Servus TVKonkurrenz für den ORF: Drama und Intrigen in Rot-Weiß-Rot

Start der ersten von einem heimischen Privatsender produziertem fiktionalen Serie: Das vorerst achtteilige "Trakehnerblut" feiert heute um 20.15 Uhr auf Servus TV seine Premiere. Mit Pferden als edlem Aufputz.

Raphael (Aaron Karl) und Alexandra (Julia Richter)
Raphael (Aaron Karl) bringt Alexandra (Julia Richter) das Reiten bei © ServusTV/SAM/Hoe
 

Es ist „ein großer, aber auch logischer Schritt“ für uns: So beschreibt Intendant Ferdinand Wegscheider den Weg zu „Trakehnerblut“. Hat doch noch kein österreichischer Privatsende zuvor eine eigen fiktionale Serie produziert. Ob der Titel eine kluge Wahl war (bei den Dreharbeiten ging man noch von „Vollblut“ aus) und er nicht eher eine „Terra Mater“-Doku erwarten lässt, sei dahingestellt, wissen doch angeblich nur 40 Prozent der Bevölkerung, was ein Trakehner ist. Etwas Schmissigeres würde den Erfolg eher fördern, doch „der Chef“ (Dietrich Mateschitz) wollte es eben so.
Über diese edle Pferderasse, die der Milliardär selbst züchtet, konnte man ihm das Okay für diese Serie entlocken – initiiert noch vom damaligen Servus-Programmdirektor Matthias Hartmann.

Wobei die Tiere nicht Dreh- und Angelpunkt der Dramaturgie dieser Familiengeschichte sind, sie bilden „das schöne Setting“, wie es Regisseur Andreas Herzog ausdrückt. Als Vorbild für die Machart wird unter der Hand die Netflix-Serie „Bloodline“ genannt – es geht also um dunkle Familiengeheimnisse, unterschiedlichste Geschwister und schwarze Schafe, Machtansprüche und -erhaltung. Aber eben um kein Hotel oder ein Ölimperium, sondern um ein Gestüt und seine Ländereien.

Man kann „Trakehnerblut“ daher auch als heutige Austroversion von „Dallas“ oder „Dynasty“ sehen, gedreht hauptsächlich im Wienerwald. Und nicht mit den üblichen ORF-„Verdächtigen“ besetzt. Für die Hauptrolle engagierte man Newcomerin Julia Franz Richter, die bis dato erst eine TV-Erfahrung (Gastrolle im Austro-„Tatort: Wehrlos“) aufweisen konnte. Derzeit ist die Wiener Neustädterin, die von der ersten Szene an überzeugt und mit deren Figur sich viele Zuschauer identifizieren werden, Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater. Ihr Hauptgegner wird vom Grazer Christoph Luser verkörpert: „Meine Figur hat die ganze Zeit zu kämpfen. Da ist schon spannend!“

TV-Kritik

Fiktionale Unterhaltung kostet – und was bisher weder ATV noch Puls 4 gewagt haben, bietet Servus TV heute und an sechs weiteren Hauptabenden: eine eigene Unterhaltungsserie. Das Budget? Zwischen fünf und sechs Millionen Euro waren wohl für diese Premierenproduktion eines Privatsenders erforderlich.
Servus TV steht für Qualitätsprogramm und Niveau. Ist also auch „Trakehnerblut“ etwas Besonderes? Ja und nein. Ja, denn damit hat der ORF eine seiner letzten Bastionen verloren – dem Publikum eine Serie mit österreichischer Identität servieren zu können. Nein, da das Drama im edlen Setting nicht mehr und nicht weniger als fein gemachter und wunderbar besetzter Mainstream ist. Die Familienkonstellation könnte man als Streifzug durch die TV-Historie bezeichnen, geht es um Geschichten über uneheliche Kinder, Testamente und Intrigen – also ein Mix etwa aus dem „Erbe der Guldenburgs“, „Rivalen der Rennbahn“, „Zodiak“ und „Riviera“. Hier geht es halt um die Erbschaft eines Gestüts, um Voll- und Halbblüter.

Als Fernsehabend also empfehlenswert? Allemal, auch weil man durch die tolle Protagonistin (Julia F. Richter) schnell hineingezogen wird und dranbleibt. Ob man nun vorher wusste, was Trakehner sind oder nicht. Lassen Sie sich vom Titelsong und den ersten Minuten nicht abschrecken! CU

Familienoberhaupt Michou Friesz verdreht beim Vergleich mit „Dallas“ ein wenig die Augen, bekennt aber: „Es sind doch immer wieder die gleichen Themen, die uns im Leben beschäftigen und die auch in einer Drama-Serie elementar sind: Schmach, Verletzungen, Eifersucht, Neid etc.“
Wie geht es morgen los? Zum Auftakt wird das Testament des Patriarchen eröffnet, in dem er seine außereheliche Tochter zur Haupterbin einsetzt, um die er sich 24 Jahre nicht gekümmert hat. Als sie dem Pferd „Dezember“ begegnet, spürt sie sofort eine tiefe Verbundenheit . . .

Die Serie

Start: Heute auf Servus TV um 20.15 Uhr, dann acht 45-Minüter jeweils donnerstags bis 14. Dezember (zum Abschluss läuft eine Doppelfolge).
Regie: Andreas Herzog & Christopher Schier (je vier Folgen).
Mit Julia F. Richter, Laurence Rupp, Christoph Luser, Patricia Aulitzky, Michou Friesz, Aaron Karl, Jeanette Hain, Andreas Kiendl, Stipe Erceg, Heidi Berger u. a.

 

Alexandra Winkler (Julia Richter), Leander (Laurence Rupp), Maximilian (Christoph Luser) und Silvia Hochstetten (Patricia Aulitzky)
Alexandra Winkler (Julia Richter, von hinten), Leander (Laurence Rupp), Maximilian (Christoph Luser) und Silvia Hochstetten (Patricia Aulitzky) Foto © ServusTV/SAM

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