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Helga Rabl-Stadler„Ich bin in der Harmonie am besten“

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, erfuhr erst mit 21 Jahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Ihre bunte Familiengeschichte habe sie immer bereichert und geprägt, gab sie uns zu Protokoll.

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Helga Rabl-Stadler, seit 1995 und noch bis Ende 2020 Präsidentin der Salzburger Festspiele © Salzburger Festspiele/Doris Wild
 

Ein Blick zurück in die Kindheit, bei dem mir warm ums Herz wird? Natürlich, wie wohl bei den meisten, Weihnachten. Das war bei uns immer unglaublich schön, aber auch sehr aufregend. Weil meine Mutter nach einem turbulenten Tag im Geschäft erst spät und völlig erschöpft nach Hause kam. Aber da das Christkind zuvor schon tagelang gearbeitet hatte, hat stets alles gestimmt an diesem schönsten Abend des Jahres.

Meine Kindheit war durch zwei Sachen gekennzeichnet: durch Liebe und Leistung.
Ich wurde sehr liebevoll erzogen. So wie meine Geschwister auch: Mein Bruder, heute Banker, ist drei Jahre jünger als ich. Meine Schwester, neun Jahre jünger, lebt jetzt als Architektin in Amerika. Den Eltern ist es stets sehr gut gelungen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen. Das äußert sich unter anderem darin, dass wir Geschwister bis heute kaum Konflikte kennen. Auch Prüfsteine wie Erbschaftssachen haben wir gut überstanden. Und wir fahren sogar alle zwei Jahre gemeinsam auf Urlaub – nur wir drei, ohne Partner. Im Vorjahr gönnten wir uns New Mexico, Santa Fe.

Aus dem Familienalbum: vor dem Flugfeld in Radstadt, im Hintergrund ein verunfalltes Flugzeug Foto © Privat

Leistung war bei uns daheim ein Wert, kein auferlegter Druck. Es war die Aufforderung, Verantwortung und Eigenverantwortung zu übernehmen. Da setzten meine Eltern ganz klar Vertrauen in mich: Sie brachten ihre Leistung im Beruf und ich die meine ganz selbstverständlich in der Schule. Sie wären nie auf die Idee gekommen, nachzufragen, wie ich als Schülerin vorankäme oder wie lang mein Studium dauern würde.

Schon mit 14 habe ich, wenn meine Mutter im Geschäft und unsere Haushälterin auf Urlaub war, die ganze Hausarbeit übernommen. Kochen, putzen, bügeln. Im Rückblick waren die von mir so früh eingeforderten Pflichten damals vielleicht etwas zu stark im Vergleich zu den Rechten, aber belastet hat mich das nie. Im Gegenteil: Das hat mein Leben sehr geprägt.

Aus dem Familienalbum: mit ihrer Mutter Rosl Stadler, die das Modegeschäft Resmann in der Salzburger Altstadt führte. Foto © Privat

Mein Stiefvater war Sägewerksbesitzer in Niedernfritz im Pongau und hatte bis zu 100 Mitarbeiter. Es war eine schwierige Branche, 90 Prozent der Ware gingen in den Export, vor allem nach Italien. Weil er oft dorthin fahren musste, um zu verhandeln und bei säumigen Zahlern Geld einzutreiben, begann er Italienisch zu lernen. Und ich mit ihm, bei einer Diplomatengattin. Die las mit uns gleich „I promessi sposi“ – „Die Brautleute“ – von Alessandro Manzoni, einen Roman aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ganz wesentlich für die moderne italienische Prosa, aber zum Geldeintreiben halt nur bedingt nützlich (schmunzelt). Also hat mein Stiefvater bald wieder aufgehört zu lernen, ich aber habe mit Begeisterung weitergemacht.

Dass ich die Tochter von Gerd Bacher bin, habe ich erst als 21-Jährige erfahren. Meine Eltern haben das bewusst von mir ferngehalten. Wohl auch, weil der Stadler-Vater eifersüchtig auf seinen Vorgänger war. Und, wie ich später hörte, war die Familie Stadler nicht gerade glücklich, dass er eine geschiedene Frau mit Kind heiratet. Vor allem aber glaubten meine Eltern, es sei für das Familienleben besser, wenn meine Geschwister nicht wüssten, dass ich nur ihre Halbschwester bin. In meinem Fall ist das gottlob gut ausgegangen, weil ich den Stadler-Vater geliebt habe und er mich. Einem Kind seine Herkunft zu verheimlichen, ist trotzdem der völlig falsche Weg.

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