Wenn die großen Ferien anbrachen, sich die Hitze über Graz legte, dann machte auch die Kultur in der Stadt Pause. Die traditionellen Institutionen schlossen ihre Pforten, die Styriarte existierte in den 70er-Jahren noch nicht. Und dann begannen in der Innenstadt, für alle Grazerinnen und Grazer hörbar, klassische Klänge die sommerliche Luft zu erfrischen: Studentinnen und Studenten aus Übersee, Teilnehmende der Sommerkurse von Aims (American Institut of Musical Studies) musizierten in den Gassen und auf den Plätzen der Innenstadt, in kleinen Gruppen oder als Solisten und erfreuten mit Mozart, Beethoven und all den Meistern der klassischen Musik.

Das 1969 in Dallas von Nora Sands und ihrem Gemahl Richard Owens, Bariton und Gesangspädagoge, gegründete American Institut of Musical Studies hatte sich vorgenommen, amerikanische Gesangsstudenten für eine Karriere auf europäischen Opernbühnen vorzubereiten. Man begann mit den Meisterkursen im deutschen Freiburg im Breisgau, war aber mit der gebotenen Infrastruktur nicht zufrieden, sah sich nach einem anderen Ort um, wurde in Graz fündig und mit offenen Armen empfangen.
1971 landeten 45 Aimsler zum ersten Sommerkurs in der steirischen Landeshauptstadt. Unterstützt von der früheren Sopranistin und aktiven Mäzenin Irma Cooper und dem Professor für Liedgesang, Harold Heiberg, entwickelte sich das Projekt zur Erfolgsgeschichte und einem sommerlichen Musikereignis für Graz. Nicht nur für Graz. Man brachte bald ein eigenes Orchester mit, konzertierte in anderen steirischen Städten.