Wischen ist MachtUrsula Strauss über durchgeknallte, aber wahrhaftige Typen

Neujahrsputz im ORF: Ab 27. Jänner fegt Ursula Strauss Montagabend in der neuen Comedy-Serie „Wischen ist Macht“. Ein Gespräch über Humor und neue Projekte 2020.

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Wischen ist Macht
Ursula Strauss führt die chaotische Putztruppe in der ORF-Serie "Wischen ist Macht" an © (c) ORF
 

Sie sollen für Ordnung sorgen und richten ganz schönes Chaos an: die kreative Putztruppe in der neuen ORF-Serie „Wischen ist Macht“. Schauspielerin Ursula Strauss („Schnell ermittelt“) führt das Grüppchen mit Wischmob, turbulentem Privatleben und großem Spruch an. Ab 27. Jänner soll die Comedyserie den ORF-Montagabend aufräumen.
Frau Strauss, in der neuen Serie „Wischen ist Macht“ verkörpern Sie

Michelle Sendracek, von allen nur „die Chef“ gerufen ...
URSULA STRAUSS: Die Chef, das liebe ich, wenn sich etwas so durchzieht. Diese Figur hat mich irrsinnig fasziniert. Ich liebe die Tatsache, dass ich im Dialekt spielen darf. Das macht viel mit dieser Figur, die ständig auf der Flucht vor sich selber ist, weil sie ihr Dasein nicht ertragen kann und so bereitwillig auf alle Ablenkungen reagiert.


Es ist eine Serie über eine chaotische Putztruppe. Wirklich putzen sieht man aber nur eine. Welche Art von Serie ist das für Sie?
Ja, alle anderen machen nichts. Diese Serie ist schwer ein- und zuzuordnen. Es ist der Versuch, einer Kleinfamilie, die durch die Arbeit zusammengewürfelt ist, beim Leben zuzuschauen – beim Scheitern und manchmal auch beim Gewinnen. Es ist vielleicht ein Comedy-Format.


Haben Sie sofort zugesagt?
Nein, ich habe lange überlegt.


Welche Bedenken hatten Sie?
Ich habe einen Heidenrespekt vor Komödien und vor diesem Format, das schwer zuordenbar ist. Ich hatte irrsinnige Lust darauf, habe aber lange gehadert. Irgendwann habe ich mir gedacht: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Und deswegen versuchte ich, eine Figur zu entwickeln, der ich selber gerne begegnen möchte. Nach eineinhalb Wochen hat mir Michelle die Hand gereicht und zu sprechen begonnen.


Und was hat sie gesagt?
Viel. Und gern geredet hat sie auch – mit einem irrsinnigen Tempo, weil sie sich dauernd ablenken muss.


Als Angelika Schnell ermittelten Sie seit zehn Jahren im ORF, zuletzt als Privatermittlerin. Bedeutet „Wischen ist Macht“ das Ende für „Schnell ermittelt“?
Dazu darf ich nichts sagen.

Wischen ist Macht
In der Auftaktfolge putzt der Trupp in einer Schule Foto © (c) ORF (Hubert Mican)


Themenwechsel: Wie halten Sie es denn mit der Reinlichkeit?
Ich bin eine Chaotin. Ich bin nicht pingelig, aber ein gewisses Maß an Verschmutzung ist dann auch nicht mehr angenehm und gemütlich. Ich bin sicher keine Putzneurotikerin. Aber wenn es dreckig ist, muss man putzen.


In den ersten beiden Folgen von „Wischen ist Macht“ dringt der Reinigungstrupp in eine Schule und ein Bestattungsunternehmen ein. Welche Milieus folgen?
Wir reinigen auch noch in einer Versicherung, einer Rockstar-Villa, in der Airbnb-Wohnung meiner Mutter, einem Sex-Reality-Shop oder am Zentralfriedhof. Insgesamt ist es super, dass nicht im Studio, sondern „on location“ gedreht worden ist. Ein realer Ort ist für die Wahrhaftigkeit einer Komödie und ihrer Figuren wichtig.


Was macht denn für Sie guten Humor in einer Serie aus?
Kennen Sie „Modern Family“? Oder „Brooklyn Nine-Nine“? So einen Humor liebe ich: durchgeknallte Typen, die aber allesamt total wahrhaftig sind und jedes Problem angehen, als wäre es das Wichtigste auf der Welt. Es muss ein gutes Timing haben und ein bisserl durchgeknallt sein – und außerhalb der Norm. Es geht um Figuren, bei denen eine größere Verrücktheit Platz haben darf. Ich habe immer das Gefühl: Wenn man sich für die Verrücktheiten der anderen öffnet, kann man viel Spaß haben und sich auch inspirieren lassen.


Wo werden wir Sie 2020 noch auf den Bildschirmen sehen?
Zuerst folgt der zweite Teil der neuen Staffel „Schnell ermittelt“ und soeben habe ich einen Kinofilm abgedreht.


Erzählen Sie uns bitte mehr von dem Kinofilm!
Es ist eine ganz tolle, wunderschön geschriebene Geschichte, inszeniert von Lisa Bierwirth. „Le Prince“ ist ein Arthouse-Film, ein Melodram, eine Liebesgeschichte zwischen einer Frankfurter Kunstkuratorin und einem kongolesischen Diamantenhändler. Die Örtlichkeiten werden eine Spannung in den Film hineinbringen – der Kontrast zwischen afrikanischer Community, Restaurants und Plattenbauwohnungen, verglichen mit dem arty weißen Frankfurter Kunsthallen-Milieu und Menschen, die sich über die Kunst definieren und ausschließlich darüber reden. Alleine dieses Spannungsfeld ist extrem aufregend.

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