhang seine Fernsehserien "Österreich II" und "Österreich I", mit denen der Journalist in den 1980er-Jahren zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins wurde. 2013 wurde auf ORF III die Neuauflage von "Österreich II", technisch und inhaltlich aktualisiert, noch einmal ausgestrahlt. Im Jahr 2005 lieferte Portisch mit der vierteiligen Reihe "Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte" ein "spätes Meisterstück öffentlich-rechtlicher TV-Kultur", so der ORF. Unvergessen sind auch - vor allem in den Sechziger- und Siebziger-Jahren, als Berichte aus fernen Ländern noch selten waren - seine außenpolitischen Reihen "So sah ich ...", die ihn von Afrika nach Vietnam, von London bis Peking führten.

Hugo Portisch: Bilder aus dem Leben der Journalistenlegende

Am 19. Februar feierte Hugo Portisch seinen 94. Geburtstag. Rund sechs Wochen später starb die österreichische Journalistenlegende. In zahllosen Reaktionen aus Politik, Kunst und Wissenschaft wird Portisch für seine Leistungen gewürdigt.

APA/HELMUT FOHRINGER

Geboren wurde er 1927 in Bratislava, sein Vater war Zeitungsredakteur und später letzter Chefredakteur der "Pressburger Zeitung".

Der breiten Öffentlichkeit wurde Portisch als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt. Wie kein Zweiter beherrschte er die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären und Wissen mit hoher Kompetenz, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln.

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Mit seinen Fernsehserien "Österreich I" und "Österreich II" wurde er zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins. Noch im Oktober war er in der Talksendung von Barbara Stöckl zu Gast.

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1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter in den neugegründeten "Kurier". Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur. 1967 wechselte er als Chefkommentator in den ORF.

Im Bild: Portisch 2009 mit seiner Frau Traudi, die im Jänner 2018 im 98. Lebensjahr verstorben ist.

(c) imago/SKATA (imago stock&people)

Hugo Portisch schrieb an vielen historischen Stellen österreichische Fernsehgeschichte. Legendär war die stundenlange Moderation der Mondlandung 1969, gemeinsam mit Herbert j. Pichler, Peter Nidetzky und Othmar Urban.

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Auch ORF-Chef Alexander Wrabetz würdigte Portisch zum 90er als "einen Großen der ORF-Geschichte". Nicht zuletzt habe er "das Bewusstsein für die Rolle des ORF als elektronisches Gedächtnis dieses Landes geschaffen" und ....

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... "auch heute noch oft unerreichte Standards für Kommentar, Analyse, Objektivität und Unabhängigkeit gesetzt".

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Der Redakteur und Wissensvermittler im Studio, das damals noch nicht zur rauchfreien Zone zählte. In der Bacher'schen Informationsoffensive wurde Portisch zu einem Aushängeschild.

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Portisch berichtete von fast überall auf der Welt. Hier vom Prager Frühling ....

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... und auf dieser Aufnahme aus Washington.

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Privat war er leidenschaftlicher Pilzsammler (hier mit Regisseur Kurt Mündl).

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Hugo Portisch mit seiner Frau Traudi.

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Anfänge bei der Wiener Tageszeitung

Der am 19. Februar 1927 in Preßburg geborene Hugo Portisch studierte in Rekordzeit Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik. Bereits 1948 begann er als Redaktionsaspirant der "Wiener Tageszeitung", zwei Jahre später wurde er dort Leiter der Außenpolitik. Nach einer Zwischenstation als Leiter des Österreichischen Informationsdienstes in New York begleitete Portisch in einem kurzen, aber historisch bedeutsamen Zeitraum Bundeskanzler Julius Raab als Pressesprecher bei Staatsbesuchen in die USA.

1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur des neugegründeten "Kurier", als Stellvertreter. Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur. Portisch war maßgeblicher Proponent des erfolgreichen Rundfunkvolksbegehrens, das in die Rundfunkreform unter Generalintendant Gerd Bacher mündete. 1967 wechselte er als Chefkommentator in den ORF - und wurde eines der Aushängeschilder der Bacher'schen Informationsoffensive.

Für seine verdienstvolle Arbeit wurde Portisch u.a. mit dem Karl-Renner-Preis, dem Österreichischen Staatspreis, der Goldenen Kamera und dem Fernsehpreis "Romy" ausgezeichnet. Unter seinen zahlreichen Büchern befindet sich auch durchaus unpolitisches: 1989 verfasste der passionierte Schwammerlsucher zusammen mit seiner Frau Gertraude den Band "Pilzesuchen - ein Vergnügen".

