Das Buch, das Pater Gerfried Sitar da gerade in einem wohltemperierten Raum irgendwo im Stift St. Paul aufschlägt, ist das älteste gebundene Buch außerhalb des Vatikans. Der Ambrosius-Kodex stammt aus dem 5. Jahrhundert, gilt als das erste illuminierte (also mit Buchmalerei versehene) Manuskript Europas und „ist eines der wichtigsten Schreibdokumente überhaupt“, sagt der Leiter des Stiftsmuseums St. Paul. Geschätzter Wert: 40 Millionen Euro aufwärts. Unser Erstaunen darüber, dass er den kostbaren Band mit bloßen Händen anfasst, kostet ihn nur ein Lächeln: „Natürlich tragen Forscher bei uns auch Handschuhe. Aber es genügt auch, wenn man sich die Hände gründlich wäscht. Das ist ja lebendiges Material“, sagt er über das kostbare Pergament. Dank dieses Schatzes ist die Handschriftensammlung in St. Paul die einzige in Österreich, die die Evolution der Schreibkunst vom 5. bis ins 18. Jahrhundert lückenlos dokumentiert.
Stift St. Paul
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Am 23. April ist der Welttag des Buches. Die Büchersammlung des Stiftes zählt neben der Nationalbibliothek in Wien zu den bedeutendsten Kollektionen von Manuskripten in Österreich – unter anderem mit dem Ambrosius-Kodex aus dem 5. Jahrhundert.
© Markus Traussnig