Er war ein Einzelgänger der Moderne, der sich nie von einer Kunstströmung vereinnahmen ließ und „immer seinen eigenen Weg ging“, charakterisiert Kuratorin Julia Schuster den aus einem Schtetl in Witebsk im heutigen Weißrussland stammenden Marc Chagall (1887-1985). Die schwebenden, zarten Bildmotive und die intensiven Farben sind wohl die vordringlichsten Kennzeichen der rund hundert Bilder, die in der Stadtturmgalerie in Gmünd ausgestellt sind. Sie stammen aus der „Sammlung Rheinland“ eines deutschen Ehepaares, das seit mehr als dreißig Jahren Chagall-Werke erwirbt, „mit ihnen lebt“ (Schuster) und nun erstmals eine Auswahl der Öffentlichkeit präsentiert. Es sind Werke, die das Kaleidoskop einer farbigen Traumwelt wiedergeben, die in der jüdisch-chassidischen Tradition begründet ist – einer Art Hintergrundfolie zum Leben Chagalls, das vom Grundsatz „Freude als Tugend, Traurigkeit als Sünde“ (Schuster) geprägt wurde.