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33. Festival St. GallenKrokodile im Gesäuse, Klapperschlangen auch

Heuer gibt es in St. Gallen erstmals seit 1992 keinen Composer in Residence. Aber Iván Eröd, kürzlich verstorben, ist doch präsent.

IVAN EROeD
Iván Eröd (1935–2019) war als Composer in Residence geladen. Jetzt erfolgt die Hommage an ihn beim Festival in St. Gallen posthum © APA/HANS PUNZ
 

Aktivkultur geht vor Passivkultur. Kulturelle Selbstversorgung statt Durchreise-Kultur forcieren. Kultur muss als Laboratorium der Gesellschaft begriffen werden ...“

Nur ein paar Überlegungen, die Erich Mitterbäck einmal als Wegweiser für Kunst und Kultur im ländlichen Raum schriftlich an- und aufgestellt hat. Kaum einer weiß so gut wie er über das Thema Bescheid, ist er doch seit 33 Jahren sozusagen Laborchef des Kulturkreises St. Gallen im Gesäuse. „Wir sind keine Veranstalter, sondern eine Initiative“, wird der 80-Jährige nicht müde zu betonen, dass er und sein Team den Leuten das „Lebensmittel Kultur“ in aller Breite und Tiefe schmackhaft machen – angefangen beim Kinderprogramm „Regenbogen“ über das Projekt „Kultur beim Wirt“ bis zum zentralen Musikfestival im Sommer.

Gute Tradition ist es, dass man seit 1992 in den zwei Wochen im August auch Composer in Residence präsentiert. Von Werner Pirchner über Kurt Schwertsik bis zu HK Gruber – die Gästeliste ist so lang wie illuster. Der heuer eingeladene Komponist wird leider fehlen, aber sein Geist wird da sein und seine Musik: Iván Eröd, der am 24. Juni im Alter von 83 Jahren starb.

Beim Eröffnungskonzert bringt Emmanuel Tjeknavorian mit dem Klagenfurter ensemble minui neben Werken von Liszt und Mahler auch Eröds „Alterslaunen“ für Kammerorchester. Der 24-jährige Wiener Paradegeiger mischt mit Kollegen an zwei weiteren Terminen Delikatessen des gebürtigen Ungarn ins Programm. Und Stammgast Erwin Ortner, der mit seinem Schoenberg Chor wieder die finale Festivalgala und das Hochamt verantwortet, ist mit den Seinen mit dabei, wenn Iván Eröd ein ganzer Abend gewidmet ist: Am 22. August kann man auf Burg Gallenstein nicht nur dessen geistreiche Tonkunst bestaunen, sondern auch dessen feinen musikalischen Witz – etwa bei Liedern über Milchzähne, kunstsinnige Krokodile, eine von Liebe überwältigte Klapperschlange oder im kleinen Chorzyklus „Stanzen“ nach den bitterbösen Dialektgedichten von Ernst Jandl.

Festival St. Gallen vom 10. bis 25. August. Karten: Tel. 0664 21 12 105, festival.stgallen.at

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