Seine Autobiografie "Aufregend war es immer" ist anlässlich seines 90. Geburtstages neu aufgelegt worden. Mit "Leben mit Trump - ein Weckruf" hat er zuletzt auch eine aktuelle Betrachtung des Umbruchs in den USA und dessen internationale Folgen vorgelegt.

Trauer um einen Großen

Viele heimische Politiker und Journalisten kondolierten Donnerstagnachmittag der Familie und den Freunden der Journalistenlegende Hugo Portisch. Der ORF trauert um einen "seiner klügsten Journalisten, Analytiker des Weltgeschehens und einen der vehementesten Proponenten für einen reformierten Rundfunk".

Ohne ihn wäre die Institutionalisierung des unabhängigen Journalismus als wichtige demokratiepolitische Kontrollinstanz jahrelang Chimäre geblieben, teilte das größte Medienunternehmen des Landes in einer Aussendung mit. "Hugo Portisch war einer der bedeutendsten Journalisten in der Geschichte der Zweiten Republik und eine der prägendsten und wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des ORF", so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Für Millionen Österreicherinnen und Österreicher sei er über Jahrzehnte der beste Vermittler von internationalen und historischen Zusammenhängen gewesen.

Einen der "ganz Großen", einen "herausragenden Journalisten, der uns die Welt ins Wohnzimmer gebracht hat" habe man verloren, bedauerte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). "Er war eine Instanz der politischen Aufklärung und eine engagierte Stimme, die den demokratischen Aufbruch in Osteuropa begleitet hat. Von meiner Jugend an haben mich seine treffenden Analysen, seine markante Art und seine unglaubliche Gabe, die komplexesten Dinge einfach zu erklären, begleitet", würdigte ihn Kogler. "Wir werden seine Stimme und Analysen vermissen."

Eine große, schmerzende Lücke hinterlasse der Tod von Hugo Portisch, reagierte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner. "Ein Jahrhundert-Journalist, eine moralische Instanz, ein standhafter Humanist. Was für ein Leben hat er gelebt. Uns alle hat er bereichert. Meine Anteilnahme gilt seiner Familie und Freunden", so Rendi-Wagner.

"Österreich II und später Österreich I haben bei vielen jungen Menschen, wie auch bei mir persönlich, das Interesse für die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte geweckt und gefördert. Wir verlieren in ihm einen großen Analysten und Kenner der österreichischen Politik, geschätzt und verehrt weit über die Grenzen Österreichs hinaus", ließ Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wissen.

In Gedanken bei seinen Angehörigen ist auch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne): "Es ist selten, dass journalistische Beobachter den öffentlichen Diskurs so stark prägen, dass man von einem eigenen Genre, einer eigenen Kunstform sprechen kann. Hugo Portisch hat das vor allem, aber nicht nur mit den Fernsehserien 'Österreich I' und 'Österreich II' geschafft, und er hinterlässt Österreich damit einen großen - auch kulturellen - Schatz."

Als einer "der wichtigsten und prägendsten Journalisten Österreichs" wurde Portisch am Donnerstag von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bezeichnet. Darüber hinaus sei Portisch ein für viele Generationen unverzichtbarer Begleiter und hochkompetenter Erklärer gewesen und habe "unser Geschichtsbewusstsein und unser Weltbild" geprägt.

Radiosendung in memoriam

Ö1 ändert in memoriam Hugo Portisch sein Programm. Ö1 wiederholt am Freitag ab 16.05 Uhr die Sendung "Hugo Portisch, wie ihn kaum wer kennt", die im Februar im "Salzburger Nachtstudio" ausgestrahlt wurde, teilte der Radiosender mit. Dieses basiert auf einem bis dahin unveröffentlichten 30-stündigen Gespräch, das der Salzburger Verleger Hannes Steiner vor einigen Jahren mit Portisch geführt und aufgenommen hat.

Kommentare (17)
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Musicjunkie
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Eine der größten Persönlichkeiten.

Danke Hugo Portisch und Ruhe in Frieden.

masterchristl
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Journalisten-Legende Hugo Portisch

Er war wirklich ein Großer.
Bei ihm hörte ich immer vom Anfang bis zum Ende gespannt zu.
Er wird ganz Österreich fehle.
Der Familie spreche ich mein aufrichtiges Mitgefühl aus.
Er wird uns allen fehlen.
Christl Khälß

Aufschläger
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In meiner Schulzeit

war im Unterricht der zweite Weltkrieg und die Nazizeit völliges Tabuthema .
Auch von meinen Eltern kamen aufgrund ihrer Erlebnisse nur spärliche Informationen.
Erst durch Hugo Portisch mit seinen großartigen Dokumentationen erfuhr ich, was in diesen dunklen Zeiten passierte.
Ruhen sie in Frieden Herr Portisch

kairos55
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Ich bin mit und durch "Ihn" groß geworden...

