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Neuer Film zum 90erOtto Schenk: "A guater ist auch immer a bissl schlecht"

Im Juni feiert Otto Schenk seinen 90. Geburtstag, schon heute feiert der ORF den Schauspieler mit einer neuen Komödie: "Vier Saiten" (ORF 2, 20.15 Uhr) gibt Schenk einen Wiener Grantscherben, den ein Einbruch aus der Lethargie holt.

Vier Saiten
Otto Schenk © (c) ORF
 

Am 12. Juni feiert mit Otto Schenk eine Legende des österreichischen Kulturlebens ihren 90. Geburtstag. Der ORF gratuliert bereits am 25. März mit der funkelnagelneuen, von Michael Kreihsl inszenierten Komödie „Vier Saiten“. Weitere Ehrungen werden sicher folgen. Ein Gespräch mit dem Jubilar und seinem Regisseur im Schenk-Domizil am Wiener Rudolfsplatz.

Sie haben erst relativ spät, 2016 mit dem Film „Liebe möglicherweise“, zusammengefunden. Was taugt Ihnen, Herr Schenk, an Michael Kreihsl besonders?

Otto Schenk: Wir sind Forscher der Wahrhaftigkeit, und Michael ist ein Simultanübersetzer des Natürlichen. Der Nebeneffekt bei unserer Zusammenarbeit ist ein bissl Humor. Nicht der, auf den man aus ist, sondern der sich durch die blamable Menschheit ergibt. Michael ist auch mein Aufpasser. Beide dulden wir keine unsprechbaren Texte. Da hauen wir uns gegenseitig auf die Finger. Und da ich nichts von Film verstehe, muss er mir helfen. Es gibt viel Filmisches, das ich immer hinterfrage und nicht glaube. Und er oft auch nicht. . .

Michael Kreihsl: Ich habe diesem Medium gegenüber immer eine gewisse Skepsis und Naivität. Und Otto Schenk sagt über die Schauspieler: A guater ist auch immer a bissl schlecht. Im Sinne der Unmittelbarkeit, weil er ja nie weiß, was als nächstes passiert. Nach Ende des Drehs hat er sich bei mir bedankt. Und ich mich bei ihm – für die vielen Regieanweisungen und Dialoge. Er meint, der Mensch und damit der Schauspieler ist nicht immer imstande, Gefühle stante pede abzurufen. Zum Beispiel auf Knopfdruck zu weinen.

Schenk: Gewisse Situationen findet man ja nicht als Schauspieler vor, sondern als Mensch, und da wird im Film oft vieles verlangt, dem man nicht gewachsen ist. Ein leeres Gesicht, behaupte ich, sagt oft mehr aus als ein verzogenes.

Kreihsl: Es ist mittlerweile so, dass wir beide fast nonverbal kommunizieren, dass es ein grundsätzliches Einverständnis der Rolle und dem Stoff gegenüber gibt. Grundsätzlich versichert einem ja jeder Schauspieler, dass er schwimmen kann. Also wird er von mir ins Wasser gestoßen. Wenn daraus dann tolle Pirouetten entstehen, ja, dann ist man beim Namen Otto Schenk

Vier Saiten
Omid Memar mit Otto Schenk Foto © (c) ORF (Hubert Mican)

Wie sind die Dreharbeiten gelaufen?

Schenk: Bei unserem Film war ich wirklich relativ schwer krank. Mit Fieber. Was in diesem Alter ja leicht tödlich sein kann. Also haben sie rund um mich eine Kabine gebaut, mit Sprühwasser, und zwei Thermosflaschen haben sie mir auch gegeben. Was dann wichtig war, war das Adrenalin, das ich in mir habe, und das ich zum Kochen bringen musste. Ich hab’ viele Szenen eher in Trance gespielt, und das ist gelungen. Erstaunlicherweise. Interessant: Nach dem letzten Drehtag hatte ich auf einmal den normalsten Blutdruck und die normalste Temperatur. Also rate ich jedem Halbkranken zu großen Rollen. . .  Jedenfalls war das ganze Team wie ein göttliches Spital und ich bin geheilt entlassen worden.

In „Vier Saiten“ verkörpert Otto Schenk einen griesgrämigen, gealterten Cellostar, der mit den Flüchtlingen in seinem Zinshaus nichts anfangen kann, bis ein Einbruch die Geschichte in neue Bahnen lenkt. Wie entstand diese Story?

Kreihsl: Das Thema umgibt uns ja bereits seit vielen Jahren und ist momentan, in verstärktem Maß, wieder präsent. Doch die Begleitsituation, mit der wir lernen müssen, umzugehen, ist komödiantisch und unaufdringlich. Ideologieferne ist mir wichtig, weil ich nichts von „politischen“ Filmen halte.

Schenk: Eine gute Geschichte muss anrühren, in uns Lachen oder Mitleid erzeugen.

Musik spielt in „Vier Saiten“ eine wichtige Rolle?

Kreihsl: Über Musik hab’ ich mich mit dem Otti sehr oft ausgetauscht. Schon bei unserem vorigen Film hat er mir eine wunderbare Schubert-Aufnahme von Friedrich Gulda geschenkt, die ich noch nicht kannte. Durch die vielen Gespräche über Musik hat sich dieses Thema über uns in das Drehbuch von Stefan Vogel eingeschlichen. Unabhängig von jeder Hautfarbe: Musik ist eben eine internationale Sprache. In „Vier Saiten“ geht es um das Fremdsein, doch trotz Fremdsein gibt es etwas, was uns alle vereint, und das ist die Musik – wie gesagt, als internationale Sprache.

Schenk: . . . die noch dazu etwas sehr Verführerisches hat.

Kreihsl: Und keine Vorbildung braucht.

Schenk: Na ja. . . Ich glaube nicht, dass du jeden kleinen Pygmäen in einen Wagner reinlassen kannst.

Wie wird Ihr 90. Geburtstag, Herr Schenk, genau zum Termin gefeiert?

Schenk: Ich werde im Wiener Theater Akzent diverse Texte lesen. Was sich rundherum rankt, weiß ich noch nicht. Sie werden mir zu diesem Anlass wohl meinen Alltag vergolden wollen. Ich werd’ jedenfalls so tun, als wär’ nix. Doch ich befürchte irgendwelche Überraschungen.

Soll „Vier Saiten“ Ihr allerletzter Film sein?

Schenk: Ein Blick auf meinen Taufschein wäre an sich schrecklich entscheidend, dass ich nicht mehr filmen werde. Aber ich will nichts versprechen.

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