Helga Rabl-Stadler„Ich bin ein Kind des Glücks“

Helga Rabl-Stadler erlebt als Präsidentin der Salzburger Festspiele nach 27 Jahren ihre letzte Saison. Wir baten die Leidenschaftlerin zu einem Assoziationsspiel.

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Das wird wohl ein Unruhestand: Helga Rabl-Stadler beendet heuer ihre 27-jährige Präsidentschaft bei den Salzburger Festspielen © Salzburger Festspiele/Wild & Team
 

Wollte man diese Frau mathematisch fassen, müsste schon das Ohm’sche Gesetz her: U = R x I. Spannung = Widerstand x Stromstärke.

Spannend ist es immer bei Helga Rabl-Stadler, der gilbertbécaud’schen Madame 100.000 Volt. Ihr zu widerstehen, ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Und sie elektrisiert, wo immer sie auftaucht.

Ihre Energie hat sie 27 Jahre lang in das Kraftwerk Salzburger Festspiele eingespeist, am Ende dieses Jahres aber zieht sie endgültig den Stecker. Zu diesem Anlass haben wir die langjährige Präsidentin des Festivals gebeten, sich auf ein Assoziationsspiel einzulassen. Wir warfen ihr 20 Worte hin (fett markiert) und baten sie, spontan darauf zu reagieren.

Am Anfang glaubte ich, dass sich alle freuen, eine energiegeladene, durchsetzungsstarke Frau als Präsidentin zu bekommen.

Das Beste an der Festspielpräsidentschaft ist: Besuch von Oper, Theater und Konzerten – für andere eine Freizeitbeschäftigung – ist mein Beruf.

Leider sind große Künstler nicht immer große Menschen.

Gott sei Dank habe ich kein Talent zur Frustration.

Fehler sind wichtige Erfahrungen, ohne die man hohe Ziele nie erreichen würde.

Am liebsten würde ich Tag und Nacht lesen.

Das Tiefgängigste ist Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.

Vermissen werde ich die Auslandsreisen auf drei Kontinente, bei denen ich die Riesenwertschätzung für die Salzburger Festspiele zu spüren bekam.

Nie mehr sage ich „nie mehr“.

Noch einmal sage ich nie mehr, wenn man mich fragt, als Festspielpräsidentin zu bleiben. Oje, jetzt habe ich schon wieder „nie mehr“ gesagt!

Ganz bestimmt wird auch der Festspielsommer 2021 künstlerisch besonders ergiebig.

Nie genug, immer noch mehr, das ist ein Grundgefühl, vor dem mich ekelt.

Wunschloses Unglück von Peter Handke. Dieses Buch habe ich seit seinem Erscheinen 1977 unzählige Male verschenkt.

Wesentlich ist nur, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das Ziel eingeschworen sind, die besten Festspiele der Welt zu machen. Wie sagte Hugo von Hofmannsthal? „Oper und Theater, von beidem das Höchste.“ Die Qualität als Programm.

Versäumt ... So ein negatives Gefühl lasse ich gar nicht aufkommen.

Die Welt kann zum Positiven verändert werden.

Im Kopf ... „Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo“ – eine herrliche Liedzeile eines meiner Lieblingschansonniers, nämlich von
André Heller.

Mein Herz gehört meinen Freundinnen und Freunden, vor allem aber meinen zwei Söhnen und meinen zwei Enkelkindern.

Ende 2021 wird mein unvergleichlich interessantes, forderndes Berufsleben nach 53 Jahren zu Ende gehen.

Und außerdem bin ich ein Kind des Glücks, dass ich so lange gestalten durfte.

Kommentare (4)
Ichweissetwas
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Sehr gut

Dass sie es selbst gut erkannt hat.....

cathesianus
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Eine tolle Frau!

Danke, Frau Rabl-Stadler!

Lodengrün
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Böse Zungen sagen

in diesem Zusammenhang sie wäre das Kind von Gerd Bacher.

immerich
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na und?

was spielt das für eine rolle? im übrigen hat das nichts mit ‚bösen zungen‘ zu tun - das ist ein fakt und wird auch ganz offiziell kommuniziert. siebe presse-portrait vor zwei tagen…