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Wunden in der KunstgeschichteImpfselfies oder wie der Mensch seine Wunden inszeniert

„Zeige deine Wunde“, forderte schon Joseph Beuys. Bilder von frisch Geimpften sind derzeit immer und überall zu sehen. Wie der Mensch seine Wunden inszeniert, ein Blick in die Kunstgeschichte.

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Impfselfie und Frida Kahlo
Impfselfie und Frida Kahlo © ADOBE STOCK, APA
 

Der Ärmel bis zum Schulterende hochgeschoben, der Arm nackt, meist haben sie ein Lächeln auf den Lippen und nicht wenige winkeln ihren Unterarm ab und nehmen die standardisierte Popeye-Pose ein: endlich wieder stark! Man muss nicht zwingend auf den sozialen Medien unterwegs sein: Zeitungen, Fernsehen, Werbung – die Welt steckt im Impffieber und der nackte Oberarm mit Pflaster drauf ist das Aushängeschild für die Trendwende aus der Pandemie. Wer auf Instagram oder Facebook unterwegs ist, kommt ohnehin nicht dran vorbei, alles ist zugepflastert. Die Bilderflut wird bisweilen nur unterbrochen von ein paar glupschäugigen Hauskatzen, die verwirrt vom Tierarzttisch dreinschauen: #impfung schließt ja nicht zwingend eine Immunisierung gegen Katzenschnupfen aus.

Es wäre nicht das erste Mal, dass in dieser Pandemie Grundregeln Knall auf Fall auf den Kopf gestellt würden. Sich und seine Wunden öffentlich zu zeigen, steht im krassen Gegensatz dazu, wie in einer optimierten Gesellschaft mit Verletzungen umgegangen wird – und das noch dazu auf Plattformen, in denen Selbstoptimierung und Perfektion im Quellcode eingeschrieben sind. Wer seine Verletzungen offenbart, macht eben auch seine eigene Verletzlichkeit öffentlich. Im Gegensatz dazu ist die Pandemie eine kollektive Erfahrung: Einer scheinbar unbesiegbaren Gesellschaft werden ihre Schwächen aufgezeigt.

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