Also erwachsen geworden und seine Bücher wie "So sah ich Sibirien" las ich mit größtem Vergnügen.
Und wenn er angeblich so sanft "Rüberging" zu seiner von ihm so geliebten Frau wurde ihm ein Herzenswunsch erfüllt und ist mir ein großer Trost.
Hugo P.: Du warst ein Vorbild und Held für mich!!

voit60
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Ein Lebensbegleiter und Legende

Ist nimmer

AdeodatusderZweite
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Ruhe in Frieden

Ein fantastischer Geist hat uns verlassen😢

Schwoazasteira92
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Ruhe in Frieden

Schade, um diesen klugen, sympathischen Mann. Hoffentlich hat diese unnötige Impfung nicht dazubeigetragen. 3 Wochen vorher bei der Impfpropaganda sah er noch sehr vital aus.

https://youtu.be/_rpcnJ2ZtWc

jayjayp
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Euch ist wohl echt nichts zu blöd

Sogesehen wäre es weit wahrscheinlicher, dass es Covid war. Dennoch käme wohl kein normaler Mensch da bei diesem Nachruf auf die Idee "hoffentlich war es nicht Covid" zu fragen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es aufgrund der Impfung war liegt wohl bei 1 zu ein paar Hunderttausend.

Aber gut, da Sie die Impfung ja als unnötig bezeichnen zeigt, dass Sie nach über einem Jahr nicht in der Lage war die Problematik von Covid zu begreifen.

Und da Dummheit und Unwissenheit oftmals mit schlechtem Charakter Hand in Hand geht überrascht es auch nicht, dass Sie so etwas schreiben.

Schämen sollten Sie sich dennoch.

LacknerH
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Sie sollten sich schämen!

@jayjayp: Was erlauben Sie sich gegenüber "Schwoazasteira"? Gedanken sind frei, Gott sei Dank, und in diesem Sinne steht es jedem frei, die Impfung als Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Aber wäre es so, wir würden es nie erfahren. Schön wäre es, würde die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 100.000 liegen, so wie Sie sagen. Ja, in "offiziellen" Statistiken vielleicht. Recherchieren Sie in Altenheimen, wie viele Menschen Tage oder Wochen nach der Impfung verstorben sind, einfach weil die Nebenwirkungen für betagte Menschen zu heftig waren. Aber da wird dann halt gesagt, ja sie waren ja alt und geschwächt. Jedenfalls steht es Ihnen nicht zu, von anderen zu fordern, sich zu schämen, nur weil sie eine andere Meinung haben.

Lilly2410
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Ruhen Sie in Frieden, Dr. Portisch

Die Todesursache von diesen so großen, klugen und mehr als sympathischen Journalisten aller Zeiten war hoffentlich nicht tatsächlich die Corona Impfung! Es war leider auch mein erster Gedanke!😥

Cirdan
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RIP Hugo Portisch

Er hat es geschafft, mich als Jugendlichen für die österreichischen Geschichte zu begeistern! Ein ganz großer Österreicher ist von uns gegangen!

Pointnet
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Ruhen sie in Frieden

Hoffentlich war es nicht die Impfung.

DergeerderteSteirer
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Ruhe in Frieden werter Hugo Portisch!!

Er wird immer in Erinnerung bleiben da zur Zeit absolut nichts und niemand mit solch Idealismus und Professionalität die Dokumentationen gestalten kann!!

Stemocell
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Die Doku-Serien

Österreich I und Österreich II sind zweifelsohne das Beste, das der ORF jemals produziert hat. Der Fakt, dass seitdem über 30 Jahre vergangen sind, gibt zu denken.
Mit Hugo Portisch verlässt ein ganz Großer die österreichische Medienlandschaft, seine Art und Weise zu erklären, zu recherchieren und zu berichten sucht heutzutage vergeblich ihresgleichen.

Ludolf
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Aufrichtige..

... Anteilnahme - so ein Mensch, eine Persönlichkeit und immer lustig und sachlich - R.I.P
Hoffe nur das er nicht zu den Coronafällen zählt !

Stemocell
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Wie genau meinen Sie das?

Wäre sein Tod tragischer, wenn er an Corona verstorben wäre?

giru
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Ruhe in Frieden

Hugo Portitsch war ein der großen österreichischen Persönlichkeiten auf den wir stolz sein sollten. Er hat uns glücklicherweise jede Menge empfehlenswertes Geschichtamaterial hinterlassen. Ich habe sein Wachheit, sein Wissen und seinen Humor sehr geschätzt. Schön, dass er in voller geistiger Frische so viele Lebensjahre in seinem Beruf wirken konnte.