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Nachruf Förderer der Avantgarde: Dirigent Michael Gielen verstorben

Er galt als Spezialist für Neue Musik und setzte sich jahrzehntelang für die Etablierung der Avantgarde im Konzertbetrieb ein. 2014 zog sich Michael Gielen vom Pult zurück. Nun starb er 91-jährig an seinem Wohnsitz in Mondsee.

ARCHIVBILD MICHAEL GIELEN
Dirigent Michale Gielen, aufgenommen 2002 © APA
 

Der deutsch-österreichische Dirigent und Komponist Michael Gielen ist laut mehreren Medienberichten im Alter von 91 Jahren an seinem Wohnsitz in Mondsee (Oberösterreich) verstorben. Das berichtete unter anderem der Südwestrundfunk (SWR), dessen Sinfonieorchester der gebürtige Dresdner bis 1999 geleitet hatte, unter Berufung auf Gielens Familie.

Der Künstler musste sich bereits 2014 aus gesundheitlichen Gründen vom Dirigentenpult zurückziehen. Davor hatte der Spezialist für Neue Musik für Jahrzehnte die Etablierung der Avantgarde im Konzertbetrieb betrieben und schon als 22-Jähriger mit der Aufführung des gesamten Klavierwerks von Arnold Schönberg für Aufsehen gesorgt. Geboren wurde Michael Gielen am 20. Juli 1927 in Dresden.

Seine Karriere als Dirigent startete er als Autodidakt allerdings in Argentinien, wo seine Familie auf der Flucht vor den Nazis 1940 eine neue Heimat gefunden hatte. Sein österreichischer Vater Josef, ehemaliger Direktor des Wiener Burgtheaters, wurde in Buenos Aires Oberspielleiter am Teatro Colon. Gielen, der von deutschen Emigranten in Klavier und Komposition unterrichtet wurde, arbeitete von 1947 bis 1950 ebenfalls an dieser Bühne als Korrepetitor, bevor er nach Europa rückübersiedelte. Dort begann er 1950 an der Wiener Staatsoper zu arbeiten. Auf rund 420 Einsätze im Haus am Ring kam Gielen in nur wenigen Jahren als musikalischer Leiter oder Dirigent, wobei er 1960 das letzte Mal zu hören war.

Es folgten Engagements als Chefdirigent der Königlichen Oper Stockholm (1960-1965), des Belgischen Nationalorchesters (1969) und der Niederländischen Oper (1973-1975). Er erspielte sich mit zahlreichen Uraufführungen von Mauricio Kagel, Karlheinz Stockhausen und György Ligeti schnell den Ruf eines Spezialisten für Neue Musik, ließ jedoch auch das übrige Repertoire nicht aus den Augen. 1977 trat Gielen die Position des Chefdirigenten der Frankfurter Oper an, den er bis 1987 innehaben sollte.

Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit innovativen Regisseuren wie Hans Neuenfels, Ruth Berghaus und Volker Schlöndorff verwandelte er dabei die Bühne in Frankfurt zu einer der experimentierfreudigsten Institutionen des modernen Musiktheaters. Parallel dazu war er von 1978 bis 1981 Erster Gastdirigent des Londoner BBC Symphony Orchestras, dessen Ehrendirigent er seither war, und auch die Berliner Staatsoper Unter den Linden machte Gielen als Zeichen der Verbundenheit zum Ehrenmitglied.

So viel Engagement blieb nicht ungewürdigt. Im Laufe seiner Karriere erhielt Gielen etwa 1982 den Deutschen Kritikerpreis. Im Jahr 1991 wurde er mit dem Österreichischen Würdigungspreis des Ministeriums für Unterricht und Kunst im Bereich Musik, im Jahr darauf mit dem Preis Litteris et Artis Österreich und dem Großen Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1997 erhielt er den Großen Preis der Stadt Wien für Musik, es folgte das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1998) sowie 2010 der hoch dotierte Musikpreis der Internationalen Ernst von Siemens Musikstiftung.

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